Registrierung PM-BoxMitgliederliste Administratoren und Moderatoren Suche Häufig gestellte Fragen Zur Startseite  

Stefans Geschichten » Willkommen auf der Homepage von Stefan Steinmetz » Die kleine Privat-Ecke » Stargirl Leonie » Stargirl Leonie(13) » Hallo Gast [anmelden|registrieren]
Druckvorschau | An Freund senden | Thema zu Favoriten hinzufügen
Neues Thema erstellen Antwort erstellen
Autor
Beitrag « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »
Stefan Steinmetz
Administrator




Dabei seit: 10.02.2006
Beiträge: 1694

Stargirl Leonie(13) Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       IP Information Zum Anfang der Seite springen

Vor der Bergmanns Alm setzten sie sich auf eine der urigen Bänke. Außer ihnen war noch eine Familie mit Kindern da. Die Bedienung kam und Jan und Leonie bestellten Kaffee und Käsekuchen. Während sie aßen, erzählte Jan, dass er den Gravy-Song auf die neue CD mit draufbringen wollte.
„Das passt einfach“, meinte er und lächelte Leonie an. „Mal was anderes - witzig, statt Lovesong. Oompah-Music. Ich wette, die Fans werden den Song lieben. Danke noch fürs Verbessern des Textes.“
„War ganz leicht“, sagte Leonie. „Und viel war ja nicht zu tun. Bloß drei oder vier kleine Fehler.“
„Entschuldigung!“ Sie sahen von ihren Kuchentellern auf. Das Mädchen, das zu der Familie am Nebentisch gehörte, stand vor ihnen. Sie war vielleicht dreizehn Jahre alt. Scheu hielt sie Jan ein kleines Heftchen entgegen: „Könntest du mir bitte ein Autogramm geben, Nik?“
Jan lächelte sie an: „Klar doch! Gib her!“ Er nahm das Heftchen, zückte seinen Kugelschreiber und schrieb dem Mädchen ein Autogramm. Dann bat er sie, sich neben ihn zu setzen und reichte Leonie das Phone des Mädchens: „Machst du bitte eine Aufnahme, Leonie?“
Er ist so freundlich zu seinen Fans, dachte Leonie, während sie das Foto schoss.
Die Dreizehnjährige saß neben Jan und sah aus, als habe sie gerade den Jackpot im Lotto geknackt.
Er ist kein bisschen abgehoben. Er ist ein ganz normaler Junge geblieben. Jan ist echt klasse!
Nachdem sie Kaffee und Kuchen vertilgt hatten, gingen sie noch mal zum Rand des Gipfelplateaus und genossen die Aussicht. Sie machten die komplette Runde um den Gipfel und schauten sich ihre Heimat von oben an.
Später gingen sie zu Fuß nach unten. Sie ließen sich Zeit. Leonie hätte nichts dagegen gehabt, wenn die Redener Bergehalde so hoch wie der Mount Everest gewesen wäre. Desto länger hätte ihr gemeinsamer Spaziergang gedauert. Sie redeten nicht viel. Sie liefen einfach zusammen nach unten. Es war schön, mit Jan zusammen zu sein. Auch ohne zu reden.
Am Auto angekommen hielt Jan ihr die Beifahrertür auf wie ein richtiger Gentleman.
„Ich bring dich nach Hause“, sagte er. „Ich muss leider weg. Heute Abend geben wir in Trier ein Konzert. Ich habe immer nur wenig Zeit. Tut mir leid, Leonie. So ist nun mal mein Job. Ich bin immer eingespannt.“
„Nicht schlimm“, sagte sie. Aber sie versuchte sich vorzustellen, wie es wäre, immer eingespannt zu sein, immer der berühmte Star sein zu müssen, immer repräsentieren zu müssen … immer müssen, müssen, müssen. Keine Zeit für Privatleben. Konnte das schön sein? Eigentlich nicht. Aber warum wurden die Leute dann zu Stars?
Jan fuhr Leonie nach Hause. Wieder hielt er ein Stück weit entfernt von Leonies Wohnhaus. Er stellte den Motor des Morgan ab und sah sie mit seinen umwerfenden Augen an: „Es war schön heute mit dir, Leonie. Wollen wir uns wiedersehen?“
„Gerne“, antwortete Leonie. Sie gab sich große Mühe, nicht zu stottern. Jan so nahe zu sein, machte sie noch immer wahnsinnig nervös.
„Vielleicht sollte ich dich in Zukunft irgendwo weiter draußen auflesen“, schlug Jan vor. „Dann kann keiner rumnerven und du hast deine Ruhe. Wir machen einen geheimen Treffpunkt aus und ich hole dich mit Beule ab. Keiner kennt die Karre. Damit bin ich quasi inkognito.“ Er erzählte Leonie von dem auf alt getrimmten Dacia. „Oder willst du, dass ich dich stilecht im Morgan abhole?“
Leonie schüttelte den Kopf. „Das ist doch total egal. Mir kommt es nicht auf das Auto an. Mir …“ Sie blieb mitten im Satz stecken.
„Ja?“, fragte Jan.
„Ist … ich …“, stotterte Leonie los. Ihre Kehle begann sich zuzuschnüren. Sie fühlte, dass sie gleich knallrot werden würde. „Das Auto ist egal.“ Sie nahm all ihren Mut zusammen: „Was zählt, bist du, Jan. Nicht irgendein teurer Sportwagen.“ Sie schaffte es, die Sätze rasch herauszuwürgen, bevor sich ihre Kehle zuzog.
Jan sah sie an. Schweigend. Er schaute sie ewig lange an, ohne sich zu rühren oder etwas zu sagen. Leonie wurde ganz anders unter diesem Blick. Dann lächelte er. „Das hast du schön gesagt, Leonie.“ Seine Stimme war leise und klang irgendwie heiser. „Echt schön!“
Er gab sich einen Ruck: „Also, wo wollen wir uns treffen? Irgendeine Seitenstraße, würde ich sagen.“
Leonie schlug eine Gasse vor, die nicht weit von ihrer Schule von der breiten Hauptstraße abzweigte. „Dort könnte ich auf dich warten“, sagte sie. „Aber ich muss nach der Schule zuerst nach Hause zum Mittagessen. Danach dann …“
Jan nickte: „Okay. Wann kannst du kommen?“
„Halb zwei“, sagte Leonie. „Ich müsste aber abends wieder früh genug zurück sein. Ich muss ja noch meine Hausaufgaben erledigen. Die darf ich nicht verschlampen.
„Klar“, sagte Jan. „Die Schule ist dein Job und seinen Job muss man anständig machen, wenn man es zu was bringen will. Ich bring dich früh genug zurück.“
„Dann bis morgen“, sagte Leonie. Mehr brachte sie nicht heraus.
„Ja. Bis morgen.“ Er lächelte sie an.
Leonie stieg aus und schlug die Beifahrertür zu. Jan startete den Motor des Morgan und fuhr los. Im Wegfahren winkte er ihr zu. Sie winkte ihm hinterher und blieb am Straßenrand stehen, bis der Morgan in eine Seitenstraße einbog. Leonie seufzte tief.
Ach Jan!
Dann ging sie ins Haus.

*

Jan stieg aus dem Bandbus. Der Marsch zur Konzerthalle begann. Es war wie immer seit seiner Brandrede damals. Es gab keine kreischenden Fans mehr, die wild durcheinanderdrängelten. Alle standen ruhig und erwartungsvoll da und Jan und seine Bandkollegen machten sich auf, die riesige Menge im Zickzackkurs zu durchqueren.
Überall gaben sie Autogramme und sie ließen sich mit ihren Fans fotografieren.
Die Menge der Fans war wie eine riesige menschliche Amöbe. Die Mädchen - es waren fast nur Mädchen - drängten sich in seine Nähe, ohne ihm zu nahe zu kommen. Hände streckten sich nach ihm aus. Jede wollte ihn berühren. Sie waren wie ein großer lebendiger Organismus. Alle wollten sie ihn und die drei anderen anfassen, als wohne der Berührung Heilkraft inne.
Timo und Florian genossen es in vollen Zügen. Sie liebten diese Show vor der eigentlichen Show. Max ließ es freundlich über sich ergehen. Er blieb stets gelassen und verlor nie sein Lächeln.
Aber für Jan war es schwer. Die nach ihm grapschenden Hände verursachten ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend. Er fühlte sich immer angespannt, wenn er kreuz und quer durch die Menge schritt. Es war für ihn, als wollten sie ihn runterzerren wie Krebse in einem Eimer - runterzerren, zurück auf das alte Niveau. Auf die Straße. In die Armut. Er konnte nie vergessen, dass er sein Leben lang arm wie eine Kirchenmaus gewesen war. Es ließ ihn nicht los. Es kam ihm vor, als wollten ihn die Massen an Fans von seinem Höhenflug herunterreißen, ihn abstürzen lassen.
Er war froh, als es vorbei war und sie in die Konzerthalle eingelassen wurden.
Sie gingen sofort zur Bühne und kontrollierten, ob die Roadies die Instrumente gescheit aufgebaut hatten. Das hatten sie immer, aber wie hieß es so schön: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
Dann saßen sie hinter der Bühne bei einer Tasse Tee zusammen und warteten auf den Beginn des Konzerts. Jan holte sein I-Phone hervor und ging ins Internet.
Leonie hatte ihm geschrieben. Als er ihre Emailadresse erkannte, wurde ihm warm ums Herz.
Leonie!, dachte er. Leonie hat mir geschrieben. Er wunderte sich, wieso das so ein komisches Gefühl in seiner Brust bewirkte.
Sie hatte ein Gedicht für ihn geschrieben - in Englisch. Es hieß Der Junge der keine Zeit hatte. Es ging um einen Jungen, dem die Lebenszeit gestohlen wurde und der sein Leben deswegen nicht führen konnte. Er kämpfte ständig um ein wenig Freiheit, aber er war immer eingespannt und konnte nicht leben. Schließlich kam der Tag, an dem ihn eines Morgens ein müder alter Mann aus dem Spiegel anschaute. Der alte Mann weinte still vor sich hin.
Das Gedicht traf Jan tief. Er konnte nicht sagen, warum. Vielleicht, weil es seine eigene Lebenssituation erschreckend treffend beschrieb?
Später, als sie auf der Bühne standen, dachte er noch immer über das Gedicht nach. Und über Leonie.
Er sang nur für sie.

17.05.2019 11:59 Stefan Steinmetz ist offline Email an Stefan Steinmetz senden Beiträge von Stefan Steinmetz suchen Nehmen Sie Stefan Steinmetz in Ihre Freundesliste auf
 
Neues Thema erstellen Antwort erstellen
Gehe zu:

Powered by Burning Board Lite 1.0.2 © 2001-2004 WoltLab GmbH