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Stefan Steinmetz
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Der Elfenmacher(35) Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       IP Information Zum Anfang der Seite springen

Ein Wunder war geschehen. Ein Ehepaar interessierte sich für Stephan Harrers ehemaliges Anwesen in Runsach. Im Gegensatz zu bisherigen Interessenten hatte der Kaufpreis die Leutchen nicht abgeschreckt. Nun war Stephan mit den beiden auf seinem Grundstück in Runsach unterwegs.
Das Haus gefiel den Webers. Alfons Weber würde nach den Sommerferien pensioniert werden, ein ehemaliger Oberstudienrat, der den Herbst seines Lebens mit Frau und Katze im eigenen Haus auf dem Dorf verbringen wollte.
Das das Haus sehr groß war, gefiel den Webers ausnehmend gut. Sie hatten beide eine große Familie und planten, ständig Leute fürs Wochenende einzuladen. Es wurden also mehrere Gästezimmer gebraucht. Der hohe Kaufpreis schreckte sie nicht. Alfons hatte sich seinen Erbteil ausbezahlen lassen und eine fette Lebensversicherung wurde zum Datum seiner Pensionierung fällig. Zusammen mit dem Ersparten genügte das vollkommen, Stephans Preisvorstellung zu erfüllen.
Ein bisschen billiger hätten die Webers es ja gerne gehabt.
„Es ist wirklich ein ganz schöner Batzen, den Sie verlangen, Herr Harrer“, sagte Alfons Weber.
Stephan machte eine Geste über den Garten hinaus: „Es ist wegen dem Land, Herr Weber. Über zwei Hektar. Land kostet Geld.“
„Nun ja“, meinte Agnes Weber. „Das Land brauchen wir aber nicht. Das ist viel zu viel für uns. Könnten Sie nicht günstiger verkaufen? Ohne das Land?“
Das wollte Stephan natürlich auf keinen Fall. Er öffnete den Mund, um seine Argumente dafür vorzubringen, da meldete sich eine nur allzu bekannte Stimme von jenseits des Gartenzauns: „Warum kaufen Sie nicht, und danach veräußern Sie das überschüssige Land?“
Stephan gab sich Mühe, nicht mit den Zähnen zu knirschen. Boris „Oberkacker“ Kowak stand am Gartenzaun und lächelte, als könne er kein Wässerchen trüben, das dämliche Paradekamel.
Hoffentlich macht der Idiot mir das jetzt nicht kaputt, dachte Stephan. Musste das Arschtörtchen gleich an den Gartenzaun geschossen kommen?! Dämlicher Vollspacko!
Alfons Weber wandte sich dem Kowaken zu: „Darf ich fragen, wie Sie das meinen?“ Er ging zum Zaun: „Alfons Weber.“ er lächelte Boris an. „Möglicherweise ihr neuer Nachbar. Das ist meine Frau Agnes.“
„Grüß Gott.“ Boris Kowak strahlte über beide Backen. „Wie ich das meinte? Ei, das ist gutes Ackerland. Das wird gebraucht wie das liebe Brot. Ich garantiere Ihnen, dass sie es sofort nach Erwerb verkaufen können. Die hiesigen Landwirte stehen Schlange nach gutem Ackerland.“ Kowak nannte einen Preis, bei dem Stephan die Luft wegblieb. Ihm hatte der miese alte Siegfried Kowak nicht einmal die Hälfte der Summe für die zwei Hektar angeboten.
Die Webers waren sichtlich erfreut.
„Ja dann sieht die Sache natürlich anders aus“, meinte Alfons. Er wandte sich an Stephan: „In dem Fall können wir den Kaufvertrag gleich beim Notar unterschreiben.“
Stephan machte keine Einwände. Sollten die Webers zusehen, wie sie an ihr Geld kamen. Er bezweifelte, dass sie so viel bekommen würden, wie Boris Kowak ihnen versprochen hatte. Das konnte er sich nicht vorstellen.
Als sie wieder drinnen im Haus waren, um zur Straße zu gehen, sprach Stephan das Thema an: „Vielleicht sollten Sie sich nicht auf das verlassen, was der Mann gerade eben gesagt hat.“
Die Webers ließen ihre Augenbrauen synchron in die Höhe rutschen.
„Wieso nicht?“ wollte Alfons Weber wissen.
„Das war Boris Kowak“, erklärte Stephan. „Das ist ein echter Schluri. Man kann nicht alles glauben, was der erzählt. Mir hat man wesentlich weniger für das Land angeboten. Nicht mal die Hälfte dessen, was Boris Ihnen versprach.“
„Nun … dafür kann ich nichts, Herr Harrer“, sagte Alfons Weber. „Vielleicht hatten Sie ja mit dem Nachbarn … gewisse Differenzen.“ Er blickte seine Frau an: „Uns betrifft das jedoch nicht. Nicht wahr, Agnes?“
Schnösel!, dachte Stephan. Na gut, sag ich eben nichts mehr. Du wirst schon sehen, was das Wort eines Kowak-Dreckskerls wert ist! Ich habe dich gewarnt. Streck deine Nase halt hoch in die Luft, du Besserwisser. Meine Schuld ist es nicht, wenn du auf die Schnauze fällst. Ich habe dich gewarnt.
„Wie Sie meinen“, sagte Stephan. Er bemühte sich, höflich zu bleiben. Er wollte den Schuppen loswerden. Wenn die Webers blind gegenüber Warnungen waren, war das ihr Pech.

*

Sie waren unterwegs nach Achen. Stephan war guter Dinge. Das Haus war verkauft und sein Konto prall gefüllt.
„Die wollten sich wirklich nichts sagen lassen?“ fragte Monica. „Wollten nicht auf deine Warnung hören?“
„Nein.“ Stephan bog in die schmale Straße ein, die sie durch den Wald nach Achen bringen würde.
„Fährst du durch den Wald?“ Monica schaute sich um. „Das ist doch die Waldstraße.“
„Klar. Da kommen wir heute Nachmittag schneller voran als auf der Überlandstraße. Dort herrscht um diese Tageszeit immer so viel Gedrängel. Wenn man dann noch einen LKW vor sich hat, ist es vorbei mit flotter Fahrt.“ Er ließ den Wagen um eine Kurve sausen.
Monica schaute misstrauisch durch die Windschutzscheibe.
„Ist was?“ fragte Stephan.
„Im Wald gibt es Rehe. Die können einem vors Auto laufen.“
„Hier ist kein Wildwechsel“, meinte er. „Sonst stünde ein Schild an der Straße. Hinter der Brücke steht eins. Dort fahre ich langsamer. Obwohl es um diese Jahreszeit nicht nötig ist. Die Viecher spielen nur zur Paarungszeit verrückt und achten nicht auf die Straße, wenn sie rüberwechseln.“ Er kam auf die Webers zurück: „Denen wollte ich nur helfen. Du glaubst nicht, wie die mich angeschaut haben. Richtig arrogant sind die rüber gekommen. Die sind mir über den Mund gefahren, als sei ich ein dummer, kleiner Schulbub. Ist ja klar! Ein Oberstudienrat. Sollen sie zusehen, wie sie klarkommen. Ich habe es nur gut gemeint.“
„Ich kenne solche Leute“, sagte Monica. „Die fühlen sich als etwas Besseres und lassen es bei jeder Gelegenheit raus hängen. Echt dumm von denen, nicht auf dich zu hören.“
Stephan zuckte die Achseln: „Vielleicht haben sie ja Glück. Zu mir waren die Kowak-Ärsche ja nur gemein, weil ich das Land nicht rausrückte. Die Webers wollen auf alle Fälle verkaufen. Dann stehen sie sich gut mit Boris und Franziska.“
Er schaute Monica von der Seite an: „Wie war es heute Morgen beim Arzt?“
„Er fand nichts“, antwortete sie. „Ich soll zur Sicherheit noch eine Tomografie machen lassen. Nächste Woche ist der Termin. Aber der Doktor glaubt, es sei psychosomatisch. Innere Verspannungen, meinte er. Es hängt vielleicht damit zusammen, dass mir Olivers Tod immer noch nahegeht und ich vielleicht innerlich nicht darüber hinweg gekommen bin, dass ich damals das Kind verloren habe. Er meinte, wenn die Tomo nichts ergibt, sollte ich eine Psychoanalyse in Betracht ziehen. Die Kopfschmerzen haben nämlich ein halbes Jahr nach Olivers Tod angefangen. Vorher hatte ich kaum welche.“
Stephan legte seine Hand auf ihre: „Psychisch ist auch nicht so toll. Aber besser als ein Tumor im Kopf. Gegen psychische Probleme kann man einiges tun. Entspannungsübungen zum Beispiel.“
„Das hat der Arzt auch gesagt“, meinte Monica. „Er hat mir erklärt, dass man sich innerlich verkrampfen kann und das zeitigt die unterschiedlichsten Symptome. Manche Leute fangen an, im Schlaf mit den Zähnen zu knirschen. Andere entwickeln einen Putzfimmel oder sie trauen sich nicht mehr auf Plätze mit vielen Menschen.“
Stephan drückte ihr die Hand: „Es wird schon gut werden, Moni. Glaub mir.“
Sie schaute ihn so liebevoll an, dass ihm ganz anders wurde: „Solange du da bist, Stephan. Ich habe dich immer geliebt. Von Anfang an. Es ist immer noch wie ein Wunder für mich, dass wir zusammen gekommen sind.“
„Für mich auch“, gab er zurück. „Ich dachte immer ...“ Er warf einen schnellen Blick auf sein Bein.
„Wegen deines Hinkens?“ Monica bekam große Augen. „Stephan, das ist mir völlig egal. Es tut mir leid, dass du diese Behinderung hast, aber es hat überhaupt keinen Einfluss auf meine Gefühle dir gegenüber.“
Stephan musste heftig schlucken.
Genau in diesem Moment überfuhren sie die Brücke mitten im Wald. Stephan sah, wo das Geländer erneuert worden war. Hier war Oliver Findeisen mit dem Wagen in die Tiefe gestürzt, und im Schock über die Todesnachricht hatte Monica ihr Baby verloren. Lag hier der Grund für ihre Kopfschmerzen? Hatte sie nicht eben arg misstrauisch getan, als er in die Waldstraße eingebogen war? Er beschloss, für den Rückweg die Landstraße zu benutzen.
Später in Achen schauten sie sich im Gartencenter die Holzhäuser an. Sie ließen sich weitere Prospekte mitgeben.
„Am Wochenende grillen wir“, meinte Stephan. „Wir zeigen die Prospekte mal den Kolbes und Astrid und Matthias. Mal sehen, was die so davon halten.“
„Polly freut sich bestimmt, dass sie Selma wiedersieht.“
Er lächelte sie an: „Ja. Das ist das Schöne an meinem neuen Domizil. Alle freuen sich dort. Ganz im Gegensatz zu meiner alten Bleibe. Ist das nicht viel wert? Auch wenn das Grundstück arg klein geraten ist?“
„Doch“, sagte sie und legte ihre Finger in seine.

15.03.2015 18:36 Stefan Steinmetz ist offline Email an Stefan Steinmetz senden Beiträge von Stefan Steinmetz suchen Nehmen Sie Stefan Steinmetz in Ihre Freundesliste auf
 
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