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Stefan Steinmetz
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Mars First - Mit dem One Way Ticket zum Mars(14) Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       IP Information Zum Anfang der Seite springen

Arne fuhrwerkte mit dem Miniatur-Chemielabor herum, dass Mars First der Crew mit auf den Weg gegeben hatte.
Antje kam des Weges und schaute neugierig: „Was braust du da zusammen? Gift?“
Arne lächelte: „Ein bisschen giftig ist es tatsächlich. Da ist unter anderem Schwefel mit drin. Ich experimentiere mit meinem Marsbeton.“ Aus den Lautsprechern erklang Chicas „Lindy-Flindy“. Maus sang den Refrain mit. Sie sah zu, wie Arne verschiedene Erden mischte. „Was du alles kannst! Ich finde das klasse.“
„Du doch auch, mit deinen Pflanzen und all dem Zeugs. Neuerdings züchtest du Nährhefen und willst demnächst Fleischersatz herstellen.“
„Damit kann man keine Kuppel bauen.“
„Maus, was sollte ich mit einer Kuppel, wenn du nichts darin anbauen würdest?“
Sie schauten sich an. Lange. Plötzlich schien die Luft zwischen ihnen elektrisch aufgeladen. Arne war sicher, dass es kleinen Blitze erzeugen würde, wenn er Antje berührte. Trotzdem fasste er sie an der Schulter. Es blitzte nicht, aber er spürte etwas. Es fuhr durch ihn hindurch; von Kopf bis Fuß. Dann traf es sein Herz. Es kam aus Antjes Augen. „Antje …?“
Sie schaute zu ihm auf: „Ja?“
„Antje … ich ...“
Sie schaute ihn schweigend an. In ihren Augen stand etwas, dass er noch nie zuvor dort gesehen hatte. Er zog sie sanft an sich. Sie ließ es widerstandslos zu, kam ihm sogar entgegen.
„Antje ...“ Bevor ihn der Mut verlassen konnte, küsste er sie. „Ich mag dich, Antje. Wirklich!“
Sie kuschelte sich mit einem leisen Laut an ihn, drängte sich ihm entgegen und erwiderte den nächsten Kuss, den er ihr gab.
Er wollte etwas sagen, aber sie verschloss ihm sofort den Mund mit neuen Küssen. Sein Herz begann schneller zu schlagen. Kurzerhand hob er sie hoch. Sie war klein und wog nicht viel. Die geringe Schwerkraft des roten Planeten hatte was, fand er, während er Antje zu ihrem gemeinsamen Habitat trug. Sie klammerte sich an ihn wie eine Ertrinkende.
Darauf hat sie die ganze Zeit gewartet, überlegte er, und ich Dödel traue mich ewig nicht.
Nun … jetzt traute er sich. Er schaffte es gerade noch, die Hauptschleuse des Habitats zu schließen und den „Privat“-Knopf zu drücken. Draußen würde jeder die Anzeige sehen, dass die Bewohner dieser Living-Unit nicht gestört werden wollten.
Bis sie bei der Bettstatt angekommen waren, hatten sie sich gegenseitig aus der Kleidung geschält und dann ging alles wie von selbst.
Arne war verblüfft und entzückt, wie wild Antje war. Sie war erstaunlich agil und entgegenkommend. Dabei vergaß sie nie ihr eigenes Vergnügen. Gleichzeitig passte sie sich ihm an. Dann wieder forderte sie ihn heraus.
Sie spielten miteinander wie zwei Raubkatzen. So etwas hatte Arne noch nie erlebt und er hatte, weiß Gott, nicht wenige Erfahrungen gesammelt. Schließlich war er keine zwanzig mehr. Doch ein solch perfektes Zusammenpassen hatte er nie zuvor kennengelernt.
Als er kam, musste er mit Gewalt die Tränen zurückhalten, so sehr nahm es ihn mit. Sie waren eins, wirklich und wahrhaftig eins.
Danach lag sie neben ihm, kuschelte sich an ihn und sah ihn mit diesem neuen, katzigen Blick an. Er musste wohl ein selten dämliches Gesicht machen, denn sie lachte fröhlich auf. Dann umarmte sie ihn und küsste ihn. Wieder dieser katzige Blick.
„Ich bin altmodisch“, sagte sie, wobei sie einen süßen Schmollmund machte. „Bei mir macht der Mann den Anfang, fertig!“ Sie biss ihm in die Unterlippe, schaute ihn unter ihrem dichten schwarzen Schopf wieder so katzig an: „Hast dir ganz schön lange Zeit gelassen!“
„Schnell bin ich nur bei den Mädchen, die mir wenig bedeuten.“ Kaum hatte Arne den Spruch losgelassen, als ihm klar wurde, dass er die reine Wahrheit gesagt hatte.
Sie rückte noch näher an ihn heran. Ihre Augen bohrten sich in seine: „Warst du oft langsam?“
Er nickte: „Und ob! In Französisch zum Beispiel. Ich habe meine Lehrerin in den Wahnsinn getrieben. In Geschichte war ich auch nicht besser. Ich war ein sehr langsamer Schüler.“
Sie knuffte ihn: „Ich meine bei Mädchen!“
Arne schaute sie lange an, ohne ein Wort zu sagen.
Wieder knuffte sie ihn: „Sag!“
„Nur einmal“, sagte er. „Ich war vierzehn und sie ein halbes Jahr jünger. Es hat fast ein Dreivierteljahr gedauert, bis ich sie ansprach.“
Maus schaute ihn wortlos an. Ihr Blick machte ihn verrückt. Dieses kleine, kecke Lächeln hatte er nie zuvor an ihr gesehen.
„Es hielt nicht lange“, fuhr er fort. „Aber es war schön, als ich mich endlich getraut hatte. Wirklich schön. Danach legte ich meine Schüchternheit ab.“ Er küsste sie. „Bloß bei dir war es anders … ich kann nicht sagen, warum. Lag vielleicht auch an der blöden Schwerelosigkeit. Die gefiel mir nicht sonderlich und der Gedanke ...“
„Den beiden anderen schien es zu gefallen.“ Sie grinste schief.
Arne rollte mit den Augen: „Gott, verschone mich! Manchmal dachte ich, der Fuchs ist ins Meerschweinchengehege eingebrochen, wenn die zwei loslegten.“
Antje lachte hellauf.
„Ist doch wahr!“ Er griente. „Manchmal dachte ich, die beiden machen es extra so laut.“
Antje kuschelte sich eng an ihn. „Ich bin jedenfalls froh, dass du dich endlich durchgerungen hast. Ich hätte nie den Anfang gemacht. Wie gesagt, ich bin altmodisch. Das habe ich von meiner Mutter. Sie sagte immer: Der Mann macht den Anfang, fertig! Ein Mann, der das nicht fertig bringt, ist nicht der Richtige für dich. Ich finde, sie hat recht.“
Er zog sie noch näher an sich und begann, sie überall zu küssen und zu streicheln: „Dann mache ich mal den Anfang ...“
Ihr leises, glucksendes Kichern bekam er an diesem Tag noch öfter zu hören.

*

„Hast du es?“ McDuff platzte schier vor Neugier.
„Klar“, sagte Arne leichthin. „Setzt euch. Ich zeige es euch.“ Er startete den Habitat-Rechner und spielte das kleine Demo-Video auf den großen Flachbildschirm an der Wand auf. „Darf ich vorstellen: Unsere Kuppel. Sie wird mit Ziegeln aus Marserde erbaut und erhält selbstgedruckte Luken aus Marsglas, einem sehr stabilen und strahlenfesten Silikatglas.“
Auf dem Bildschirm wurde die Kolonie sichtbar. Eine simulierte Kamerafahrt führte den Betrachter ans Ende der geraden Reihe von Dragon-Kapseln. „Das Fundament entsteht.“
Eine kreisförmige Vertiefung entstand im rostroten Boden. Steine, Geröll und flüssiger Beton ergossen sich hinein. Alles wurde in Sekunden fest. Dann lief eine Reihe Ziegel im Kreis und auf ein Trompetensignal hüpften alle dorthin, wo sie hingehörten. Sie bildeten die erste Reihe von Ziegelsteinen rund ums Fundament.
Stück für Stück baute sich die Kuppel aus Ziegelsteinen auf dem Flatscreen auf, komplett mit durchsichtigen rechteckigen Luken.
Dann wechselte der Blickwinkel und sie blickten alle vier ins Innere der Kuppel. Dort wuchsen kleine Apfelbäumchen, Brombeerranken blühten am Spalier und Getreide streckte sich den hellen Lampen an der Kuppeldecke entgegen.
„Wow! Das ist absolut cool!“, rief McDuff.
Arne legte einige Ausdrucke auf den Tisch: „Das sind die Maße. Ich habe es genau durchgerechnet. Die Statik stimmt. Alles stimmt.“
Ethan griente: „Unser Deutscher! Immer alles ganz genau und auf den Zentimeter pünktlich!“ Er lachte gutgelaunt. „Wann können wir anfangen?“
„Wie wäre es mit morgen?“, antwortete Arne.
„Morgen schon?“ McDickmaul war platt. „Das … das wäre fantastisch! Ja doch, wir fangen gleich morgen an! Jeder wird täglich seinen Teil an Arbeit leisten. Wenn wir uns alle vier mächtig reinknien, sehen wir schon bald unsere Kuppel wachsen. Nicht ganz so fix wie in Arnes Computerdarstellung, aber wachsen wird sie, so wahr ich Ethan McDuff heiße und schottisches Blut durch meine Adern fließt!“
Und jede Menge Antreiberblut, McDickmaul!, dachte Arne, aber das sagte er nicht laut. Er wollte die gute Stimmung nicht verderben.
Antje kuschelte sich an ihn. Sie freute sich sichtlich. „Das hast du ganz toll gemacht, Arne!“
Er legte den Arm um sie und drückte sie an sich. Ein schönes Gefühl. Hatte er wirklich die Monate des Fluges durchs All und die ganzen Wochen auf dem Mars ohne dieses Gefühl leben können? „Du kannst anfangen, deine Apfelbäumchen auszusäen, Antje. Dann haben sie bereits eine gewisse Größe, wenn die Kuppel fertig ist.“ Er küsste Maus. Aus dem Augenwinkel sah er McDickmaul und Laura Sunderland glotzen.
Im Hintergrund lief ein Musikvideo von der Erde. Der Leadsänger von „The Peoples“ sang den neuesten Hit der Band: You. Im Video sah man den knapp Zwanzigjährigen, wie er im Studio Gitarre spielte und ein blutjunges Mädchen verliebt ansang.
Als Arne abends mit Maus in den Armen einschlief, hatte er das Lied im Kopf.

*

Am folgenden Tag sah Familie Bishop zu, wie die Leutchen auf dem Mars das Fundament für die geplante Kuppel absteckten. Mit Hilfe eines der großen Rover zogen sie einen Kreis von zwanzig Metern Durchmesser bei der hintersten Dragon-Kapsel und fingen an, die Grube für das Fundament auszuheben.
Arne Heuermann machte die Vorgaben. Er hatte den Plan und wies alle ein, doch es war McDuff, der die Bande antrieb, als gelte es das Leben.
„Rote Bart keelee Marsies“, verkündete Penelope vom Schoß ihrer Mutter aus kategorisch. Marsies, Einzahl Marsie, war der Ausdruck den die Zwillinge für die Kolonisten verwendeten. Ihre Mutter hatte ihnen die Crewmitglieder als Marsianer beschrieben und die beiden Mäuse hatten Marsies daraus gemacht.
Auf dem TV-Screen scheuchte McDuff die Marsies hin und her.
„Rote Bart keelee-keelee Marsies“, wiederholte Penny.
„Teep!“, antwortete ihre Schwester bestätigend.
Liam und Dorothy sahen sich über die Köpfe ihrer Kinder an. Teep!(gesprochen: Tiep). Abigail hatten den Laut zum ersten Mal in Gegenwart anderer Menschen ausgesprochen. Liam und Dottie waren beide verwundert. Teep gehörte zu den Worten der Zwillingssprache, die Penny und Abby geheim hielten. Nur wenn sie allein waren, gaben sie diesen Laut von sich. Teep. Ein bisschen klang es wie Vogelpiepen. Es war eine Art Schwarmlaut, eine Frage und Bestätigung zugleich. Teep. Fragend gesagt bedeutete es wohl so viel wie: Siehst du das? Bist du da? Hörst du mir zu? Bleibst du bei mir?
Als Bestätigung gesagt mochte es Bedeutungen haben wie: Ich bin da. Ich höre dir zu. Ja. Ich sehe, was du mir zeigst. Das stimmt.
Beim Spielen gaben die kleinen Mädchen den Laut immer wieder von sich, wie fliegende Vögel in einem Schwarm.
Noch nie hatte eine den Ausdruck vor den Eltern gebraucht. Liam und Dottie kannten den Laut nur aus ihren heimlichen Beobachtungen, wenn sie auf dem Bildschirm des Computers die Aufnahmen der kleinen versteckten Kamera ansahen, die im Zimmer der Zwillinge montiert war. Die Zwillinge hatten keine Ahnung, dass ihre Momma und ihr Dad sie heimlich beobachten konnten.
Auf dem Bildschirm trieb Ethan McDuff seine Herde an. Laura Sunderland fiel ihm ins Wort. „Nun hetz doch nicht so, Ethan. Wir sind hier bei der Arbeit und nicht auf der Flucht.“ Sie wandte sich an Arne Heuermann: „Wie willst du die Kuppel eigentlich an die Dragon anschließen, Arne?“
Der Deutsche zeigte zum äußeren Rand des kreisförmigen Grabens, den sie in zweistündiger Arbeit ausgehoben hatten: „Wir werden dort einen Tunnel anbauen, der zur Schleuse der Dragon führt und den Ziegelbau mit der Kapsel luftdicht verbinden. Wir werden die Seitenschleuse Nr 2 der Dragon als Schleuse für die Kuppel nutzen. Dadurch bleibt uns die einzige Ersatz-Schleuse übrig, die wir auf Lager haben. Die könnten wir eventuell auf der anderen Seite der Kuppel in einen zweiten Ausgangstunnel einbauen, für den Fall, dass wir dort eine weitere Kuppel aufbauen wollen.“
„Dann haben wir aber keine Ersatz-Schleuse mehr“, meinte Laura. „Was, wenn wir eine benötigen?“
„Das drucken wir am 3-D-Drucker“, rief Ethan. „Das geht. Wir drucken sie aus Einzelteilen, die wir zusammenfügen.“ Er war ganz Begeisterung: „Mensch Leute! Eine zweite Kuppel! Stellt euch das mal vor! Zwei Kuppeln hintereinander! Und das ist erst der Anfang! Wir können so viele Kuppel bauen, wie wir wollen. Große, stabile Kuppeln aus Marsziegeln.“ Seine Begeisterung war ansteckend.
„Thetterbee!“, verkündete Abby.
„Teep!“, bestätigte Penny.
Und ob das thetterbee ist!, dachte Liam, während er den Marsianern beim Sandschippen zusah. Es war also letzten Endes gut, dass die Voraus-Mission verloren ging, so schmerzlich der Verlust für die Kolonisten sein mag. Aber dieses Ereignis hat die Kreativität der Crew angeheizt. Wenn die voraus gesandte Dragon-Kapsel nicht verloren gegangen wäre, würden sie niemals diese Kuppel aus Ziegelsteinen bauen.
Die Likes in den sozialen Netzwerken stiegen wie nie zuvor und die TV-Einschaltquoten gingen durch die Decke. Jeder wollte dabei zuschauen, wie die Mars-Kolonisten ihre Kuppel bauten.
Ein zusätzlicher Effekt war, dass die Weltraumbehörden der Erde Mars First zum ersten Mal wirklich ernst nahmen. Es hagelte Anfragen, verbunden mit Angeboten finanzieller Art. Die NASA hatte nachgefragt, ob es möglich wäre, in ihrem Auftrag Tiefbohrungen an unterschiedlichen Orten rund um die Kolonie vorzunehmen. Die russische Roskosmos war an ständigen Wetterdaten interessiert und wollte unterirdische Wasservorkommen chemisch und biologisch untersucht haben, gegen entsprechendes Entgelt natürlich. Die ESA hatte gleich zwei Dutzend verschiedener Experimente vorgeschlagen und sogar die Chinesen hatten an die Tür geklopft.
Keiner redete mehr davon, dass Mars First eine Luftnummer war und das, fand Liam Bishop, war sehr, sehr thetterbee.

16.01.2017 10:47 Stefan Steinmetz ist offline Email an Stefan Steinmetz senden Beiträge von Stefan Steinmetz suchen Nehmen Sie Stefan Steinmetz in Ihre Freundesliste auf
 
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