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Stefan Steinmetz
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Dabei seit: 10.02.2006
Beiträge: 1719

Der Elfenmacher(51) Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       IP Information Zum Anfang der Seite springen

Chayenne wand sich auf der Tischplatte wie ein Wurm am Angelhaken. Jedenfalls versuchte sie es. Die Metallklammern, mit denen sie auf den Tisch geschraubt war, hielten sie eisenhart fest.
Chayenne heulte. Sie schrie. Sie bäumte sich auf. Doch es war nur ein erbärmliches, fast unhörbares Quäken, das sie zustande brachte und ein Zucken und Strecken ihrer Glieder.
Chayenne versuchte, den schrecklichen Eugenniederschratzlmeyer anzuflehen. Sie wollte ihn pausenlos anflehen, sie gehen zu lassen, ihr das Entsetzliche nicht anzutun.
Aber sie konnte nicht. Eisiges Entsetzen spülte über sie hinweg.
Nein! Nein!, wollte sie schreien. Nein! Neinneinneiiiin!
Das Schatzleugenmeyer schnitt sie. Tief. Schmerzhaft. Schrecklich. Entsetzlich.
Chayenne bog den Rücken durch. Sie holte tief Luft – was der Ball in ihrem Mund komischerweise zuließ – und fing erneut an zu schreien. Sie konnte nicht anders. Heraus kam nichts außer „Gmm! Bmmb!“
Plötzlich krachte es laut. Eine Tür donnerte gegen die Wand.
Eine laute Stimme: „Halt! Polizei!“
Das Schratzlschneidemeyereugenmesser verschwand aus Chayennes Bauch. Durch einen Schleier aus Tränen sah sie das Eugenschratzlmeyer herumfahren. Trotz ihres getrübten Blickes sah sie den Wahnsinn in den Augen des Eugenmannesniederschratzls leuchten.
Das Schratzleugenmeyer griff nach der Pistole.
„Waffe runter!“ bellte eine laute Stimme. „Sofort!“
Das Meyerniederschratzl riss die Pistole hoch. Es richtete sie auf Chayenne. Chayenne presste die Augenlider zusammen. Sie verkrampfte sich vor Angst.
Jetzt schießt es mich tot! Es macht mich tot! Jetzt muss ich sterben! Mama! Oh Mama! M...!
Weit weg hörte sie die Stimme des Niedereugenmeyerschratzls: „Ihr werdet nie verstehen!“
Dann knallte ein Schuss.
Chayenne zuckte zusammen.
Sie war tot. Mausetot. Totgeschossen vom Schratzlmeyernieder. Er hatte sie niedergemeyert mit seiner Pisatzlschrole. Mit seiner Pistolenniedermeyerung. Tot.
Tot …
Stimmen. Schuhgetrappel. Aufregung.
„Heiliger Strohsack! Das verdammte Schwein!“
„Das Mädchen! Schnell! Das Mädchen! Sie blutet!“
Hände berührten Chayenne. Sie hielt weiter die Augen geschlossen. Sie wollte nichts sehen und nichts hören. Sie wollte tot sein.
Die Augen sperrten alles aus, was es zu sehen gab, aber ihre Ohren waren geöffnet. Die konnte Chayenne nicht schließen.
„Schraubenschlüssel!“ Jemand bellte Worte. So hatte Chayenne noch nie einen Menschen reden hören. Laut, drängend, gewalttätig und besorgt zugleich.
An ihrer rechten Hand wurde herum gefummelt. Sie spürte etwas Hartes, Kaltes. Sie wunderte sich, wieso sie überhaupt etwas fühlen konnte. Sie war doch tot.
Aber ihr Bauch tat weh, dort wo das Niederschratzmeyereugl sie geschnitten hatte. Auch dort fühlte sie Berührungen.
„Fleischwunde“, brummelte jemand. „Glück gehabt. Das war auf den letzten Drücker.“
Chayenne öffnete die Augen. Es war hell und um sie herum waren Polizisten; Männer und Frauen. Alles Polizeipolizisten. Jemand machte den Lederriemen an ihrem Ohr auf. Ihr Kopf wurde unendlich sanft angehoben. „Keine Angst, Kleines. Wir helfen dir. Wir befreien dich. Es kann dir nichts passieren.“
Dann war der entsetzliche Ball aus ihrem Mund heraus. Chayenne wollte schreien. Sie wollte brüllen. Sie wollte flehen. Bittebitte nicht schneiden! Bitte nicht!
Aber sie brachte keinen Laut hervor. Sie konnte nur schnaufen. Schnaufen und still weinen.
Ich bin nicht tot, dachte sie. Ihr rechter Arm wurde auf ihre Brust gelegt. An ihrem Bauch fummelte jemand herum.
Pflaster. Der macht mir ein Pflaster drauf.
Chayenne fühlte die kalten kleinen Dinger, die so hart waren an der linken Hand und unten an ihren Füßen. Manchmal grietschte es leise.
Die Schrauben. Sie machen sie auf. Mit Schlüsseln. Ich bin nicht tot. Ich lebe. Ich werde nicht geschnitten. Zerschnitten … aufgeschnitten … linke Hand … abgesägt …
Jemand hob ihren Oberkörper hoch, bis sie aufrecht auf dem Tisch saß. Chayenne zitterte am ganzen Leib. Sie sah auf den Boden neben dem Tisch. Dort unten lag das Euschratzmeyerniederl auf dem Rücken. Blaue Augen glotzten dumm zu ihr auf. Der Mund des Niedermeyschratzeugenls war aufgerissen und ganz voll Blut. Rund um den Kopf des Meyereugenschratzlnieders quoll Blut hoch. Woher kam das? Von unten aus dem Boden? War dort eine Blutquelle?
Dann verstand Chayenne. Das Blut quoll aus der Hinterseite des Kopfes des Meyerschratzleugenieders. Es musste sehr hart mit dem Hinterkopf auf den Steinboden aufgeknallt sein. Es hatte ein Loch im Kopf und das ganze Gehirn und Blut lief aus dem Schratzmeyerkopfl raus. Eklig.
Die Augen starrten sie weiter an. Sie waren aufgerissen und sie waren sehr, sehr blau. Sie schauten vorwurfsvoll. Als wollten sie Chayenne die Schuld geben, dass das blöde Schratzeugenmeyerl sich den Hinterkopf aufgeschlagen hatte.
Chayenne fühlte Angst. Aber vor allem fühlte sie Erleichterung. Das Schratzlmeyerungeheuer würde ihr nichts antun. Das Meyerschratzeugenmonsterl war tot. Mausetot. So tot, toter ging´s nicht.
Chayenne fühlte, wie man sie hochhob und auf die Füße stellte: „Kannst du stehen, Kleine?“
Eiskalter Kellerboden unter ihren Füßen.
„Kalt!“ Sie erschauerte.
Ich habe nichts an. Alle sehen das. Ich will meine Kleider.
Als hätte sie es gehört, war plötzlich eine Polizeifrau neben ihr. Sie zog Chayenne ihre Kleider an. Sie musste sie irgendwo gefunden haben. Sie zog Chayenne an, als wäre sie ein kleines Kind. Chayenne hielt still. Sie konnte sich nicht selber anziehen. Ihre Arme und Beine waren wie gelähmt. Ihr ganzer Körper war wie gelähmt. Ihr Kopf ebenso. Sie konnte nicht richtig denken. Sie hatte noch immer Angst. Aber wenigstens zogen sie sie an. Sie wollte nicht ausgezogen vor all den fremden Leuten stehen.
Sie wollte auch nicht in diesem Keller sein, im Scheugenmeyerschratzlniederkeller. Im Angstkeller. Im Mädchenzerschnibbelkeller. In dem Keller, in dem der wahnsinnige Eugen Niedermeyer ihre Cousinen und anderen Verwandten tagelang grauenhaft gefoltert hatte. Sie wollte zu ihrer Mama und zu ihrem Papa. Sie hatte doch Geburtstag.

*

Stephan öffnete die Haustür, als er das Kreischen von Reifen hörte. Er sah Polizeiwagen mit flackerndem Blaulicht vor Eugen Niedermeyers Haus halten. Polizisten sprangen heraus und rannten zur Haustür.
„Aufmachen! Polizei!“, schrie ein Beamter. Er wiederholte den Befehl. Als sich nichts rührte, trat er einen Schritt zurück. Er richtete seine Dienstpistole auf das Haustürschloss und gab einen Schuss ab. Die Tür war offen. Die Beamten drangen ins Haus ein.
Es herrschte eine Minute lang gespenstische Stille. Keiner der Polizeiwagen hatte das Martinshorn eingeschaltet. Die kalten blauen Lichter blinkten und flackerten.
Dann ein Schuss – gedämpft.
Im Keller, dachte Stephan. Er wartete angespannt auf weitere Schüsse. Nichts.
Draußen auf der Straße erschienen die Nachbarn. Alle kamen herbeigelaufen. Polizisten sperrten Eugens Grundstück ab. „Bitte bleiben Sie zurück. Dies ist ein Polizeieinsatz. Treten Sie zurück!“
Stephan sah die Kolbes auf der Straße stehen. Polly war bei ihren Eltern.
Aus Eugens Haus kamen mehrere Polizisten. Zwei führten ein kleines Mädchen zwischen sich. Es war Chayenne Kowak. Sie starrte wie hypnotisiert vor sich hin. Das Kind war total weggetreten.
Oh Gott! Was hat er ihr angetan?
Stephan fühlte ein Rumoren im Magen. Wenn er ihr was angetan hat … Verflucht! Warum habe ich ihn im Garten nicht von hinten angegriffen?! Ich hätte eine Chance gehabt. Ich …
Die zwei Polizisten mit Chayenne in der Mitte wollten zu einem der Polizeiautos gehen.
Plötzlich hob Chayenne den Kopf: „Polly!“ Sie riss sich von den Beamten los und lief zu ihrer Freundin. Weinend fiel sie ihr in die Arme: „Polly! Oh Polly! Der Schratzl hat mich gefangen! Es war Herr Niedermeyer. Der war der Schratzl. Er hat mich angeschraubt. Er wollte mich ohne Betäubung operieren. Er wollte mich aufschneiden!“ Chayenne weinte hemmungslos.
Polly hielt sie fest an sich gedrückt.
Der Leutnant kläffte und machte einen Satz. Mit einigen Sprüngen war er beim Gartentor, setzte darüber und dann schoss er zu den beiden Mädchen. Jaulend schmiegte er sich an Chayenne Kowak. Die ließ sich zu Boden sinken. Weinend hielt sie sich an dem Spitz fest. „Oh Leutnant! Ich bin so froh, dich zu sehen. So froh!“ Sie küsste den Hund.
Die Polizisten wollten Chayenne hochheben, aber ein Mann in Zivil fuhr ihnen in die Parade: „Nicht! Sie kann auf diese Art Spannungen abbauen. Das Kind steht unter ungeheuerlicher Anspannung. Lassen Sie sie.“
Polizeipsychologe, dachte Stephan. Wo kommt der so schnell her?
Ein Auto kam die Straße herauf. Mit quietschenden Reifen stoppte der Wagen bei den Polizeiautos. Peter und Karin Kowak sprangen heraus, Siegfried Kowak schälte sich mühsam vom Rücksitz nach draußen.
„Mama! Papa!“ Chayenne warf sich ihren Eltern weinend in die Arme. Wild schluchzend klammerte sie sich an ihnen fest. Siegfried Kowak stand daneben. In seinem Gesicht zuckte es. Er hob den rechten Arm und streichelte mit zitternder Hand über Chayennes Kopf.

31.03.2015 09:47 Stefan Steinmetz ist offline Email an Stefan Steinmetz senden Beiträge von Stefan Steinmetz suchen Nehmen Sie Stefan Steinmetz in Ihre Freundesliste auf
Zaunkönig
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Juchhuu, Chayenne ist frei! Aber wo bleibt der Krankenwagen???
Gut, dass die letzten drei Folgen kurz hintereinander zu lesen waren. Für einen zartbesaiteten Zaunkönig war die Spannung entsetzlich hoch bzw. die Wartezeit lang. Nu is wieder gut smile
Bleibt noch zu klären was Stephan so schlimmes angetan wurde.
Und vielleicht kann Stephan nun den Schuppen von Eugens Erben kaufen.

31.03.2015 18:12 Zaunkönig ist offline Email an Zaunkönig senden Beiträge von Zaunkönig suchen Nehmen Sie Zaunkönig in Ihre Freundesliste auf
 
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