Registrierung PM-BoxMitgliederliste Administratoren und Moderatoren Suche Häufig gestellte Fragen Zur Startseite  

Stefans Geschichten » Willkommen auf der Homepage von Stefan Steinmetz » Die kleine Privat-Ecke » Mars First - Mit dem One Way Ticket zum Mars » Mars First - Mit dem One Way Ticket zum Mars(9) » Hallo Gast [anmelden|registrieren]
Druckvorschau | An Freund senden | Thema zu Favoriten hinzufügen
Neues Thema erstellen Antwort erstellen
Autor
Beitrag « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »
Stefan Steinmetz
Administrator




Dabei seit: 10.02.2006
Beiträge: 1804

Mars First - Mit dem One Way Ticket zum Mars(9) Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       IP Information Zum Anfang der Seite springen

Arne und Ethan waren mit Hilfe der beiden großen Rover damit beschäftigt, Sand zur Kolonie zu karren und anzufangen, die Habitate damit abzudecken. Ein kleiner Rover kurvte in ausreichendem Abstand um sie herum und filmte sie bei der Arbeit. In den sperrigen Marsanzügen war es eine elende Plackerei, aber die Arbeit musste erledigt werden. Zwar boten die Living-Units recht guten Schutz vor der Strahlung, aber bei einem Sonnensturm würde es schnell eng werden. Die schlauchartigen Habitate mussten unter eine Schutzdecke aus Sand.
Noch lag der rötliche Sand nur kniehoch an den Schlauchhabitaten an. Arne schaute sich die Living-Units an. Dasjenige Habitat, dass die Marsrover bereits vor der Ankunft der Crew aufgebaut hatten, hatte eine leicht rötliche Färbung angenommen. Der allgegenwärtige Staub hatte das Cremeweiß in ein Rötelweiß verwandelt. Auch die beiden später aufgebauten Habitate hatten einen rötlichen Überzug. Lange würde das nicht mehr sichtbar bleiben. Bald würden die drei Units unter einer meterdicken Sandschicht verschwinden.
Die Dragon-Kapseln, die in Reih und Glied standen, hatten hingegen ihre weiße Farbe behalten, weil sie eine spezielle Außenbeschichtung hatten.
Arne bekam Grund zum Staunen. McDickmaul entsprach so gar nicht dem Bild, dass Arne sich von dem Amerikaner gemacht hatte. Von wegen: Große Klappe und nichts dahinter! Ethan schuftete wie ein Berserker. Er kniete sich richtig rein. Er lud draußen vor der Kolonie den Sand auf den Hänger und bei den Habitaten schippte er, als gelte es sein Leben. Der Typ arbeitete wie eine Lokomotive.
Das hatte Arne nicht erwartet. Im Stillen leistete er Abbitte bei Ethan McDuff.
Hoffen wir, dass er nachher dran denkt, seinen Anzug an die Versorgung zu hängen, dachte er.
Kurz darauf gab McDuff ihm neuen Grund zum Staunen.
„Hören wir auf“, meinte der Amerikaner. „Wir haben für heute mehr als genug geschafft. Wenn wir weitermachen, schuften wir uns zu Tode. Lass uns reingehen und eine anständige Dusche nehmen. Danach können wir drinnen kleine Arbeiten erledigen. Wir müssen unsere Arbeitskraft schonen, Arne. Durch diese verdammten Anzüge geht viel unserer Körperkraft verloren, geringe Schwerkraft hin geringe Schwerkraft her. Man merkt das nur nicht gleich, dafür aber umso stärker, wenn es zu spät ist und man seine „Maschine überdreht“ hat. Das kenne ich vom Segeln. Glaub mir, ich habe viele Anfänger nach ihrem ersten Törn in den Seilen hängen sehen, weil die dachten, das bisschen „Ziehen an den Leinen“ sei doch keine echte Arbeit.“
Also gaben sie den Rovern den Befehl, in ihre Ausgangsstellungen zu gehen und sich selbstständig an die Stromversorgung der Kolonie anzuschließen, um ihre Batterien anzuschließen. Sie räumten die Werkzeuge zur Seite und gingen zur Schleuse.
Wie immer blieb Arne dort stehen. Er drehte sich um und warf einen langen Blick auf die Landschaft. Diese Minuten am Ende eines Arbeitstages im Draußen gehörten ihm. Die lies er sich nicht nehmen.
Er erwartete halb, dass Ethan ihn auffordern würde, in die Schleuse zu treten, doch der Amerikaner stellte sich neben ihn und wartete stumm.
Arne blickte geradeaus in das flache Tiefland, dass sich vor seinen Augen bis in weite Fernen erstreckte. Es war nicht die Ferne, die er von der Erde kannte. Es war eine völlig andere Art des in die Fernesehens. Der Horizont war viel näher, weil der Mars vom Umfang her viel kleiner als die Erde war. Und doch hatte das Bild als ganzes eine unglaubliche Tiefe.
Alles wirkte auf sanfte Art rötlich. Der Anblick gefiel ihm. Er fand die Farbe angenehm und beruhigend und keinesfalls eintönig. Es war seine größte Befürchtung gewesen, dass er auf dem Mars das Grün irdischer Naturlandschaften vermissen würde, dass sein Auge geradezu nach dieser Farbe des Lebens schreien würden, doch dies war nicht der Fall. Er liebte den Mars.
Er ließ die Augen über kleine flache Hügel schweifen und über alte Krater, die kaum noch als solche zu erkennen waren. Ein Stückchen weiter links hatten sie die Steine, die sie vor den Dragons entfernt hatten, zu kleinen Pyramiden aufgeschichtet. Aus einer Laune heraus, hatten sie viele der Brocken zu einer Pyramide geschleppt, die ein wenig weiter draußen auf einem Hügel aus Regolit aufragte. Mittlerweile war das kleine, künstlich erschaffene Bauwerk höher als ein Mensch.
Wir setzen Zeichen, dachte Arne. Wir Menschen sind so. Wir wollen Spuren hinterlassen. Diese spezielle Pyramide wird weiter anwachsen.
Er drehte sich langsam und schaute nach links. Dort erhob sich eine etwas höhere Hügelkette und er erkannte den Rand eines alten Kraters. Sobald ihnen mehr Zeit verblieb, wollte er mit Laura Sunderland dorthin gehen. Laura hatte gesagt, dass sie dort interessante geologische Formationen finden würden. Sie hatte Aufnahmen der Orbiter untersucht. Vielleicht fanden sie dort Tonerden, die besser für die Ziegelherstellung geeignet waren, als der Sand, den Arne bislang benutzte.
Er stand still. Seine Augen tranken die Landschaft, deren Konturen im weichen Licht der tiefstehenden Sonne deutlich hervortraten. Es erinnerte ihn ein wenig an Wiesen im Licht der tiefstehenden Herbstsonne, nur dass hier keine grün-goldenen Farbtöne vorherrschten, sondern rötlich-goldene; Farben, die denen eines Lagerfeuers ähnlich waren, nur dass alles gedämpft wirkte. Es war zauberisch.
„Herrlich“, sagte Ethan neben ihm. Seine Stimme bebte vor Ergriffenheit. „Ist das nicht wunderschön? Und nur wir können es sehen. Keine Kameraufnahme kann das wiedergeben. Gott, bin ich froh, hier zu sein!“ Er machte eine allumfassende Geste: „Allein dieser Anblick ist unbezahlbar!“ Womit er Arne erneut in Erstaunen versetzte.

Später, nachdem er geduscht hatte, zog sich Arne bequeme Klamotten an. Während er in ein grünkariertes Flanellhemd schlüpfte, dachte er daran, dass er demnächst anfangen musste, mit seinem bescheidenen Chemielabor Versuche zur Herstellung von Kunstfasern anzustellen. Ewig würden die von der Erde mitgebrachten Kleidungsstücke nicht halten. Sie mussten irgendwann anfangen, eigene Sachen herzustellen. Sie hatten sogar eine kleine elektrisch betriebene Webmaschine mitgebracht.
Während Arne durch die Reihe der Dragons zum Habitat mit dem Treibhaus ging, musste er schmunzeln. In ein paar Jahren würden die Marsianer Hemden und Hosen tragen, die aussehen würden, als wären sie aus Flickstücken zusammengesetzt. Das kleine Webmaschinchen konnte nur zehn Zentimeter breite Stoffstreifen herstellen.
Vorläufig ausschließlich aus Kunstfasern. Zum Anbau von Baumwolle reichte der vorhandene Platz nicht. Zu schade, dass die Voraus-Mission mit der großen aufblasbaren Kuppel verlorengegangen war.
Ethan McDuff schien den Verlust inzwischen verschmerzt zu haben. Er zeigte auch keine Panik mehr. Die Angst des Amerikaners war weg. Das hoffte Arne jedenfalls.
Stattdessen war der Möchtegern-Schotte zu einem verlässlichen Kameraden geworden. Natürlich hatte McDickmaul noch immer ein großes Mundwerk und er liebte es, zu bestimmen, wo es langging, aber er arbeitete hart und half, wo es nötig war.
Arne freute sich. Der Amerikaner war nicht mehr so anstrengend wie während der siebenmonatigen Reise durchs Weltall. Hoffentlich blieb das so.
Nur müsste der Dödel sich endlich daran gewöhnen, seinen Marsanzug nach der Benutzung selbst an die Versorgung zu hängen! Ethan hatte es wieder einmal vergessen.
Arne bog um die Ecke, um das Habitat zu betreten, dass sie als letztes aufgebaut hatten. Das Treibhaus nahm Gestalt an. Er sah Ethan vorne in der kleinen Werkstatt neben der Schleuse stehen, die in die beiden hinteren Sektionen führte, die für die Anpflanzung ihrer Nahrung gedacht war. Arne ging zu McDuff und stellte sich neben ihn. Gemeinsam spitzten sie um die Ecke.
Laura Sunderland und Antje van Dijk standen im mittleren Laufgang. Sie schoben flache Pflanzschalen in regalartige Halterungen und brachten LED-Lampen darüber an. Die Regalkonstruktion bestand aus genormten Einzelteilen. Man konnte sie beliebig zusammensetzen und damit Platz in jeder gewünschten Höhe schaffen. Salat brauchte nur wenig Höhe, dicke Bohnen dagegen mehr. An einer Stelle ragten Rankhilfen vom Boden aus nach oben.
Arne hörte Maus sagen, dass dort Stangenbohnen wachsen sollten.
„Buschbohnen bringen eine geringere Ernte“, erzählte die Holländerin. „Pro Flächeneinheit erhält man weniger als die Hälfte an Schoten. Das wäre Verschwendung wertvollen Platzes.“ Sie lächelte Laura an: „Außerdem bedeuten höhere Bohnenpflanzen eine höhere Sauerstoffproduktion und wenn die Pflanzen abgeerntet sind, habe ich eine Menge Biomasse für meine Kompost.“
„Glaubst du, die mitgebrachten Wurmeier werden schlüpfen?“, fragte Laura.
„Aber natürlich“, erwiderte Antje. Ihre Augen leuchteten. Sie war ganz in ihrem Element. „Sobald ich genug Pflanzenmasse beisammen habe, werde ich sie mit aufbereiteter Marserde mischen, anfeuchten und einen Teil der Wurmeier hineingeben. Die Würmer werden ganz umsonst einen fantastischen Kompost herstellen. Den brauchen wir mehr als alles andere. Ohne Kompost läuft nichts in einem Garten.“
„Dann werden wir, sobald wir Gemüse ernten, unsere Küchenabfälle klein schnippeln und in die Kompostkiste geben“, meinte Laura. „Das wird ein Geschnippel werden!“
„Am Anfang wird es leicht sein“, meinte Antje. „Später, wenn viel Grünmasse anfällt, artet es dann in Arbeit aus. Ein kleiner Häcksler wäre nicht übel.“ Sie seufzte. „Leider haben wir keinen. Handarbeit ist angesagt.“
„Mal sehen, was ich in der Werkstatt aus Einzelteilen basteln kann“, murmelte Ethan McDuff. Er zwinkerte Arne zu. „Was wir nicht dabeihaben, stelle ich im 3-D-Drucker her. Du wirst sehen, Maus kriegt ihren kleinen Häcksler.“
Wieder war Arne verblüfft. Anscheinend hatte er den Amerikaner völlig falsch eingeschätzt.
Im Mittelgang hob Antje das rechte Bein und setzte ihren Fuß, der in einem dünnsohligen Stoffschuh steckte, sanft auf den Grund, wo die Stangenbohnen wachsen sollten: „Zu Hause hatten wir einen riesengroßen Garten. Meine Eltern haben fast ihre ganze Freizeit in diesem Garten verbracht und ich wuchs inmitten von Pflanzen auf. Ich liebe Gartenarbeit.“ Sie seufzte leise. „Daheim bin ich, sobald es wärmer wurde, immer barfuß im Garten herum gelaufen. Das habe ich schon als kleines Mädchen getan. Das ist hier leider nicht möglich.“ Sie zog ihren Fuß zurück. „Schon komisch, dass ich ausgerechnet das jetzt vermisse.“ Sie holte tief Luft und ließ sie mit einem hörbaren Zischen entweichen. „Zu Hause ...“
Laura legte ihr einen Arm um die Schultern: „Du vermisst mehr als mit bloßen Füßen einen Gartenpfad entlang zu laufen, nicht wahr Antje?“
Antje nickte stumm. Sie schluckte heftig. Als sie sprach, war ihre Stimme leise: „Ich vermisse sie! Meine Familie! Meine Eltern und unsere Verwandten. Wir hatten ständig Gäste im Haus. Immer waren welche von unseren Leuten da – die Großeltern, Onkel und Tanten, Cousins und Cousinen. Ich bin es gewohnt, immer viele von meinen Lieben um mich zu haben.
Jetzt ist das vorbei. Für immer! Ich hätte nicht gedacht, dass es mich so hart treffen würde. Ich kann ihnen Videonachrichten schicken und Briefe per Email, aber das ist nicht das Gleiche wie einander wirklich nahe zu sein. Manchmal tut es richtig weh.“
Antje schaute Laura an: „Und du? Vermisst du deine Familie auch?“
Laura schaute starr geradeaus: „Ich habe keine Familie.“
„Was?“ Antje schaute erschrocken. „Sind sie …?“
Laura schüttelte den Kopf: „Nein, sie sind nicht tot. Mein Vater verließ die Familie, als ich zwölf war. Ich habe keine Ahnung, wo er steckt und ob er überhaupt noch lebt. Meine Mutter war … ist eine Trinkerin. Ich habe seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihr; nur noch zu meinen jüngeren Geschwistern. Meine Schwester Shirley ist sechs Jahre jünger als ich, mein Bruder Ken acht Jahre jünger. Weitere Verwandte gibt es praktisch nicht. Mein Vater war Vollwaise und von der Familie meiner Mutter kannte ich nur Großmutter Daisy und eine entfernte Tante. Beide leben nicht mehr.“
„Ach Gott, Laura!“ Nun war es Antje, die tröstete. „Das tut mir leid.“ Sie drückte die Kanadierin an sich.

*

Dorothy und Liam Bishop sahen sich an. Sie erlebten die Szene zwischen den beiden Frauen im Gewächshaus gerade live am TV-Bildschirm mit.
„Hast du das gewusst?“, wollte Dottie wissen. „Dass mit Laura Sunderlands Familie?“
Liam nickte. „Das hat sie alles bei der Bewerbung angegeben. Laura hatte keine schöne Kindheit und Jugend. Sie musste sich alles hart erarbeiten. Sie konnte nur dank eines Stipendiums aufs College gehen. Sie ist einer von den Menschen, die gut zurecht kommen, weil sie es auf die harte Tour lernen mussten.“
„Und Antje van Dijk? Wird Maus krank vor Heimweh werden?“
„Nein, Dottie. Antje ist ein großes Mädchen. Natürlich tut ihr die Trennung von ihrer geliebten Familie weh, aber sie steckt das weg. Ethan hat keine Familie mehr. Seine Eltern sind vor einigen Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen.“
„Und Arne Heuermann?“
Liam lächelte Dorothy zu: „Ein Bilderbuchsohn aus einer Bilderbuchfamilie. Einzelkind. Wuchs behütet, aber nicht verhätschelt auf. Guter Schüler. Schon immer weltraumverrückt. Als er von Mars First hörte, gab es für ihn kein Halten mehr. Seine Eltern waren nicht begeistert, aber letzten Endes respektierten sie den Wunsch ihres Sohns. Arne ist ungebunden. Er hatte seit Jahren keine feste Freundin mehr, als er sich bewarb. Heuermann ist einer von denen, die gut allein zurechtkommen, die aber auch im Team wunderbar funktionieren. Vielleicht ein wenig knurrig veranlagt, aber er hat es unter Kontrolle.“
„Grad eben war er leicht angepisst, als er McDuffs Anzug mal wieder an die Versorgung anschließen musste. Ly, ihr müsst was unternehmen! Es geht nicht an, dass Ethan so leichtsinnig ist. Er muss sich selbst um so etwas kümmern.“
„Schon klar“, meinte Liam. „Wenn es nicht aufhört, müssen wir mit ihm reden. Privat natürlich. Die Öffentlichkeit braucht das nicht mitzubekommen.“
„Dieses Häckseldings … wird Ethan das wirklich bauen?“
„Darauf kannst du Gift nehmen, Dottie! Ethan McDuff mag etwas großsprecherisch daherkommen, aber er ist ein begnadeter Bastler. Der baut dir aus dem Inhalt von drei Mülltonnen ein fahrtüchtiges Auto oder eine Waschmaschine mit Windantrieb. In der Hinsicht ist er ein Tausendsassa.“

07.01.2017 18:18 Stefan Steinmetz ist offline Email an Stefan Steinmetz senden Beiträge von Stefan Steinmetz suchen Nehmen Sie Stefan Steinmetz in Ihre Freundesliste auf
 
Neues Thema erstellen Antwort erstellen
Gehe zu:

Powered by Burning Board Lite 1.0.2 © 2001-2004 WoltLab GmbH