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Stefan Steinmetz
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Stargirl Leonie(12) Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       IP Information Zum Anfang der Seite springen

Der Morgan rollte leise grollend dahin. Leonie schaltete fehlerfrei. Jan schaute manchmal lächelnd zu ihr hin und drückte sie dabei sanft an sich. Jedes Mal machte ihr Herz einen Hopser wie ein aufgeschrecktes Kaninchen. Pia fotografierte per Selfiestick, was das Zeug hielt.
„Wo geht’s hin, Pia?“, fragte Jan.
Pia nannte die Adresse. „Da hinten bei der Videothek rechts rein in die Dreißigerzone. Es ist nicht weit weg vom Haus von Finja von Ekelhausen.“
„Finja von was?“, fragte Jan.
„Von Ekelhausen“, antwortete Pia. „Weil sie ein Ekel sein kann. Genau wie die eingebildete Sophie Schubert.“
„Die beiden haben auf mir rumgehackt“, sagte Leonie. In knappen Worten erzählte sie von der Begebenheit, die sich bei der Schule abgespielt hatte. „Pia hat mir beigestanden“, beendete sie ihren Bericht.
Jan, der immer noch den Arm um Leonie gelegt hatte, fasste Pia am Oberarm und drückte sanft. „Danke, Pia. Das war sehr nett von dir. Du hast meine Leonie vor den Furien gerettet.“
Leonies Herz hopste erneut hoch wie ein aufgescheuchtes Kaninchen.
Meine Leonie hat er gesagt! Meine! Sie bekam Herzklopfen. Er hat es gesagt! Er hat das wirklich gesagt! Er hat m-meine Leonie gesagt! Sie stotterte sogar in Gedanken.
Während sie sich aufs Schalten zu konzentrieren suchte, hörte sie mit halbem Ohr zu, wie Pia Jan durch das Wohnviertel lotste. Er hielt vor dem Elternhaus Pias an und stellte den Motor ab. Drei Mädchen im Alter von zehn Jahren unterbrachen ihr Seilspringen und starrten mit offenen Mündern zu ihnen her.
Jan drückte Leonie fest an sich und gab ihr ein Küsschen auf die Wange: „Leonie, sei ein Schatz. Bitte steig aus und mach ein Foto mit Pia im Auto.“ Er lächelte Pia an: „Als Belohnung für Leonies Rettung vor den Megären.“
Leonie und Pia stiegen aus. Pia stieg wieder in den Morgan und Leonie machte ein paar Aufnahmen. Die Seilspringmädchen schauten zu.
Zum Schluss gab es ein Autogramm für Pia. Jan schrieb ihr etwas in ein Heft. Die Seilspringmädchen kamen schüchtern näher. Sie stellten sich neben dem Morgan auf und schauten sehnsüchtig.
Jan sprach sie an: „Möchtet ihr auch ein Autogramm?“
Wie freundlich er ist!, dachte Leonie. Er ist kein bisschen abgehoben. Er benimmt sich nicht wie ein Star. Er ist ein ganz normaler Junge geblieben. Und mich hat er meine Leonie genannt!
„Wir haben nix zum Draufschreiben dabei“, sagte eins der Mädchen. Sie sah todunglücklich aus. Pia öffnete die Wagentür und stieg aus. Sie machte Platz für Leonie, sie sich wieder neben Jan setzte. „Ich kann euch Blätter aus meinem Heft geben“, sagte sie zu den Mädchen.
„Lass nur, Pia“, meinte Jan. „Ist lieb von dir, dass du meinen Fans helfen willst. Danke, dafür. Aber ich bin gerüstet. Leonie? Machst du bitte das Handschuhfach auf? Da liegen Fotokarten drin.“
Leonie holte drei Karten hervor. Die jungen Seilspringerinnen kamen aufgeregt näher. Sie nannten Jan ihre Vornamen und er begann, Autogramme zu schreiben.
„Ich heiße Fiona“, sagte eins der Mädchen, „aber schreibe bitte: für meine Schwester. Die ist ein totaler Fan von dir, Nik.“
Jan tat, als würde er schreiben. „Für meine Schwester“, buchstabierte er halblaut.“ Sie lachten alle.
„Nein!“, rief Fiona. „Es ist doch für meine Schwester, nicht für deine, Nik! Sie heißt Dunja.“
Leonie sah, wie sich Jans Blick für einen Moment verdunkelte. Man bemerkte es nur, wenn man genau hinschaute. Er sah für eine Sekunde traurig aus. Dann fing er sich wieder. Er schrieb Fiona ein Autogramm für ihre große Schwester Dunja und dann noch ein Autogramm für Fiona auf einer Extra-Karte.
„Oh, danke!“, rief das Mädchen selig. „Vielen Dank!“
„Gern geschehen“, sagte Jan. „Ich finde es schön, dass du an deine Schwester gedacht hast.“ Er ließ den Motor an. „Wir müssen los, Leute. War nett, euch getroffen zu haben. Tschüs, Pia.“
„Tschüs Nik und Leonie“, rief Pia ihnen hinterher, als der Morgen grollend anschob. Sie winkte. Jan und Leonie winkten zurück.

Als die über die Landstraße rollten, schaute Leonie manchmal zu Jan hinüber. Was ist mit ihm?, überlegte sie. Als das Mädchen das mit seiner Schwester sagte, sah er für eine Sekunde richtig traurig aus. Hat er eine Schwester? Davon weiß ich ja gar nichts. Und was ist mit ihr? Wieso sah er so traurig aus? Hatte er eine Schwester und die ist gestorben?
Ihr fiel ein, dass von Jannik Fabers Privatleben kaum etwas bekannt war. Niemand wusste etwas über seine Kindheit und Jugend.
Womöglich habe ich mich auch geirrt, überlegte sie. Vielleicht hat er nicht traurig ausgesehen. Kann sein, dass er an etwas anderes gedacht hat und konzentriert wirkte. Ernst halt. Er ist nun mal ein ernster Mensch.
Jan steuerte den Morgan über die Landstraße. Sie kamen an einem gelben Ortschild vorbei. Landsweiler Reden stand darauf. Jan fuhr zu einer Bergehalde, die hinter dem Ort in den Himmel ragte. Diese Halden gab es im ganzen Saarland. Man hatte das taube Gestein aus den Kohlegruben aufgeschüttet. Allenthalben ragten schwarze Hügel in den saarländischen Himmel. Die Bergehalde von Reden war besonders groß. Die dazugehörende Kohlegrube war lange in Betrieb gewesen.
Auf einem weitläufigen Parkplatz direkt bei der alten Grube stellte Jan den Morgan ab.
„There we are“, sagte er lächelnd zu Leonie und zeigte zu dem in den Himmel ragenden schwarzen Koloss in der Landschaft. „This is the worldberühmte Mountainhalde from Landsweiler Reden. The biggest black mountain in the gesamte Saarcountry.“
„Very interesting“, antwortete Leonie in akzentfreiem Englisch. Sie schaute zur Halde hoch. sprach auf Englisch über ihren ersten Eindruck. Sie sprach fehlerfrei.
Jan schaute sie bewundernd an: „Du kannst vielleicht gut Englisch! Nicht nur schreiben wie letztens bei meinem Text, den ich dir schickte. Nein, du sprichst es auch perfekt.“
Leonie lächelte ihn an: „Kunststück. Ich bin gewissermaßen Muttersprachlerin. Meine Mutter stammt aus Großbritannien. Ich bin zweisprachig aufgewachsen.“
„Ah so“, meinte Jan. „Cool! Ich kenne ein Mädchen, das perfekt Ausländisch kann. In der Schule hast du sicher immer eine Eins in Englisch.“
Leonie nickte. Während sie ausstiegen, erzählte sie, dass sie später als Übersetzerin arbeiten wollte wie ihre Mutter. „Das ist ein prima Job. Man verdient nicht schlecht und kann zu Hause arbeiten.“
„Das hat was“ sagte Jan. „Ich hingegen muss von Konzert zu Konzert reisen. Ich bin die halbe Zeit nicht zu Hause. Auf die Dauer ist das voll ätzend. Lange mach ich das nicht mehr mit.“ Er zeigte nach vorne: „Der Alm-Express! Schnell, bevor sie abfahren!“ Er zog Leonie an der Hand mit sich. Sie rannten los und erreichten die Bahn im letzten Moment. Zwei lange Waggons auf Luftreifen wurden von einem Traktor gezogen, der mittels Anbauteilen in eine Lokomotive verwandelt worden war. Jan und Leonie hatten den vorderen Wagen für sich. Hinten saß eine Familie mit Kindern und zwei ältere Ehepaare.
In gemütlichem Tempo zuckelte der Alm-Express bergauf. Er folgte einer Serpentinenstraße, die sich am steilen Hang der Bergehalde hinaufwand. Oben angekommen hielt er bei einer großen Blockhütte. Sitzbänke und Tische standen davor.
Jan und Leonie stiegen aus. Sie ließen die Hütte links liegen und wanderten zum Rand des Gipfelplateaus. Sie kamen an einem Kinderspielplatz vorbei. Auf Schienen standen Nachbildungen von Bergwerksloren. Auf einen der Wägelchen hatte ein Witzbold mit dickem, schwarzem Marker Lei geschrieben. Sie brachen in lautes Lachen aus.
„Lei!“, rief Jan. „Die Lore Lei! Hier oben steht sie. Auf der Bergehalde von Reden und nicht auf einem Felsen am Rhein.“
Leonie bog sich vor Lachen: „Sollen wir ihr die blonden Haare kämmen?“
„Sie hat ja gar keine“, erwiderte Jan. Er breitete die Arme aus und begann mit lauter Stimme zu singen: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin. Ein Märchen aus uralten Zeiten, das geht mir nicht aus dem Sinn.“ Seine Stimme trug weit über das weitläufige Gipfelplateau. „Die Luft ist kühl und es dunkelt, und ruhig fließt der Rhein.“
Er sang das komplette Lied, alle drei Strophen. Es endete auf: „... und das hat mit ihrem Singen die Lorelei getan.“
Eines der älteren Ehepaare stand in der Nähe. „Sie haben eine schöne Singstimme, junger Mann“, sagte die Frau. „Heutzutage können die meisten jungen Leute nur die erste Zeile des Liedes.“
„Ja, er war schon toll, der Heinrich Heine“, meinte Jan. Er deutete eine Verbeugung an und zog Leonie mit sich zum Rand des Plateaus.
Hinter sich hörten sie die Frau mit ihrem Ehegatten reden: „Du, der kommt mir bekannt vor. Ist das nicht dieser junge Mann, der ganz groß mit klassischer Musik herausgekommen ist? Wie hieß der gleich nochmal?“
„Hans-Jürgen Poppenreiter?“, riet ihr Mann.
„Och Erich! Der Poppenreiter, das war doch vor zwanzig Jahren!“
Jan grinste Leonie an. „Seh ich echt so alt aus?“, fragte er leise.
„Meinetwegen“, brummte Erich. „Dann hat er eben schon vor zwanzig Jahren gepoppt. Jetzt erinnere ich mich. Er hat Ullrich van Beethovens Arie Pimper fidelis gesungen.“
„Erich!“, fuhr die Gattin auf.
Jan und Leonie grinsten sich an. Sie mussten alle Kraft aufwenden, ein lautes Lachen zu unterdrücken.
Jan drückte Leonie an sich, während sie zum Rand des Gipfels liefen. „Lasset uns poppen“, sprach er mit leiser Stimme. „Piiiiimper fideeeeelis!“
Leonie konnte nicht mehr. Sie musste loslachen. Gottseidank waren sie weit genug von dem Ehepaar entfernt. „Pi … Pi-piii ...“, juchzte sie.
„Pipi?“, fragte Jan. „Das wird ja immer doller.“ Nun lachte er auch. „Herr Poppenreiter und Frau Reiterpopperin, die ritten einst so dahin. Sie pimperten fidel und sie machten zusammen Pipi. Da gallopierten sie davon und schrien ganz laut Jippie!“
Leonie schaute zu Jan auf: „Mensch Jan, du bist so was von witzig.“ Sie lachte ihn fröhlich an.
„Tatsächlich?“, fragte er. „Hat noch nie einer zu mir gesagt. Sonst sagen sie immer, ich sei so grimmig und verschlossen.“ Sein Blick wurde weich. „Das machst du mit mir, Leonie.“
Sie stand vor ihm, uns wusste nicht, was sie sagen sollte. Ihre Kehle war wie zugeschnürt. Der Wind, der über den Gipfel wehte, ließ ihr Haar flattern. Sie ertrank in seinen Augen. Sie spürte, wie er sie an sich zog und sie umarmte. „Es ist schön, was du mit mir machst, Leonie“, sagte er.
Leonies Herz klopfte heftig. Sie sah zu ihm auf. Er schaute sie an. Ihr Herz schlug noch heftiger. Jan, dachte sie. Jan! Jan, bitte!
Sie war für alles bereit. Sie spürte, wie er sie noch fester umarmte. Sein Gesicht näherte sich ihrem.
Ja!, dachte Leonie. Ja!
„Wundervolle Aussicht, nicht wahr?“
Sie fuhren auseinander. Erich und seine Gattin standen neben ihnen. Erich zeigte in die Ferne: „Ausnehmend gute Aussicht heute. Das kommt von dem Regenwetter. Der Regen hat die Atmosphäre gereinigt. Im Sommer ist die Luft manchmal total trübe.
Leonie fühlte Enttäuschung. Jan hätte sie beinahe … hätte er? Mit einem unhörbaren Seufzer wandte sie sich der wundervollen Aussicht zu.
Warum mussten die auftauchen?, dachte sie. Sie stellte sich vor, wie Erich und seine Gattin ausrutschten und den steilen Hand hinunter purzelten. Purzel fidelis!
Da spürte sie, wie Jans Arme von hinten um sie herum kamen und sie sanft an seinem Körper drückten. Augenblicklich war sie getröstet.
„Mein Vater hat dort unten in der Grube gearbeitet“, erzählte Erich. „Er hat miterlebt, wie sie zumachten.“
„Mein Großvater hat auch Schicht auf der Grube gemacht“, erzählte Jan. „Und damals, als bei dem großen Unglück in Luisenthal fast dreihundert Kumpels ums Leben kamen, hatte er einen Krankenschein. Er lag mit einer schlimmen Grippe im Bett. Das hat ihm das Leben gerettet.“
„Ach du grüne Neune!“, sagte Erich. „Nein, so was!“
„Sie haben eine schöne Stimme, junger Mann“, mischte sich seine Frau ein. „Singen Sie klassisch?“
Jan drückte Leonie an sich und schüttelte den Kopf: „Nein. Ich singe modernen Pop und Beat und so. Das Lied von der Lorelei hat mir ein guter Freund beigebracht, der Schlagzeuger unserer Band. Der steht auf Klassik. Wir haben es am Klavier einstudiert und am Geburtstag seiner Großmutter vorgetragen.“
„Sie haben Talent“, sagte die Frau. Sie und der gute Erich gingen fort.
Jan machte eine allumfassende Geste. „Sieht wirklich toll aus“, sagte er mit seiner tiefen Stimme. „Bloß der Wind könnte woanders wehen.“
Leonies Haare flatterten im Wind. „Ist doch schön“, sagte sie. „Es fühlt sich an, als würde ich auf einem Pferd durch die Prärie galoppieren.“
„Du magst Pferde?“, fragte Jan.
Sie nickte: „Mm. Manchmal nehme ich Reitstunden. Ich habe mir vorgenommen, in den Sommerferien einen Ferienjob anzunehmen und das Geld für Reitstunden zu sparen.“
„Ich mag Pferde auch“, sagte Jan. „Ich träume manchmal von einem eigenen Gestüt. Ich habe früher oft im Reiterverein gearbeitet, um mir Reitstunden zu verdienen. Aber seit wir groß rausgekommen sind, habe ich kaum noch Zeit zum Reiten. Aber von dem Gestüt träume ich immer noch gelegentlich. Ich würde gerne Pferde züchten. Bescheuert, nicht wahr?“
Sie drehte sich zu ihm um: „Überhaupt nicht. Ich finde, das ist eine prima Idee.“
„Wirklich?“, fragte er. „Timo und Florian fanden es voll beknackt, als ich mal darüber sprach.“
„Gib nichts auf die beiden“, sagte Leonie. Sie wunderte sich, woher sie den Mut nahm, so mit Jan zu sprechen. „Die sind … wie soll ich sagen? Das sind Jungs, die nur von heute auf morgen leben. Du hingegen bist ernst und … es passt einfach zu dir. Lass dir nicht von anderen deinen Lebenstraum vermiesen, Jan! Das meinte ich.“
Er hob die Hand und fuhr ihr sanft durchs Haar: „Du bist so anders, Leonie. So hat noch nie jemand mit mir gesprochen.“
„Fast niemand“, sagte er nach einer kurzen Pause. Er nickte mit dem Kopf in Richtung Blockhütte: „Wollen wir was trinken? Einen Kaffee vielleicht? Die haben bestimmt auch was zu Futtern.“
„Gerne“, sagte sie.
Er nahm sie bei der Hand und sie marschierten zur Almhütte.

17.05.2019 11:58 Stefan Steinmetz ist offline Email an Stefan Steinmetz senden Beiträge von Stefan Steinmetz suchen Nehmen Sie Stefan Steinmetz in Ihre Freundesliste auf
 
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