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Stefan Steinmetz
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Dabei seit: 10.02.2006
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Der Elfenmacher(11) Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       IP Information Zum Anfang der Seite springen

Stephan betrachtete den 540K von allen Seiten. Das Modell war fertig. Es stand im Licht der Tischlampe vor ihm. Er bewunderte die geschwungenen Formen des Roadsters, den leuchtend roten Lack, die eleganten Weißwandreifen.
Stephan empfand stille Freude. Er liebte es, ein fertiges Modell anzuschauen und sich vorzustellen, er hätte das Auto in natura vor sich. Modellbau bedeutete, die Vergangenheit wiederauferstehen zu lassen, an ihr teilzuhaben. Es musste ein absoluter Genuss gewesen sein, diesen Sportwagen über die Straßen der Dreißigerjahre zu steuern.

[IMG]http://1935_mercedesbenz_540kspezialroadster3 by kibitzel, on Flickr[/IMG]

Er warf einen Blick auf die Pappschachtel, die außerhalb des Lichtkegels der Lampe lag. Sein neuer Bausatz war mit der Post gekommen. Ein Morgan Zweisitzer in dunkelgrünem Lack. British Racing Green. Mit schwarzen Speichenrädern. Stephan freute sich schon darauf, den Wagen zusammenzubauen. Mit dem Morgan hatte es etwas Besonderes auf sich. Einen Mercedes 540K konnte Stephan Harrer sich nicht kaufen. Zwar existierten von dem Oldtimer noch etliche Exemplare, aber so gut wie nie wurde einer zum Verkauf angeboten und wenn doch, begann der Verkaufspreis irgendwo zwischen zwei und fünf Millionen Euro. Für einen Spezial Roadster mit Sindelfinger Sportkarosserie waren auch mal eben acht bis zehn Millionen fällig.
Einen Morgan hingegen konnte er sich bestellen. Die wurden immer noch in England gebaut. Der Preis begann bei vierzigtausend. In den letzten Tagen hatte Stephan häufig über den englischen Sportwagen nachgedacht.
Wenn ich für das Haus in Runsach einen guten Preis erziele, kaufe ich mir einen, beschloss er.
Er versenkte sich wieder in die Betrachtung des fertigen Modellautos. Er delektierte sich an der sportlich niedrigen Windschutzscheibe, an den seitlich dieser Scheibe montierten Zusatzscheinwerfern, an deren hinterem Ende die Rückspiegel montiert waren. Er bewunderte die cremefarbenen Sitze, die beim Original aus feinstem Leder bestanden hatten.
Er liebte die innere Ruhe, die ihn überkam, wenn er sich mit seinen Modellautos beschäftigte. Dann konnte er total abschalten und seine geistigen Akkus nachladen. Es war beruhigend und erfrischend zugleich. Wie immer hockte der Leutnant auf seinem eigenen Stuhl neben ihm und schaute still zu.
Ein hässlicher kleiner Gedanke schlich sich in Stephans meditatives Genießen: In Brunzach hast du zum guten Schluss diese Ruhe nicht mehr gefunden.
Das stimmte. Das letzte halbe Jahr in Runsach war schwer gewesen. Ständig war er auf der Hut gewesen, hatte er neue Gemeinheiten der widerlichen Kowaken erwartet. Immer war er innerlich angespannt gewesen.
Und hinterm Haus in seinem Garten hatte er auch keine Ruhe mehr finden können. Auf der einen Seite Boris Kowak, der ihm alles vorschreiben wollte was mit seinem Garten zu tun hatte, auf der anderen Seite die Kneifzange, die sich über das „unerträgliche Gebell des Hundes“ beschwerte.
Dämliche Alte! Spitze kläfften nicht, wenn man sie gescheit erzog und der Leutnant war ein Musterbeispiel an militärischer Beherrschung. Er meldete nur kurz. Dann schwieg er.
„Da war das Genörgel von Franziska Lange um Längen schlimmer, was Leutnant?“ fragte Stephan. Er visierte den Spitz an: „Ich denke doch, Herr Leutnant sind mit mir einer Meinung.“
„Wuff.“ Der Leutnant lächelte ihn an. Er hatte über dem rechten Auge einen schwarzen Strich. Wenn der Hund lachte, sah es aus, als würde er Stephan kameradschaftlich zuzwinkern.
„Franziska Lange, geborene Kowak“, sagte Stephan. „Eine Kowakin. Damit ist schon alles gesagt. Die sind alle gleich. Diese Dame hatte Haare auf den Zähnen.“
Er schnaubte unwillig. Kein Wunder, dass ihr der Mann weggelaufen war. Das hatte er in Runsach beim Einkaufen aufgeschnappt. Zwei gestandene Kowakinnen hatten sich beim Brotholen das Maul über Frankziska Lange zerrissen. Fanziskas Mann war bei ihr geblieben, bis die Kinder groß waren und sie das Elternhaus verließen.
„Die konnten nicht schnell genug von zuhause wegkommen“, hatte eine der Frauen genüsslich hinausposaunt. Eins nach dem Anderen sind sie entfleucht und als die Marianne weg war, da ist auch der Peter stiften gegangen. Hat sich bei Nacht und Nebel aus dem Staub gemacht. Keiner weiß, wo er hin ist. “
„Vielleicht arbeitet er in den Schweizer Bergen als Alm-Öhi“, hatte die andere Frau gesagt. „Mit seinem Schnurrbart und dem Kinnbart brauchts und seinem Schlapphut kann er als Heidis Großvater durchgehen.“
Wie hatten die zwei Tratschweiber da gelacht. Anscheinend hatte der entfleuchte Peter Lange eine nicht ganz vorteilhafte Gesichtsfrisur getragen.
Während Stephan mit halbem Ohr zuhörte, so lange er darauf wartete, an die Reihe zu kommen, erfuhr er, dass Peter Lange ein eher kleiner, geduckt gehender Mann gewesen war. Hinter seinem Rücken hatten man ihn den Zwergenpeter genannt, seiner Bartes und Schnurrbartes wegen. Er zog ein Bein nach – ein Andenken an einen Arbeitsunfall bei der CERENA – und wenn er im Garten und beim Spazierengehen seinen Schlapphut trug, sah er wie ein zu groß geratener Gartenzwerg aus.
„Wer weiß?“ hatte eins der Ratschmäuler laut sinniert. „Vielleicht ist der gar nicht so weit weg, wie alle meinen. Es wissen doch alle, was er damals auf der Kirchweih gesagt hat.“
„Gesagt? Geschrien hat er´s!“
Beim Zuhören erfuhr Stephan, dass der gute Peter Lange eine Wut auf seine nörglerische Ehefrau im Besonderen und eine Wut auf den gesamten Kowak-Clan im Allgemeinen hatte. Anscheinend hatte er einmal im Leben ordentlich auf den Putz gehauen. Als er sturzbetrunken im Bierzelt hockte, war es aus ihm herausgebrochen.
„Heimzahlen werd ich´s denen!“ hatte er gebrüllt. „Allen! Scheiß-Kowak-Pack! Das war das Dümmste im Leben, was ich je getan hab, die Franzi zu heiraten! Reingelegt haben die mich! An meinen Grund und Boden wollten die kommen! Und mir haben sie eine Kneifzange angehängt, die mir keine Ruhe lässt. Im eigenen Haus werde ich benörgelt und bekrittelt und beschimpft und genervt, und die hört nicht auf zu hämmern und zu meißeln! Ein Dreckweib ist das! Der brech ich noch mal den Hals! Dann ist eine Ruhe zuhaus! Sauweib, damisches!
Und den Kowaken zünd ich die Hütten an! Denen zahl ichs heim! Rauben sollte man denen, was sie lieben! Haben sie mir ja auch angetan! Ihnen wegnehmen, was ihnen nicht gebührt, dem Saupack!“
Anscheinend war dem guten Zwergenpeter klar geworden, dass er sich mit seinem Gedröhns ein wenig weit aus dem Fenster gelehnt hatte, als er wieder nüchtern war. Jedenfalls war er vier Tage nach seiner Brandrede sang und klanglos aus Runsach verschwunden; mitsamt seinem ausladenden Schnurrbart, dem Kinnbart und seinem komischen Schlapphut. Keiner hatte seitdem mehr etwas von ihm gehört oder gesehen.
„Der gute Zwergenpeter hat das einzig Richtige gemacht“, sprach Stephan zu seinem Hund. Der Spitz blickte ihn aufmerksam an. Beinahe schien er zustimmend zu nicken.
„Auf und davon“, sagte Stephan. „Aber Respekt! Beißt der doch die Zähne zusammen und hält aus, bis die Kinder aus dem Haus sind. Ich wette, der wollte schon einen Monat nach der verhängnisvollen Hochzeit fortlaufen. Hat lange durchgehalten, der gute Peter.“
Stephan stand auf: „Komme er, Herr Leutnant. Lassen Sie uns ein wenig promenieren, damit er Blase und Gedärm entleeren kann und mein Gehirn ein wenig frische Luft erhält. Danach mach ich mich ans erste Modul für Polly Braunauges Schweinerei. Es ist jetzt über eine Woche her, dass ich ihr versprach, damit anzufangen.“
Während er sich die Schuhe anzog und eine leichte Jacke über die Schulter legte, lächelte er den Hund an: „Man soll Elfen nicht zu lange warten lassen. Sie sind so zart und empfindsam. Es könnte sie verletzen, wenn man nicht Wort hält. Das wäre das Letzte; dass ich Polly verletzen möchte.“
Draußen nahm er den Weg an Eugen Niedermeyers Grundstück entlang und hinter dem öffentlichen Telefon bog er ab in die Gasse, die ihn zum Waldrand bringen würde. Dort im Bruch war es sandig. Heidevegetation hatte sich angesiedelt. Stephan war gerne dort und der Leutnant liebte es, an seiner Seite um die Heidekrautpolster und die niedrigen Buschbäume zu sausen.
„Der gute Peter Lange“, sinnierte Stephan. Er trat nach einem Stein und schoss ihn fort. Der Spitz verfolgte das Geschoss fünf Sprünge lang, dann kehrte er zu seinem Herrchen zurück. Spitze jagten nicht. Man konnte sie nicht als Jagdhunde ausbilden. Ihnen war der Jagdtrieb im Verlauf von vielen Jahrhunderten abgezüchtet worden. Deswegen hatten die Adligen früher ihren Bauern den Spitz als Hofhund empfohlen. Mit einem Spitz an der Seite wurde kein Bauer oder sonstiger Lehnsmann zum Wilderer. Aber mit Mäusen und Ratten auf dem Hof machten die Spitze kurzen Prozess.
„Hätte doch der Zwergenpeter kurzen Prozess mit seiner Alten gemacht“, brummte Stephan. „Dann hätte ich wenigstens auf einer Seite meines Grundstücks Ruhe gehabt. Aber der ist lieber fortgelaufen.“
Stephan schnaubte unwillig: „Ich ja auch. Letzten Endes bin auch ich davon gelaufen. Weil es unerträglich wurde mit den dreckigen Kowak-Schweinen. Saubande, verfluchte!“
Stephan bog nach rechts ab. Ein breiter Geländeeinschnitt führte abwärts in ein Sandloch von der Größe eines Fußballplatzes. Auf einer Seite gab es eine Art Kliff aus Sandstein und Mergel. So genau wusste er das nicht. Stephan kannte sich nicht mit Bodenarten aus. Direkt am Kliffrand wucherte eine Hecke aus Kiefern, Birken und zig anderen Gehölzen. An einer Stelle stand das Zeugs besonders dicht. Allerdings waren die Bäumchen und Hecken dort niedriger als rundherum.
Stephan kannte den Grund. Bis vor einem halben Jahr hatte dort nichts gestanden außer der einzelnen Kiefer, die rund fünf Meter in die Höhe ragte und dabei so schief hing, dass man meinen konnte, sie müsste jeden Moment umkippen. Später hatte er persönlich die Setzlinge angepflanzt.
Stephan drängte sich durch die Büsche.
„Du bleibst hier!“ befahl er dem Spitz. „Warte hier auf mich. Ich bin gleich zurück. Ich will nicht, dass du dir wieder ein paar Zecken einfängst wie letztes Mal.“ Er schlug sich in die Büsche. Hinter der dichten Wand aus verschiedenen Gehölzen fand er eine Art Höhle. Sie war gerade mal so groß wie eine Garage und schob sich schief in den Kliffhang hinein. Stephan betrat die Höhle. Voller Befriedigung betrachtete er, was sich dort befand. Er konnte es nicht lassen. Alle paar Wochen kam er hierher und delektierte sich an dem Anblick.
Er schaute sich um, ob der Leutnant draußen geblieben war. Dann öffnete er den Hosenstall und er pisste auf das, was sich in der Höhle befand. Er fühlte grimmige Befriedigung dabei.
„Kowak-Pack!“ knurrte er, während er sich durch die Büsche nach draußen drängte. Vor den Büschen blieb er stehen. Er nickte befriedigt. Kein Aas konnte etwas erkennen. Die kleine Höhle war perfekt getarnt. Ohnehin kam kein Mensch je hierher. Stephan hatte den sandigen Boden oft nach Fußspuren abgesucht und nie welche gesehen.
„Wie schön“, flötete er. „Niemand findet es. Geil!“
Er machte sich auf den Rückweg.

17.02.2015 13:41 Stefan Steinmetz ist offline Email an Stefan Steinmetz senden Beiträge von Stefan Steinmetz suchen Nehmen Sie Stefan Steinmetz in Ihre Freundesliste auf
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Ein neuer Verdächtiger: Peter Lange! verwirrt
Kennt er die Geheimgänge? War ja wie vom Erdboden verschluckt und die Beschreibung passt auch.

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Was ist der Mensch - nur ein flüchtiger Gedanke - nicht zu greifen - nicht zu fassen. Stets schweigend mit sich im Gespräch vertieft durforsch er sich und findet sich nie.
Der Traum ist die wahre Wirklichkeit. großes Grinsen

18.02.2015 04:00 carolne1960 ist offline Email an carolne1960 senden Beiträge von carolne1960 suchen Nehmen Sie carolne1960 in Ihre Freundesliste auf
 
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