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Stefan Steinmetz
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Stargirl Leonie(17) Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       IP Information Zum Anfang der Seite springen

Er hatte bei einem Pizzadienst einen großen italienischen Salat bestellt. Er war zu faul gewesen, sich selbst etwas zum Abendessen zu machen. Kaum hatte er den gemischten Salat vertilgt und sich an seinen Computertisch gesetzt, rief sie an: „Hallo Jan!“
Sofort begann sein Herz zu schlagen und dieses komische Gefühl machte sich in seinem Bauch breit. „Leonie!“
„Ich vermisse dich!“
Das Gefühl in seinem Bauch verstärkte sich: „Ich dich auch, Leonie.“ Er seufzte. „Bis übermorgen ist es noch lange hin.“ Er seufzte noch mal. „Anrufen ist nicht das Gelbe vom Ei. Ich will mit dir zusammen sein. Ich will dich in die Arme nehmen. Ich will dich ganz nahe bei mir spüren.“
„Mir geht es genauso, Jan!“ Jetzt war es an ihr, zu seufzen. „Warum ist das so? Es tut beinahe weh! Ich will immerzu mit dir zusammen sein. Ich glaube, ich kann ohne dich nicht mehr sein.“
In seinem Bauch begann es zu rumoren. „Mir geht es genauso Leonie.“
Zum ersten Mal in meinem Leben, dachte er. So wie mit dir war es noch nie. Höchstens vielleicht mit …
Aber nein. Mit Uhlchen war es nicht so gewesen. Nicht ganz so. Aber ähnlich.
„Meine Mutter hat das Video im Internet gesehen“, sagte Leonie. „Dann hat sie recherchiert. Sie ist gleich über mich hergefallen, als ich nach Hause kam.“
Autsch! Ein Schuss aus der Artilleriekanone. Aus einer der ganz großen. Das Gefühl in seinem Magen verwandelte sich in etwas anderes.
„Leonie? Bekommst du Schwierigkeiten wegen … wegen uns?“
„Wollte sie mir machen, denke ich“, kam ihre Antwort. „Sie legte gleich los von wegen, du bist erst fünfzehn und so.“ Pause. Er meinte, sie leise lachen zu hören. „Da habe ich zurückgeschossen. Sie war nicht mal vierzehn, als sie ihren ersten Freund hatte und der war auch viel älter als sie. Später kam sie wieder mit dem zusammen und hat ihn geheiratet. Es war mein Daddy.“
Jannik musste ein Lachen unterdrücken. Sie klang kampflustig. War das die sanfte liebe Leonie, die er kennengelernt hatte?
„Hast du sie gebissen?“, fragte er. „Du klingst so.“
„So schlimm war es nicht. Es reichte, dass ich es ihr unter die Nase gerieben habe. Sie ist es nicht gewohnt, dass ich Widerworte gebe. Sie war echt perplex. Hmmm …“ Sie machte eine Pause. „Jan? Sie möchte dich kennenlernen.“
Aua! Noch ein Schuss aus der Kanone. Musste das sein? Alles in Jannik sträubte sich dagegen. Beim Muttertier vorgeführt werden! Große Inspektion! Begutachtung! Inqusitionsverhör! Allein bei dem Gedanken rollten sich ihm vor Abscheu die Zehennägel hoch.
Aber es ging um Leonie. Um den einzigartigsten Menschen der Welt.
Er unterdrückte einen neuen Seufzer. Der wäre ziemlich laut geworden. Er verkniff sich auch, zu fragen, ob das wirklich sein musste. Es musste, das war ihm klar. Wenn er Leonie nicht verlieren wollte, musste er da durch. Und verlieren wollte er sie auf keinen Fall.
„Jan?“, kam ihre Stimme aus dem Telefon. „Ich weiß, dass gefällt dir nicht so gut. Ist ja auch verständlich. Wir sind ja noch nicht so lange … Es tut mir leid, Jan. Aber …“ Sie klang ängstlich.
„Geht schon in Ordnung“, unterbrach er sie sanft. „So sind Mütter nun mal.“ Er machte eine Pause. „Jedenfalls anständige Mütter, die was auf ihre Kinder geben, denen ihre Kinder etwas bedeuten. Ich kenne da auch andere …“
„Jan?“, fragte sie vorsichtig. „Bist du deswegen …“
„Nein, Leonie. Ich bin nicht sauer. Kein bisschen! Es ist normal, dass deine Mutter über mich Bescheid wissen will. Wahrscheinlich denkt sie, ich bin ein mit Drogen zugeknallter Irrer, der täglich fünf verschiedene Mädchen hat und dabei literweise Champagner trinkt und Joints raucht.“
„Ja“, kam es aus dem Telefon. Es klang nicht ängstlich. Es hörte sich so an, als ob sie lachte. „Sie hat es nicht ganz so schlimm ausgedrückt, aber genau das Gleiche gemeint. Ich habe es ihr abgewöhnt. Habe ihr alles über dich erzählt. Ich habe mich auf die Hinterbeine gestellt.“
„Wie ein bissiger kleiner Terrier.“ Er musste lächeln. „Okay, gebissen hast du nicht, aber du warst kämpferisch. Du hast um mich gekämpft.“
„Kannst du übermorgen gegen Mittag?“, fragte sie. „Mutti hat vorgeschlagen, dass du zum Mittagessen kommst. Ich habe übermorgen früher Schulschluss, weil meine Deutschlehrerin krank ist.“
So schnell? So bald? Oh Mann, musste das sein? Voll die Abnerve!
Ja, es muss sein, sagte er sich. Es geht um Leonie. Um meine kleine liebe Leonie. Um das Mädchen, dass etwas mit mir angestellt hat. Ja, es muss sein.
„Geht klar“, sagte er. Er versuchte, cool und schnodderig zu klingen, aber es misslang ihm. „Danach können wir dann wieder zum Reiterhof fahren.“
„Ich freu mich schon darauf, Jan.“ Ein tiefer Seufzer. „Noch sooo lange hin! Ich vermisse dich, Jan!“
„Ich dich auch.“
Eine Weile sprachen sie miteinander über alles Mögliche. Schließlich wurde es Zeit, das Telefonat zu beenden.
„Ich bin noch nicht mit den Schularbeiten fertig“, sagte Leonie voller Bedauern. Wieder seufzte sie. „Ich wäre so gerne bei dir. Nimmst du mich in die Arme?“
„Ich umarme dich“, erwiderte er und das komische Gefühl in seinem Bauch verstärkte sich erneut.
„Ganz fest!“, bat sie. Wie süß ihre Stimme klang!
„Ganz, ganz fest“, sagte er. „Ich küsse dich.“
„Mmm“, sagte sie. „Danke. Tschüs, Jan. Bis übermorgen.“
„Bis übermorgen, Leonie. Ich freue mich auf dich.“

Jannik saß mehrere Minuten still da und rührte sich nicht. Er hatte noch immer das seltsame Gefühl im Bauch.
Leonie, dachte er. Wie kann das sein? Wie kann ein Mädchen so etwas in mir auslösen?
Er holte ihren Brief aus der Schublade und las ihn noch einmal durch. Danach betrachtete er das Foto, das sie mitgeschickt hatte. In natura war sie hübscher - viel hübscher. Hübsch. Mehr nicht. Niemand konnte behaupten, dass Leonie Ammon eine atemberaubende Schönheit war. Sie war hübsch.
Wieso?, fragte er sich. Wieso hat sie das mit mir angestellt?
Es war ihre Seele, entschied er. Er hatte in ihren hellgrauen Augen etwas erkannt, das er noch nie zuvor bei einem Mädchen gesehen hatte. Höchstens bei Johanna. Ja.
Jan lehnte sich in seinem Drehstuhl zurück. Hatte Leonie etwas an sich, dass ihn an Uhlchen erinnerte? Ein bisschen, überlegte er, aber nicht viel. Die beiden sind total verschieden.
Nein, es musste etwas anderes sein, das Leonie so einzigartig machte. Er hatte sich gleich beim ersten Mal in sie verliebt. Es war über ihn gekommen wie ein Sturm. So etwas hatte er nie zuvor erlebt.
Er rief die Datei auf, in der er Leonies Gedicht gespeichert hatte, die Geschichte von dem Jungen, der keine Zeit hatte. Aufmerksam las er Zeile um Zeile. Es ging um einen Jungen, der nicht glücklich war, denn seine Lebenszeit wurde ihm gestohlen. Er konnte nicht wirklich leben, er wurde gelebt. Er kämpfte verzweifelt um seine Freiheit und war doch ständig eingespannt wie ein Gaul, der eine Kutsche ziehen musste oder einen Pflug. Er kam nicht raus aus der Zwickmühle, konnte sich nicht befreien.
Und eines schönen Morgens blickte ihn ein müder alter Mann aus dem Spiegel an. Der alte Mann weinte lautlos.
Das Gedicht traf Jan tief. Er konnte nicht sagen, warum. Vielleicht, weil es seine eigene Lebenssituation treffend beschrieb? War er nicht ständig eingespannt? Musste er nicht von Termin zu Termin hetzen, von Konzert zu Konzert? Er fand kaum Zeit, um innezuhalten. Immer nur Tempo, Tempo!
Anfangs hatte es ihm gefallen, ein Star zu sein. Er hatte es genossen, vor hunderten begeisterten Fans aufzutreten. Es war wie ein Rausch gewesen.
Doch jeder Rausch hatte einmal ein Ende und es folgte ein Kater. Jannik musste sich eingestehen, dass ihm das Starleben seit mehr als einem Jahr nicht mehr gefiel. Es gab ihm nichts mehr. Er las Leonies Gedicht erneut.
„Es war wie ein Teller Gemüsesuppe“, stand da auf Englisch. „So gut hatte es geschmeckt, als es anfing, aber dann war immer weniger in der Brühe gewesen. Erst nur noch zehn Erbsen, dann drei und zum Schluss nicht mal eine halbe. Und die Brühe schmeckte fade und sie war ohne Nährwert. Aber er musste weiter ackern und sich plagen. Sie hetzten ihn. Sie trieben ihn. Sie nahmen ihm seine Lebenszeit. Er war der Junge, der keine Zeit hat.
Jannik stand auf und holte seine Gitarre. Er setzte sich vor den Bildschirm, startete sein kleines Diktiergerät und griff in die Seiten. Die Melodie kam ganz von selbst. Es begann langsam und traurig. Mit einer bedrückt klingenden Stimme sang er sich durch die Zeilen, während die Musik immer schneller wurde. Schließlich klangen die Worte gehetzt und in Eile dahin gestammelt. Erst als der alt Mann weinend aus dem Spiegel schaute, sang er wieder langsam.
Fertig. Jannik hörte sich die provisorische Aufnahme auf dem Diktiergerät an. Der Song war gut. Er beschloss, ihn auf die neue CD zu übernehmen. Hatte Rollie nicht gesagt, dass sie noch drei oder vier Songs brauchten?
Jannik stellte das Diktafon auf Aufnahme und spielte The Forest Fairy.
„Das kommt auch auf die CD“, murmelte er. Fehlten noch zwei Lieder. Er dachte daran, wie kämpferisch Leonie geklungen hatte, als sie ihm erzählt hatte, wie sie ihre Liebe gegenüber ihrer Mutter verteidigt hatte. Er schaltete das kleine Aufnahmegerät aus und spielte probeweise ein paar Akkorde. Ihm fiel kein gescheiter Text ein, nicht auf die Schnelle. Nur ein Refrain: „She’s doin everything for her love. She would never giv up …“
„Leonie muss mir mit dem Text helfen“, sagte er laut in das Zimmer. Ihr Gesicht schaute ihn von dem Foto an, das auf ihrem Brief lag.
Leonie. Leonie. Leonie!
Die Vorstellung, am nächsten Tag von morgens bis abends eingespannt zu sein und ein Konzert in einer weit entfernten Stadt geben zu müssen, gefiel ihm kein bisschen. Er wollte lieber mit Leonie zusammen sein, mit dem Mädchen, das sein Herz berührt hatte.

17.05.2019 13:03 Stefan Steinmetz ist offline Email an Stefan Steinmetz senden Beiträge von Stefan Steinmetz suchen Nehmen Sie Stefan Steinmetz in Ihre Freundesliste auf
 
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