Registrierung PM-BoxMitgliederliste Administratoren und Moderatoren Suche Häufig gestellte Fragen Zur Startseite  

Stefans Geschichten » Suche » Suchergebnis » Hallo Gast [anmelden|registrieren]
Zeige Themen 1 bis 20 von 278 Treffern Seiten (14): [1] 2 3 nächste » ... letzte »
Autor Beitrag
Thema: Winterkind
Stefan Steinmetz

Antworten: 0
Hits: 298

Winterkind 12.11.2018 10:12 Forum: Winterkind

Nicole, die Tochter von Isabel Wagner lernt Amelia vom Clan kennen. Die beiden werden bei der Kirkeler Burg von einer grausigen Hundekreatur angegriffen. Eine geheime, weltweit operierende Organisation züchtet in unterirdischen Anlagen gentechnisch veränderte Kampfsoldaten, die in naher Zukunft die Weltherrschaft erobern sollen. Sie hat auch dieses schreckliche Kampfgeschöpf erschaffen.
Derweil schleicht Thomas der neue Lebensgefährte von Nicoles Mutter dem Mädchen hinterher. Ständig platzt er ins Bad, wenn Nicole sich zum Duschen auszieht. Doch Nicoles Mutter spielt die Vorfälle herunter und verlangt von ihrer dreizehnjährigen Tochter, sich nicht so anzustellen. Als Nicole mit Thomas allein zu Hause ist, kommt es zum Eklat.
Als dann Nicole und Amelia Freundinnen werden und Nicole herausfindet, dass Amelia ein Clanmädchen ist, geraten sie in die Fänge der geheimen Organisation. Denn Nicoles Eltern gehören zu den Leuten, die für diese Organisation arbeiten.

Taschenbuch:
16,42Euro
491 Seiten

https://www.amazon.de/dp/1731171560/ref=...tefan+steinmetz

Kindle-Version:
3,99Euro

https://www.amazon.de/Winterkind-3-Buch-...tefan+steinmetz

Thema: Das Lehm
Stefan Steinmetz

Antworten: 0
Hits: 348

Das Lehm 03.08.2018 13:03 Forum: Das Lehm

Der vierzehnjährige Themas lebt im Lehm, einem kreisrunden Gebiet von fünfzig Kilometern Durchmessern. Die Menschen im Lehm führen ein einfaches und gutes Leben als Bauern und Viehzüchter. Das Leben im Lehm könnte schön sein, aber das Lehm ist ein riesiger, lebendiger Organismus. Er tut den Bewohnern nicht nur Gutes, er verlangt auch regelmäßige Opfer. Alle Zweitgeborenen von Zwillingspärchen werden dem Lehm im Kindesalter geopfert. Themas will das nicht länger hinnehmen. Er plant, mit seinem Zwillingsbruder die Flucht. Sein Onkel und seine Tante sind ein Jahr zuvor entkommen und Themas will ebenfalls fliehen. Doch das ist nicht einfach. Das Lehm lässt niemanden gehen.

Taschenbuch bei Amazon: https://www.amazon.de/Das-Lehm-Stefan-St...inmetz+Das+Lehm
10,70 Euro

Kindle-Datei: https://www.amazon.de/dp/B07G5CCKJF/ref=...inmetz+Das+Lehm
2,99 Euro


Karte des Lehms:

[IMG]Lehmkarte2 by Stefan Steinmetz, auf Flickr[/IMG]

Thema: Stargirl Leonie(10)
Stefan Steinmetz

Antworten: 2
Hits: 316

25.05.2018 12:18 Forum: Stargirl Leonie

Hallo "Riesenvogel" Augenzwinkern
Ist für die Überarbeitung notiert. Schaun mer mal ...

Thema: Stargirl Leonie(11)
Stefan Steinmetz

Antworten: 0
Hits: 198

Stargirl Leonie(11) 25.05.2018 12:17 Forum: Stargirl Leonie

Als die Schule aus war, hängte sich eine ganze Traube Mädchen an Leonie.
Was soll das?, dachte sie. Ich habe gesagt, heute kommt Jan nicht.
„Was ist los, Leute?“, fragte sie. „Ich habe doch gesagt, heute holt er mich nicht ab. Er hat zu tun. Erst morgen.“
Sie ließen sich nicht beirren und verfolgten sie hartnäckig über den Schulhof bis zur Straße. Erst als Leonie abbog und sich in Richtung Zuhause aufmachte, zerstreuten sich die Verfolgerinnen.

*

Der Tag verging. Die Pressekonferenz war anstrengend, die Werbeaufnahmen langweilig. Sie mussten immer wieder die gleichen Szenen vor laufender Kamera spielen. Irgendwann hatte es ein Ende.
Zurück im Studio hörten sie sich noch einmal sämtliche Stücke an, die auf die neue CD sollten.
„Siebenundvierzig Minuten“, sagte Rollie. „Bisschen kurz, was? Ein oder zwei Titel sollten wir auf alle Fälle noch aufnehmen. Vielleicht sogar drei.“
Jannik holte seine Gitarre und schloss sie an. Er trat ans Mikro: „Hört euch das mal an!“
Er spielte ein paar schnelle Riffs und begann zu singen. Er sang von einem Jungen, der Gravy statt Davy genannt wurde, weil der Standesbeamte seinen Vater nicht richtig verstanden hatte, als der den Namen des Neugeborenen nannte; das Ganze nach Art einer Polka mit Beat-Elementen.
„Ich bin noch nicht damit fertig“, sagte Jannik, als er das Lied beendet hatte. „Am Text hapert es, da muss ich nochmal ran und der Sound ist auch nicht so dolle.“
„Akkordeon muss da rein“, fand Max. „Wenn schon Rumtata-Musik, dann aber richtig. Oompah-Music braucht eine Quetsche.“
„Davy-Gravy“, näselte Florian den Refrain nach. „Mann, wie kommt man auf die Idee, über jemanden zu singen, der Bratensoße heißt?“
„Ist uns bei Luigi eingefallen“, antwortete Jannik. „Als wir Eis essen waren, saß eine Familie in der Nähe unseres Tisches und die Kinder haben darüber gesprochen. Einer der Kleinen machte sich darüber lustig, dass eine Frau Dawn, also Morgendämmerung, hieß. Dann könne er seinen Sohn genauso gut Bratensoße nennen, meinte der Racker. Wir haben mit Mühe und Not ein lautes Lachen unterdrückt. Leonie meinte, daraus könnte man ein Lied machen.“
„Ah“, machte Timo. „Leonie meinte.“ Er feixte. „Triffst du sie heute wieder?“
„Viel zu spät“, sagte Jannik. „Morgen Mittag hole ich sie von der Schule ab.“
„Ziemlich jung, die Kleine“, sagte Florian. „Gerade mal fünfzehn. Also ich sehe immer zu, dass sie mindestens sechzehn sind. Weil man sonst Ärger kriegen könnte, wenn man mit den Häschen ins Bett hüpft.“ Er nahm Jannik aufs Korn: „Du scheinst ein Faible für die ganz jungen zu haben, Nik. Vor einem halben Jahr, die Blondine, die war auch erst fünfzehn, nicht wahr?“
„Die war vierzehn!“, berichtigte Timo. „Gerade erst geworden.“
„Mit der hatte ich nichts“, sagte Jannik. „Das war die Tochter von diesem hohen Tier von Sony Music. Ich habe ihr das Studio gezeigt und sie dann mit zum Shoppen genommen. Sie hat sich in der City Klamotten gekauft. Ich war bloß der Aufpasser. Ihr Papi wollte es so.“
„Ah ja“, sagte Florian. Mehr nicht.
Rolf Geiger kam ins Studio: „Kinders, ich habe eine wundervolle Überraschung für euch. Gleich kommt ein Reporterteam vom Stern. Die wollen euch interviewen.“
Florian verdrehte die Augen: „Noch eine Presseveranstaltung? Mann! Ich dachte, für heute wäre es gut.“
Rollie grinste ihn an: „Die Arbeit reißt nicht ab. So ist das im Showgeschäft. Freut euch! Ihr habt es in den Stern geschafft. Seid liebe Jungs und gebt brav Antworten.“
„Ja, euer Geigerzählerheit“, brummte Florian.

*

Als Leonie nach dem Abendessen ins Internet ging, fand sie eine Email von Jan in ihrem Postfach.
„Hi Leonie“, schrieb er ihr. „Ich habe angefangen, den Bratensoßensong zu machen. Im Anhang findest du den Song in der Rohfassung. Max hat gesagt, es muss unbedingt Akkordeonmusik dazu, weil es ein Oompah-Song ist, also Rumtata-Musik, ein bisschen wie Polka. Am Text muss ich auch noch feilen. Da siehst du mal, wie ein Song entsteht. Es ist nicht so, dass ich mich hinstelle und gleich loslegen kann. Man muss an einem Stück arbeiten, bis es wirklich gut klingt.
Ich freue mich auf morgen. Ich freue mich auf dich.
Gruß und Küsschen
Jan.“
„Küsschen“, flüsterte Leonie. Sie schaute zum Poster der Peoples auf. Sie sah Jans zurückhaltendes Lächeln. „Küsschen!“
Sie lud die Mail herunter und den angehängten Song gleich mit. Während sie das Lied auf dem Computer abspielte, las sie den Text dazu.
„Puh! Nicht gut“, meinte sie. Sie nahm ein leeres Blatt Papier und begann zu schreiben. Sie besserte Jans grammatikalische Fehler aus und glättete den Text ein wenig, damit die Zeilen besser in den Song passten. Sie tippte den geänderten Text in eine Antwort-Mail und schickte sie Jan zurück.
„Du bist mir hoffentlich nicht böse, weil ich an deinen Lyrics herumgepfuscht habe“, schrieb sie zum Schluss.
Eine halbe Stunde, bevor sie zu Bett ging, kam eine neue Mail von Jan.
„Böse?“, schrieb er. „Mann, Leonie! Du bist ein Naturtalent! Jetzt passt der Text viel besser zu Melodie. Du bist echt gut in Englisch. Ich wette, du hast du in der Schule immer eine Eins.“
Leonie musste grinsen. Jan wusste nicht, dass sie zweisprachig aufgewachsen war.

*

Am nächsten Tag nach der Schule war die Traube, die Leonie folgte, kleiner.
Sie denken, es war ein einmaliges Vorkommnis, überlegte sie. Die glauben nicht, dass Jan mich noch einmal abholt.
Sie wunderte sich. Ging das so schnell? Ließ man jemanden oder etwas dermaßen fix fallen? Ein wenig komisch war das schon, fand sie. Aber es hatte den Vorteil, dass nur ein Dutzend Mädchen um sie herumstanden, statt die fünffache Menge, wie am Tag zuvor.
Es war ihr sowieso nicht wichtig. Sie wollte nicht von Jannik Faber abgeholt werden, um vor ihren Schulkameradinnen anzugeben. Sie wollte mit Jan zusammen sein. Sie hatte den ganzen Morgen an den Jungen gedacht. Es war ihr schwergefallen, sich auf den Unterricht zu konzentrieren.
Jemand trat neben sie. Es war Pia Jeblick aus der Parallelklasse: „Was macht ihr denn heute so? Geht ihr wieder Eis essen?“
Leonie zuckte die Achseln: „Weiß nicht. Vielleicht. Wir fahren einfach drauflos.“ Das war glatt gelogen, aber sie konnte unmöglich laut sagen, wo sie und Jan hin wollten. Die Mädchen wären ihnen gefolgt. Schlimmer noch: Sie hätten die Presse informieren können, nach dem Motto: Nehmt mich mit in eurem Auto und ich verrate euch, wo Nik mit seiner neuen Flamme ist. Nein danke! Sie wollte mit Jan allein sein.
„Wann kommt er denn nun?“ Das war Sophie Schubert. Klar, dass die dabei sein musste! Sie schaute demonstrativ auf ihre Armbanduhr. „Bissy spät, oder?“ Sie grinste. Leonie gefiel das Grinsen nicht. „Letztes Mal war er früher da. Nik hat wohl keine Zeit für dich, Leonie? Was meinst du?“
„Er ist keine Eisenbahn“, gab Leonie zurück. „Er kann nicht auf die Minute pünktlich vorfahren. Auf den Straßen herrscht dichter Verkehr.“ Im gleichen Moment, als sie die Sätze aussprach, ärgerte sie sich über sich selbst. Warum sich vor dieser eingebildeten Pute verteidigen? Sophie Schubert konnte ihr den Buckel runterrutschen. Es ging sie nichts an, wann Jan kam.
Sophie schaute nach links und rechts die leere Straße entlang. „Aaah jjja … wirklich! Voll der dichte Verkehr. Sieht man!“ Jetzt war ihr Grinsend hämisch. Und herausfordernd.
Leonie ging nicht darauf ein.
Du weißt genau, dass er von Saarbrücken kommt und dort ist der Verkehr sehr wohl dicht.
Laut sagte sie nichts. Noch einmal würde sie der dämlichen Sophie nicht auf den Leim gehen. Sollte sie lästern!
Nur, dass das alles andere als leicht zu ertragen war. Jan kam nicht und allmählich machte sich ein komisches kleines Gefühl in Leonies Magen breit. Was, wenn die blöde Sophie recht hatte? Wann er keine Zeit für sie hatte, sprich: keine Lust, sich mit ihr zu treffen? Jannik Faber war ein Star. Was juckte den schon ein junges Mädchen? Davon hatte er zehn an jedem Finger.
Sophie hielt die Hand über die Augen, obwohl es bewölkt war. Sie schaute angestrengt die Straße entlang. „Herrjeh! Ich schaue und schaue, aber ich sehe nichts.“
Vielleicht bist du über Nacht erblindet, dachte Leonie. Sie war wütend und verunsichert. Musste die Stänkerkuh unbedingt hier herumlungern und ihre ätzenden Sprüche loslassen? Die war doch nur neidisch.
Sophie gab dem Mädchen neben ihr einen kleinen Schubs: „Was meinst du, Finja? Könnte es sein, dass Nik keine Zeit hat und nicht kommen kann?“
Finja schürzte die Lippen: „Wenn du mich fragst: Sieht beinahe so aus. Wie es scheint, hat Nik keine Lust, Leonie abzuholen. Sicher hat er anderes zu tun, als mit Leonie Ammon auszugehen.“
„Das sehe ich auch so“, sprach Sophie. Ihre Stimme war laut und getragen wie die eines Priesters während der Messe. „Nik kann nicht kommen, weil er zu tun hat.“
„Ich würde es anders formulieren, Sophie.“ Finjas Grinsen glich sich dem von Sophie an. „Nik hat keinen Bock, zu kommen.“
Sophie machte große Augen. „Meinst du?“, fragte sie in gespieltem Bedauern. „Och nee! Das wäre ja wohl dann sehr unangenehm, nicht wahr?“ Sie warf Leonie einen Seitenblick zu. „Für Leonie.“
Leonie schwieg verbissen. Sie war empört. Was hatten die zwei Hühner hier herumzustänkern?! Es war ekelhaft. Es war widerlich. Sie hasste es. Leider wusste sie nicht, was sie dagegen tun konnte. Sie fühlte sich hilflos und ausgeliefert. Es war mehr als unangenehm.
Nächstes Mal verabrede ich mich mit Jan woanders, nahm sie sich vor. Sie seufzte innerlich. Falls es denn ein nächstes Mal geben wird.
Einige der Mädchen verdünnisierten sich. Es war offensichtlich, dass Jannik Faber Leonie versetzte. Immer mehr Girls traten den Rückzug an.
„Autogramm ist eh keins drin“, sagte Nina Anschütz, die in der Klasse zwei Reihen vor Leonie saß. Sie hakte sich bei ihrer Freundin Julia Adams unter: „Komm, ziehen wir Leine, Julchen. Hier ist für uns nichts zu holen.“ Die beiden zogen ab. Weitere folgten.
Zum Schluss standen nur Sophie Schubert und Finja Didion auf dem Bürgersteig. Und Pia Jeblick, die sich ein Stück weit von den beiden Meckerziegen aufgestellt hatte. Sie hielt ihr Handy bereit, um Fotos zu schießen.
Leonie tat ganz unbeteiligt. Sie wollte Sophie Schubert den Triumph nicht gönnen, sie dauernd auf die Uhr schauen zu sehen.
Es nützte nichts.
„Warum schaust du nicht mal auf deine Armbanduhr?“, fragte Sophie. „Jetzt ist er nämlich echt über die Zeit, Leonie. Schau mal die Straße runter! Siehst du ihn? Ich nicht.“ Sie stubste Finja an: „Du vielleicht, Finja?“
Finja schaute die Straße hoch und runter. „Ich sehe nichts. Wirklich nicht. Ach, zu dumm! Er kommt wohl wirklich nicht, was meinst du Leonie?“
Leonie gab keine Antwort.
Sophie wedelte mit der Hand: „He, Leonie! Finja hat dich etwas gefragt!“
Pia ging zu Leonie. „Könntet ihr mal den Rand halten?“, fuhr sie die zwei Stänkerziegen an. „Was geht es euch an, wann Leonies Freund kommt?!“
Sophie nahm Pia aufs Korn: „Bist du jetzt neuerdings Leonies Anwältin, Pia? Was spielst du dich so auf? Was geht es dich an, wenn wir Leonie etwas fragen? Man wird doch wohl noch fragen dürfen!“
Pia stellte sich neben Leonie: „Hör nicht auf die beiden! Die wollen nur stänkern. Reagier einfach nicht auf sie!“
Tue ich nicht, dachte Leonie. Doch innerlich kochte sie vor Wut. Sie war dankbar für Pias Unterstützung.
Sophie stimmte einen leisen Singsang an: „Nik, oh mein Nik. Wann kommst duuuu?“ Sie und Finja grinsten gemein.
„Sie stand da und litt“, sang Sophie. „Doch er verpasste ihr einen Tritt.“
„Oh aueraaa! Oh Schmerz!“, jodelte Finja.
„Da brach ihr glatt das Herz“, sang Sophie.
Etwas kam die Straße herunter. Sie hörten das basstiefe Singen des großen Sechszylinders. Sophies und Finjas Gesang erstarb mitten im Satz.
Leonie fühlte Erleichterung. Er kam. Jan kam. Gott sei Dank.
Pia legte ihr einen Arm um die Schultern: „Siehst du, da kommt er. Es war bestimmt viel Verkehr in Saarbrücken.“
„Ja, bestimmt“, gab Leonie zurück. Sie warf einen Blick zur Seite. Dort standen Sophie und Finja. Die beiden wussten anscheinend nicht, ob sie überrascht oder wütend sein sollten. Sie glotzten dämlich aus der Wäsche.
Geschieht euch recht, dachte Leonie. Wenn ihr ein Autogramm von Jan wollt, werde ich ihm sagen, er soll euch keins geben, ihr gemeinen Mistbienen!
Der dunkelgrüne Morgan hielt vor ihr an. Sein Motor erstarb. Jannik Faber stieg aus. Wieder umrundete er in aller Seelenruhe die lange Motorhaube, um zu ihr zu kommen. Pia nahm den Arm weg. Mit großen Augen schaute sie Jannik Faber entgegen.
Jan blieb vor Leonie stehen: „Hi, Leonie.“ Er fasste sie bei den Ellbogen und küsste sie auf den Mund. „Schön, dich zu sehen. Ich habe mich verspätet. Rollie ließ mich nicht weg. Da waren noch ein paar Pressefritzen die unbedingt Fotos machen wollten.“ Er rollte mit den Augen: „Als ob es nicht genug Fotos von mir gäbe. Und dann dieser Verkehr in Saarbrücken! Mann! Echt die Seuche!“
„Macht nichts“, sagte Leonie. Ihr war schwummerig - vor Erleichterung und von seinem Kuss. Von dem Kuss hatte sie auch weiche Knie bekommen. „Ich dachte mir schon, dass du schlecht aus Saarbrücken rausgekommen bist.“
Er umarmte sie und gab sie wieder frei: „Nächstes Mal fahre ich früher los.“ Sein Lächeln ließ ihr Herz schlagen.
Er wollte eine Geste in Richtung Sophie und Finja machen, ihnen vielleicht winken oder sie grüßen.
Nein! Leonie schaute Jan intensiv an. Sie sprach mit den Augen. Die beiden Hühner nicht! Die waren böse zu mir! Nur Pia ist lieb! Sie versuchte all ihr Gefühl in die mit den Augen gesendete Botschaft zu legen.
Er versteht mich nicht, dachte sie. Jungen können das nicht. Jungen können Mädchen nichts von den Augen ablesen. Mama hat es mir erklärt. Sie …
Jan küsste sie erneut. Dann lächelte er Pia an: „He, bist du nicht Pia? Wir kennen uns doch.“ Er reichte Pia die Hand. Die fiel beinahe in Ohnmacht.
„Ha-Hallo“, brachte sie hervor. Sie hielt ihr Handy hoch.
Jan lächelte sie an: „Foto?“ Er schaute auf die Uhr: „Wir sind spät dran, Pia. Wir müssen sofort los, Leonie und ich.“ Er blickte Leonie an und zwinkerte unmerklich. „Weißt du was, Pia? Komm mit. Wir fahren dich nach Hause. Unterwegs kannst du deine Fotos schießen. Solch eine kurze Strecke kann ich es wagen. Ihr beiden Mädels seid ja rank und schlank.“ Er lachte. „Los, ab, ins Auto!“ Er öffnete die Beifahrertür: „Du zuerst Leonie! Ich will dich neben mir haben. Rück in die Mitte, dann passt Pia neben dich. Schnallt euch an! Wenn ein Foto im Internet auftaucht, auf dem jemand neben mir im Auto sitzt und nicht angeschnallt ist, reißt mir mein Manager den Kopf ab. Den brauche ich aber noch. Ohne Kopf singt es sich so schlecht.“ Er lachte.
Leonie stieg ein, gefolgt von Pia, die aussah, als habe sie gerade den lieben Gott persönlich getroffen. Jan schloss die Tür. Er lief zur anderen Seite und stieg ein. Er reichte Pia einen Selfiestick: „Hier bitte. Für deine Fotoaufnahmen.“
Während Pia ihr Handy am Stick montierte, ließ Jan den Motor an. Dann legte er den rechten Arm um Leonies Schultern. „Du musst schalten, Leonie. Zu dritt ist es zu eng im Cockpit. Ich komm nicht an die Schaltung ran. Erster Gang bitte!“
Leonie legte den Gang ein.
„Besten Dank“, sagte Jan. „Auf geht’s!“ Er ließ den Morgan flott anrollen. Mit grollendem Motor fuhren sie davon. Im Augenwinkel sah Leonie Sophie und Finja am Bordstein stehen und dumm aus der Wäsche gucken. Die zwei waren so überrumpelt, dass sie nicht daran gedacht hatten, ihre Handys zu zücken, um Fotos zu schießen.
Geschieht euch recht!, dachte Leonie, während sie den zweiten Gang einlegte.

Thema: Stargirl Leonie(10)
Stefan Steinmetz

Antworten: 2
Hits: 316

Stargirl Leonie(10) 20.05.2018 18:20 Forum: Stargirl Leonie

Der Schultag verging beinahe wie jeder andere auch. Aber in den Pausen wurde Leonie belagert. Die Mädchen wollten jedes Detail ihres Treffens mit Jannik Faber hören. Leonie tat ihnen den Gefallen, aber sie fand es anstrengend. Die Adresse der Eisdiele rückte sie nicht raus. Falls Jan sie noch einmal mit zu Luigi nehmen würde, wollte sie keinen Pulk von Fans um sich herum haben.
Das Leben als Star ist nicht leicht, dachte sie während der letzten Stunde. Wenn die schon so an mir dran hängen, wie muss es Jan und seinen Freunden erst ergehen? Nicht nur die Presse, auch die vielen Fans. Sie sind überall. Muss kompliziert sein.
Der Gedanke, dass sie jederzeit mit Fans und Presseleuten rechnen musste, wenn sie noch einmal mit Jan etwas unternahm, gefiel ihr nicht. Aber sie musste es wohl hinnehmen. Das war der Preis für ein weiteres Treffen mit Jan. Mit ihrem Schwarm.
Leonie schwärmte für Jannik Faber, seit sie die Peoples kannte. Er war so anders als Jungs in seinem Alter. Er war ernst und in sich gekehrt. Er wirkte so viel erwachsener als seine Bandkollegen. Und er war derjenige, der die Peoples am Laufen hielt. Es war Jan, der die Songs schrieb und mit der Band einübte, das wusste sie aus den Berichten. Jedes Lied der Peoples ging auf Jans Konto. Maximilian Krage half beim Arrangieren und er brachte zusätzliche Instrumente mit ein. Im Studio tauchte er oft mit allen möglichen Sachen auf. Es schien nichts zu geben, was Max nicht spielen konnte. Er spielte Saxophon und Trompete, Posaune und Klarinette. Er war perfekt am Piano und er spielte Akkordeon und alle mögliche Saiteninstrumente wie Gitarre, Banjo und sogar Geige.
Daneben konnte er Mundharmonika ebenso gut spielen wie verschiedene Flöten und er besaß sogar einen Dudelsack. Seit einem Jahr spielte er Lithophon. Dazu waren Steine verschiedener Größen wie ein großes Xylophon aufgebaut und er schlug mit hölzernen oder metallenen Hämmerchen darauf ein, was unglaubliche Tonfolgen hervor brachte. Die Studioversionen der Peoples-Songs enthielten jede Menge Tonspuren mit teils exotischen Musikinstrumenten im Hintergrund, alle von Maximilian gespielt. Aber die Drums waren sein Ding. Die spielte er am liebsten.
Jan spielte Gitarre und Banjo und Mundharmonika und er sang fantastisch.
Florian Bennett spielte Gitarre und Timo Neumann Bass. Sie beherrschten ihre Instrumente virtuos. Beide sangen fast nur Background und im peoplestypischen Dreigesang. Auf jeder CD gab es je ein Lied, das entweder von Timo oder Florian solo gesungen wurde. Die beiden hatten nicht die perfekte Solostimme wie Jan.
Aber sie waren die beiden Sonnyboys der Band, diejenigen, die immer gut drauf waren und die nichts anbrennen ließen. Man sah Florian und Timo fast immer in Begleitung von Mädchen.
Jannik nie. Leonie konnte sich nicht erinnern, Fotos gesehen zu haben, auf denen er mit Mädchen zusammen abgebildet war. Jan war Single. Vielleicht waren die Mädchen gerade deshalb hinter ihm her.
Max war in festen Händen. Er hatte seit Jahren eine feste Freundin. Was die Fans nicht davon abhielt, ihn anzuhimmeln.
Aber Jan war allein. Immer schon. Leonie musste daran denken, wie die zwei Enkelinnen von Luigi darüber gesprochen hatten, dass Jannik noch nie ein Mädchen mit in die Eisdiele gebracht hatte. Und hatte Elvira nicht etwas ähnliches das Aufnahmestudio betreffend gesagt?
Aber mich hat er mitgebracht, dachte sie. Mich! Und er will mich wiedersehen.
Immer, wenn sie daran dachte, fiel es ihr schwer, es zu glauben. Alles kam ihr wie ein seltsamer Traum vor. Ausgerechnet sie, die kleine unscheinbare Leonie Ammon! Sie hatte er mitgenommen! Spontan. Einfach so. Jannik Faber, der sonst nicht mit Fanmädchen herumzog.

*

Jannik stellte Beule an einem versteckten Platz ab. Sie hatten mehrere davon, Rollie sei Dank. Mochten Timo und Florian über Rolf Geigers angebliche Kontrollsucht maulen, Rollie machte seinen Job gut. Er schirmte die Peoples von den Fans und der Presse ab, wo es möglich war und kanalisierte das öffentliche Interesse.
Lästig war es trotzdem. Jannik dachte daran, dass er sein Auto das letzte Mal vor zwei Jahren einfach so am Straßenrand hatte parken können. Das war lange her.
Anfangs war es irgendwie cool gewesen, wenn plötzlich überall Fans zusammenliefen und einen um ein Autogramm und ein Foto baten. Es fühlte sich toll an, berühmt zu sein. Jannik spielte gerne in der Band. Es war immer eine Schau, auf den Volksfesten in der Saarpfalz-Gegend aufzutreten und mehr und mehr Fans zu haben, mit jedem Konzert bekannter zu werden und - das musste er zugeben - mehr Geld fürs Spielen zu bekommen.
Als Rollie das Management der Peoples übernahm und sie ganz nach oben brachte, war das schön gewesen, die Erfüllung all ihrer Träume. Es war wie ein Rausch, eine ganze Halle von Menschen zu bespielen, die voll mitgingen. Doch mit der Berühmtheit waren die Einschränkungen gekommen. Wo Jannik ging und stand, war er von Fans umlagert. Es ließ sich kaum vermeiden. In Saarbrücken zeigte er sich kaum noch öffentlich, außer er wollte dass man ihn fotografierte und um Autogramme bat.
Öffentlichkeitsarbeit nannte Rollie das. „Leute, hebt nicht ab“, sagte er immer wieder. „Bleibt auf dem Teppich! Benehmt euch wie ganz normale junge Männer. Und zeigt euch! Die Fans wollen euch sehen. Sie wollen euch nahe sein. Also lasst sie. Drückt euch nicht vor Autogrammen und Fotos. Jedes Autogramm, das ihr gebt, macht die Peoples bekannter und jedes Fotos, das gemacht wird, verkauft noch mehr Konzertkarten und CDs.
Der gute alte Rollie. Er hatte die Peoples zusammengeschweißt und auf Richtung gebracht. Vorher waren sie auf Volksfesten herumgetingelt und hatten viele Coverversionen gespielt. Nachdem Rolf Geiger ihr Manager geworden war, war damit Schluss. Es war Rollie gewesen, der den typischen Dreigesang der Peoples angeregt hatte und von ihnen gefordert hatte, selbst zu komponieren.
„Die Peoples müssen was Eigenes darstellen“, hatte er verlangt. „Spielt eure eigene Musik! Nachahmen kann jeder. Selbst komponieren und arrangieren können nur die wirklich Guten. Ihr wollt doch gut sein, oder?“
Ja, das wollten sie. Also hatte Jannik in jeder freien Minute Songs geschrieben und mit der Band eingeübt. Er hatte den anstrengendsten Job im Quartett. Unterstützt wurde er nur von Maximilian, der ihm bei den Arrangements zur Seite stand und bei vielen Songs zusätzliche Instrumente mit einbrachte. Timo und Florian waren gut am Bass und an der Gitarre, aber sie konnten nur spielen. Komponieren und Texten war ihre Sache nicht. Sie ließen sich durch die Tage treiben und genossen das neue Leben in Berühmtheit und Reichtum in vollen Zügen. Keiner der beiden hatte je auch nur eine einzige Textzeile geschrieben.
Auf den CDs stand unter den einzelnen Titeln fast immer Faber, gelegentlich Faber/Krage. Neumann oder Bennett tauchten nicht auf.
Aber motzen, wenn ich mehr Geld einnehme, dachte Jannik, als er das Studio durch einen Seiteneingang betrat. Er bekam natürlich mehr Kohle aufs Konto, weil er zusätzlich zu den Einnahmen der Band noch Tantiemen für die von ihm komponierten Songs erhielt. Schreibt doch selbst mal was!
Taten die beiden nicht. Das überließen sie ihm. Das war von Anfang an so gewesen, als er und Max die Band gründeten. Florian und Timo erfanden keine Songs. Sie spielten nur nach, was man ihnen beibrachte. Aber sie genossen ihr Leben als Stars.
Jannik nicht. Nicht mehr. Inzwischen hatte er genug davon. Immer öfter träumte er davon, sich zurückzuziehen und im Verborgenen zu leben. Er wollte nicht ewig auf der Bühne stehen. Es belastete ihn mehr und mehr.
Sie himmeln mich doch nur des Aussehens wegen an und wegen des Peoples-Images, dachte er, als er auf die Toilette ging und sich danach vorm Spiegel überm Handwaschbecken die Haare kämmte. Es ist wie mit allen Boygroups. Es ist das Image, das die Fans anhimmeln, ein künstliches Idol. Mich kennt doch niemand wirklich. Wie denn auch?
Der Gedanke, in zehn Jahren noch immer auf der Bühne herumzuhopsen, erfüllte ihn mit eisigem Entsetzen. Er wollte so schnell wie möglich genug Geld verdienen, um auszusteigen. Der Vertrag mit Rolf Geiger lief drei Jahre.
Ein Jahr noch, überlegte Jannik. Bis dahin werde ich mehr als genug Geld zusammen haben. Ich bin ja längst Multimillionär. Ich bekomme zusätzlich auch weiterhin Tantiemen als Komponist, wenn ein Song von uns im Radio gespielt wird oder eine CD verkauft wird. Viel länger als drei Jahre hält der Hype um eine Boygroup eh nicht an. Rollie weiß das. Der ist ein alter Hase im Showgeschäft. Drum hat er den Vertrag so kurz gehalten.
Für Jannik stand heute schon fest, dass er keine Verlängerung unterschreiben würde. Das sagte er allerdings nicht laut. Das behielt er für sich.
Im Aufnahmestudio herrsche Betrieb wie auf dem Jahrmarkt. Jannik verkniff sich, mit den Augen zu rollen.
Sind die schon da? Rollie sagte, erst nach den Aufnahmen. Mann!
Sie waren im Rudel angetreten. Journalisten und Fotografen von FACTORY, POPJUGEND und natürlich HALLO. Florian und Timo waren mittendrin. Die beiden genossen den Trubel. Maximilian saß am Schlagzeug und redete mit einer Reporterin von FACTORY. Sie machte sich eifrig Notizen.
Als Jannik eintrat, fielen sie über ihn her. Mikrofone und Objektive starrten ihn an wie eine Wand von Speeren.
„Wo ist das Mädchen von gestern?“, lautete die erste Frage.
Jannik blieb ruhig. „Habt ihr es nicht knallen gehört?“, fragte er höflich. „Sie ist geplatzt.“ Die Meute lachte pflichtschuldig.
„Witzig, Nik. So kennen wir dich“, sagte der Mann von POPJUGEND. „Aber mal im Ernst: Wo ist sie? Schon wieder raus aus deinem Radar? Eine Eintagsfliege?“
„Sie ist gestern fünfzehn geworden, Leute, das habt ihr doch mitbekommen, oder?“ Jannik schaute sie der Reihe nach an. „Sagt mal, kennt ihr die Gesetze unserer Republik nicht? Bei uns herrscht Schulpflicht bis achtzehn! Wo soll sie sein? In der Schule natürlich. Im Jugend-KZ! War ich auch mal. Entsetzlich! Die bislang schrecklichste Erfahrung meines Lebens.“
Florian kam von der Seite und legte ihm einen Arm um die Schulter. Er grinste ihn an: „Wir haben nix verraten, Nik. Haben eisern geschwiegen, als sie uns wegen deiner neuen Puppe auszuquetschen versuchten.“ Er tat, als zöge er einen Reißverschluss über seinen Lippen zu: „Kein Wort kam aus unseren Mündern. Sie sollten dumm sterben!“ Er lachte.
Jannik musste tief durchatmen. Nicht schon wieder! Florian hatte was eingeworfen. Himmel! Schon am frühen Morgen! Es wurde allmählich unangenehm.
Du solltest das bleiben lassen, Flori! Drogen sind wie eine Reise. Wer zu oft auf die Reise geht, der kommt eines schönen Tages nicht mehr zurück. Wo hast du das Dreckzeugs bloß her? Reicht dir der Alk nicht mehr?
Er feixte in Richtung der Presse: „Das nennt man Freunde! Sie geben nichts preis. Gut so.“ Er tat, als wolle er Florian küssen. „Mein lieber guter Bennetto. Bekämpfer der Windmühlen und Beschweiger der Reporter.“ Er machte sich von Florian los: „Wir haben zu tun, Leute. Das dritte Stück auf der CD soll neu eingespielt werden. Fehler in der zweiten Gitarrenspur und die Drums stimmen nicht hundertprozentig, meint Rollie.“
„Meint die Technik“, kam es von Rolf. Der Manager saß mit Elvira an einem kleinen Tischchen und spielte Dame mit der Putzfrau. „Außerdem hat Max vorgeschlagen, die Flöte rauszunehmen und stattdessen ein Mundharmonika-Solo einzubauen. Das kannst du übernehmen, Nik.“
Jannik zuckte die Achseln. „Von mir aus. Wir können ja mal probieren.“
Die folgende Dreiviertelstunde verging mit mehreren Aufnahmen des gleichen Musiktitels, bis die Aufnahmetechnik zufrieden war. Dann fügte Jannik per Dubbing ein Solo auf der Mundharmonika ein.
„Klingt dämlich!“, lautete sein vernichtendes Urteil, als sie sich den Song über die Soundanlage anhörten. „Das passt kein bisschen! Nein, das bleibt nicht so!“
„Im zweiten Teil des Solos könntest du Bendings reinbringen“, schlug Maximilian vor. „Oder fang gleich in der zweiten Position an.“
Jannik hielt seine Mundharmonika hoch: „Mit der schon mal gar nicht. Die ist in C. Wenn ich cross spiele, spiel ich in G. Passt genauso wenig. Die zweite Gitarre startet in E-Dur. Wenn, dann muss Florian die Akkorde anders greifen.“ Er kratzte sich am Kopf: „Timo? Das musst du dann auch am Bass ausgleichen. Kriegst du das hin?“
„Kann meine Oma stricken?“, antwortete der Bassist grinsend. „Klar, kann ich das.“
„Dann mal los!“, verlangte Jannik. „Das Ganze von vorne. Florian? Diesmal in G, ja?“
Florian deutete eine Verbeugung an: „Ganz wie Ihr wünscht, Euer Durchlaucht. In G also.“ Er stellte sich hinters Mikrofon und griff den entsprechenden Akkord am Griffbrett seiner Elektrogitarre: „Kann losgehen.“
Es ging los. Beim Abhören war Jannik nicht zufrieden. „Jetzt stimmt meine Spur nicht mehr. Herrgott! Technik? Zurück! Alles aus! Nur die erste Gitarre neu aufnehmen.“ Er spielte seinen Gitarrenpart neu. Anschließend lief die Musik wieder durch und Jannik spielte das Mundharmonika-Solo.
„Etwas besser“, fand er beim Abhören des Titels. „Aber da fehlt immer noch was! Leute, nochmal! Timo? Spiel die Bassline etwas schneller. Ein paar Griffwechsel mehr! Florian? Hinter dem zweiten G will ich ein D-Moll! Auch zu Beginn der zweiten Zeile im Refrain! Ich unterlege dich an der Gitarre mit einem zusätzlichen Cord. Dann klingt es, wie es soll.“
Wieder spielten sie den Titel. Jannik hörte sich alles an und verlangte Änderungen. Wie ein Diktator lenkte er die Band. Erst beim fünften Einspielen war er zufrieden.
„Das kommt so auf die CD“, erklärte er der Technik. „Speichert das als Master!“
Florian ließ sich auf die Knie fallen. Er hob die Arme gen Himmel und begann lauthals zu deklamieren: „Gott in der Höhe sei Dank! Endlich ist er zufrieden! Ich dachte schon, ich muss bis Mitternacht immer die gleichen Akkorde spielen. Meine Finger fangen gleich an zu bluten. Oh Herr, wir sind nur kleine Kinder. Erlöse uns von diesem Schinder. Amen.“
Sie legten die Instrumente beiseite und gaben den Presseleuten Interviews. Elvira hatte Rollie inzwischen beim Damespiel geschlagen und servierte allen frisch gebrühten Kaffee.
Der Reporter der HALLO schaute auf die Armbanduhr: „Bald Mittag. Nik, holst du die Kleine von gestern nachher wieder an der Schule ab?“
„Keine Zeit“, antwortete Jannik. Er verscheuchte Elvira, der ihm Zucker in den Kaffee tun wollte. „Lass das! Ich hass das! Du weißt doch, dass ich ihn immer schwarz trinke.“ Er wandte sich wieder dem Mann der HALLO zu: „Wir haben direkt nach dem Mittagessen Werbeaufnahmen für einen Mobilfunkanbieter und danach eine Pressekonferenz. Wir sind immer eingespannt. Das Musikerleben ist hart. Man hat nie Zeit.“
„Nicht mal für eine Freundin?“, fragte der Reporter. „Max ist in festen Händen und Florian und Timo haben ständig Mädchen. Nur du eigentlich nicht.“
Jannik grinste den Mann an: „Ja, ja, und deshalb habt ihr vor vier Monaten Andeutungen gemacht, ich sei möglicherweise schwul, nicht wahr?“
„Nun ja ...“ Der Mann ringelte sich wie ein Wurm am Angelhaken. „Wir schulden den Fans Informationen. Die Fans lieben dich. Sie wollen das wissen.“
Nein, du willst die Auflage deines Magazins steigern, dachte Jannik. Er sah Rollies warnenden Blick. Reg dich ab, Geigerzähler! Nik Faber wird nicht patzig. Keine Angst, Dicker!
„Natürlich wollen die Fans das wissen“, sagte Jannik. „Reines Interesse.“
„Ja, genau“, meinte der Mann von HALLO. „Also, wieso sieht man so gut wie nie ein Mädchen an deiner Seite.“
„Wollen Sie das wirklich wissen?“, fragte Jannik. Er schaute sehr ernst drein.
„Natürlich!“ Der Reporter beugte sich vor. Die Kameras rückten Jannik ein Stückchen näher auf die Pelle.
„Nun“, begann Jannik. „Es ist ganz einfach. Ich ...“ Er zögerte gekonnt, „... ich kann nichts dafür. Ich … ich bin schüchtern. Ganz einfach.“
Sie waren verblüfft. Alle.
„Schüchtern?“, fragte der von der HALLO. „Du? Nik Faber und schüchtern. Davon merkt man aber auf der Bühne nichts.“
„Ist eben so“, sagte Jannik. „Auf der Bühne gehe ich voll aus mir raus, Als Musiker kann ich alles geben, aber privat bin ich schüchtern.“
Das drucken sie!, dachte er. Und das senden sie! Die Fans werden es fressen! Nik Faber ist schüchtern. Die Mädels werden mich noch mehr anschwärmen. Rollie wird’s freuen.
Er bemühte sich nach Kräften, nicht zu grinsen.
Sollten sie es glauben!

Thema: Stargirl Leonie(9)
Stefan Steinmetz

Antworten: 0
Hits: 182

Stargirl Leonie(9) 18.05.2018 14:52 Forum: Stargirl Leonie

Als Leonie am nächsten Morgen zur Schule ging, fühlte sie sich anders als tags zuvor. Keine Angst, kein Hadern mit sich selbst, weil sie Mist gebaut hatte. Stattdessen war sie von Kopf bis Fuß angefüllt mit Verliebtheit. Jeder zweite Gedanke galt Jannik Faber. Sie konnte praktisch an nichts anderes denken.
Er wollte sie wiedersehen. Er hatte es gesagt. Sie hatten eine Verabredung. Morgen erst. Leonie hatte das Gefühl, dass eine Ewigkeit zwischen ihr und dem Treffen mit Jan stand. Aber sie würden sich wiedersehen.
„A dream comes true“, dachte sie auf Englisch. „Ein Traum wird wahr.“ Sie sagte die Zeile in Gedanken. „A dream comes true.“ Sie versuchte, eine dazu passende Melodie zu finden und die Zeile zu verlängern. Zuerst ging es nicht. Dann änderte sie das kleine Gedicht in ihrem Kopf. Sie stellte die Zeilen um.
„School´s over, I see you
and a dream comes true“.
Das war es. Fehlte noch die Melodie. Die versteckte sich hartnäckig vor Leonie. Also konzentrierte sie sich auf die Worte. Während sie ihren Schulweg fortsetzte, bastelte sie an dem kleinen Gedicht herum. Zwischendurch dachte sie an Jan.
Wir sind verabredet. Wir haben ein Date. Wir werden uns wiedersehen. Wir werden Freunde. Ich habe einen Freund. Ich bin nicht mehr allein, auch wenn Lena fort ist.
Lena Hussong war ihre beste Freundin gewesen. Seit der ersten Klasse waren sie befreundet. Sie hatten in der Schule immer nebeneinander gesessen. Lena hatte nur zwei Straßen weiter gewohnt.
Dann hatte Lenas Vater einen neuen Job bekommen. Er war Entwicklungsingenieur und würde in Stuttgart bei Mercedes arbeiten. Die Hussongs waren weggezogen und Leonie war allein zurückgeblieben. Außer Lena hatte sie keine engen Freundinnen. Sie war einsam gewesen. Sie schloss nicht leicht Freundschaft.
Egal, jetzt habe ich Jan! Für Leonie stand fest, dass sie und Jan zusammenkommen würden. Sie war verliebt bis über beide Ohren. So etwas hatte sie noch nie erlebt. Sie schwebte.
„Walking hand in hand with you,
and a dream comes true.“
Sie kam bei der Schule an. Schüler standen in kleinen Gruppen herum. Alles schien wie immer. Erst als Leonie zwischen den Grüppchen hindurch zum Eingang des Schulgebäudes ging, merkte sie es. Eine Spannung lag über dem Schulhof. Die Luft schien elektrisch aufgeladen zu sein. Neugierige Blicke streiften sie. Vor allem die Mädchen schauten sie an.
Gruppen teilten sich vor ihr. Man ließ sie durch. Schweigende Blicke. Kritische Musterung. Leonie fühlte sich unwohl. Es gefiel ihr nicht, quasi mitten auf dem Präsentierteller zu stehen. Sie sah zu, dass sie ins Schulhaus kam.
In der Klasse flogen sofort alle Köpfe hoch, zumindest die der Mädchen. Leonie sah etliche I-Phones in aufgeregten Händen. Sie erkannte Fotos von sich und Jan, die Fotos die in den Social-Media geposted waren.
Leonie ging zu ihrem Tisch und setzte sich neben ihre Banknachbarin Frankziska Aulenbacher. Franziska schaute sie an wie das achte Weltwunder. „Guten Morgen“, hauchte sie. Leonie hörte etwas aus ihrer Stimme heraus. Es war Ehrfurcht. Sie sah die anderen Mädchen an. Auch in ihren Augen stand Ehrfurcht, gelegentlich gepaart mit Neid. Sie blickte zu Sophie Schubert hinüber und erkannte auch in ihren Augen diese scheue Ehrfurcht. Ausgerechnet Sophie Schubert!
Franziska stieß sie in die Seite. „Mensch, du warst mit den Peoples im Studio! Ich habe die Bilder gesehen. Hat Nik dich tatsächlich mitgenommen?“
Alle Augen fokussierten auf Leonie. Atemloses Schweigen ringsum. Alle lauschten. Keine wollte die Antwort verpassen.
Leonie schaute ihre Banknachbarin an und schüttelte den Kopf: „Nein, Nik hat mich nicht mitgenommen. Nach dem Eisessen hat er mich nach Hause gebracht. Das im Studio ist eine aufblasbare Puppe mit meinem Gesicht gewesen.“
Franziska riss die Augen auf: „Waaas?“ Sie brauchte geschlagene fünf Sekunden, bis sie kapierte, was abging. „Leonie Ammon! Du verarschst mich gerade! Natürlich warst du mit Nik im Aufnahmestudio! Ich habe doch die Fotos gesehen!“
„Nö. War eine Aufblaspuppe“, gab Leonie zurück. Sie wusste nicht, warum sie diese Show abzog, aber es machte Spaß. „Da ist so ein Foto-Automat im Bahnhof. Man lässt sich knipsen und das Ding spuckt hinten eine Aufblaspuppe mit deinem Gesicht aus. Ehrlich, Frankziska.“ Die Mädchen ringsum lauschten mit aufgerissenen Augen.
„Du lügst!“, rief Franziska. „Du hast dich bewegt! Auf den Fotos sitzt du mal auf einer Bank an der Wand, dann stehst du neben Nik. Einmal hat er sogar den Arm um dich gelegt.“
„Die Puppe hat Elektromotoren“, erklärte Leonie todernst. „Mit Fernsteuerung. Elvira hat das Teil per Funk gesteuert.“
„Elvira?“
„Die Putzfrau. Elvira ist übrigens ein Mann. Er heißt Elvira, weil er ein Tatoo von einer halbnackten Frau auf dem Oberarm hat. Da steht Elvira drunter. Drum hat er den Spitznamen.“
„Wenn du das so genau weißt, warst du selber dort!“ Frankziska nahm sie aufs Korn: „Mich legst du nicht rein.“
„Also gut“, gab Leonie zu. „Ich war dort. Ich war es, die sie Aufblaspuppe gesteuert hat.“
Franziska brach in lautes Lachen aus. Die Mädchen rundherum lachten mit. Die Anspannung, die über der halben Klasse gelegen hatte, löste sich.
„Du warst echt im Studio“, sagte Franziska. Sie schaute Leonie bewundernd an. „Irre! Auf den Fotos sieht man, wie Nik dich ansingt.“
„Die Peoples haben ein Lied für ihre neue CD aufgenommen“, sagte Leonie. „Es heißt You.“
Finja Didion lehnte sich aus der Nachbarbank herüber: „Und vorher? Wart ihr echt Eis essen?“
Leonie nickte. „Ja. Es war toll. Jan kennt eine Eisdiele, wo das Eis wirklich noch selbst gemacht wird. Es hat wahnsinnig gut geschmeckt. Beim Eisessen haben wir einen neuen Song für die Peoples erfunden. Er heißt Bratensoße. Ich weiß aber nicht, ob der auf die neue CD mit drauf kommt.“
Finja quietschte. „Bratensoße?“ Sie kicherte. „Das ist nicht dein Ernst!“
„Doch“, gab Leonie zurück. „Auf englisch klingt es besser: Gravy. Jan fand die Idee prima.“
Die Tür ging auf. Ihre Klassenlehrerin trat ein. Damit war die Diskussion fürs Erste beendet.

*

Jannik Faber duschte ausgiebig. Er liebte es, ewig unter dem fließenden Wasser zu stehen und es konnte ihm nicht heiß genug sein. Er benutzte reichlich Shampoo. Er sparte nicht. Die Zeiten waren vorbei, in denen er sein Duschshampoo mit Wasser verdünnt hatte.
Nach der Dusche putzte er sich die Zähne und gurgelte mit teurem Mundwasser hinterher. Dann rasierte er sich nass. Mit der neuesten Dreifachklinge eines bekannten Herstellers. Jannik sparte nicht. Auch das Rasierwasser, das er nach der Rasur benutzte, war keines der kostengünstigen.
Im Kleinen liebte Jannik es luxuriös. Zumindest wollte er nicht sparen. Er schaute nicht länger, wo im Supermarktregal das günstigste Produkt stand. Er griff zu den teuren Sachen. Einzige Ausnahme: seine Zahnpasta. Es war eine mit Wiesenkräutern und eine der billigsten. Die Pasta hatte Jahre zuvor den ersten Platz bei der Stiftung Warentest belegt und seither benutzte er sie.
Jannik verließ das Badezimmer. Im Schlafzimmer holte er frische Klamotten aus dem Schrank und zog sich an. Auch hier gab es nichts Billiges. Keine Jeans vom Discounter, kein T-Shirt aus dem Supermarkt. Janniks Klamotten stammten von Walbusch und Lands´ End oder aus Boutiquen mit Preisschildern, die einem normalen Menschen das Wasser in die Augen trieb.
Nie mehr billig!
Lange genug war das Billigste gerade gut genug für Jannik gewesen, damals als er bei seinem Vater lebte und später, als er bei der Mutter untergekommen war. Immer nur Billigzeugs! Er hatte es gehasst. In der Schule stand er blöd da. Man sah ihm an, dass zu Hause das Geld knapp war. Die Kohle wurde für anderes gebraucht.
Seit Jannik als Leadsänger der Peoples gutes Geld verdiente, gab er es auch aus. Er kaufte nur Sachen von hoher Qualität. Bloß nichts Billiges. Sonderangebote ließ er grundsätzlich links liegen. Er wollte nicht mehr an sein früheres Leben erinnert werden.
Sparsamkeit gab es nur beim Einteilen des hereinkommenden Geldes. Da hatte Jannik feste Grundsätze. Während Timo und Florian die Tausender mit vollen Händen ausgaben, hielt sich Jannik eisern an seine Regel: zweimal Fifty-Fifty. Mit jedem Tausender, den er verdiente, machte er zweimal Fifty-Fifty. Er teilte den Tausender halbe-halbe. Die eine Hälfte landete auf einem besonderen Konto und wurde dort angesammelt, bis am Ende des Jahres die Steuern fällig waren. Jannik verdiente so viel, dass sich Papa Staat tatsächlich fast die Hälfte davon nahm.
Den übriggebliebenen halben Tausender teilte Jannik noch einmal Fifty-Fifty. Die eine Hälfte landete auf der Bank, die andere war zum Ausgeben da. Seit zwei Jahren verfuhr Jannik so mit seinen Einnahmen, egal, ob er dreitausend im Monat machte oder dreihunderttausend. Er ging nicht von seiner selbst aufgestellten Regel ab.
„Wenn ich mal zehn Millionen auf der Bank habe, höre ich eventuell damit auf“, hatte er Max anvertraut, als sie bei Maximilians Eltern zu Besuch waren und durch die Weinberge spazierten. „Aber vorher gehe ich nicht davon ab! Ich muss mein Geld zusammenhalten.“ Er hatte seinen Freund angeschaut: „Max, ich war arm! Arm wie eine Kirchenmaus! Ich will nicht mehr arm sein. Nie mehr! Darum spare ich die Hälfte meiner Einnahmen. Ich lege Geld für schlechte Zeiten zurück. Und mal ehrlich: Die Peoples wird es nicht ewig geben. Ich gebe uns noch ein oder zwei Jahre, höchstens drei. Dann sind wir out. Also scharre ich das Geld zusammen, wo ich nur kann. Du kannst das vielleicht nicht verstehen. Du bist in guten Verhältnissen aufgewachsen. Deine Eltern haben ein Weingut. Du hast keine Ahnung, wie es sich anfühlt, wenn man sich eine neue Jeans kaufen will und es ist kein Geld dafür da.“
Max hatte ihn ernst angeblickt. In seinem Blick lag Verständnis: „Schon gut, Nik. Ich kann dich verstehen. Ehrlich gesagt finde ich vernünftig, was du machst. Ich hoffe nur, du lässt dich nicht auf windige Anlageberater ein.“
Jannik hatte seinen Freund angegrinst: „Auf keinen Fall! Der einzige Anlagenberater, den ich habe, ist der Kerl, der mich beim Rasieren aus dem Spiegel anschaut.“
Jannik lief durch die Zimmer seines Hauses zur Garage. Er kam durchs Wohnzimmer und umrundete das Piano, das seit vier Monaten dort stand. Er nahm heimlich Klavierstunden. Er wollte Noten lesen und schreiben lernen und Klavierspielen, damit er besser komponieren konnte. Außerdem träumte er davon, mit Komponieren Geld zu verdienen. Seine Bandkollegen hatten keine Ahnung, dass der Leadsänger Klavierstunden nahm. Die mussten nicht alles wissen, fand Jannik.
Er ging zur Garage. Man konnte sie vom Haus aus betreten. Es war eine Doppelgarage. Ganz außen stand der grüne Morgan Roadster, in der Mitte zwei Fahrräder und vorne wartete Beule auf ihn. Jannik entschied sich für Beule. Der Dacia Sandero sah verboten aus. Er machte seinem Namen alle Ehre. Vorne im Kotflügel dräute eine riesige Beule. An den Rändern war der Lack abgeplatzt und mit billigem Spachtel notdürftig repariert worden. Der Lack war einmal flammenrot gewesen. Heute sah er verwaschen und ausgelutscht aus, völlig ausgebleicht, als hätte der Dacia schon mehr als fünfzehn Jahre auf dem Buckel. Dabei war er nagelneu. Keine drei Monate war es her, als Jannik ihn gekauft hatte.
Er hatte ihn in eine Werkstatt gebracht und dort war man dem armen Auto zu Leibe gerückt und hatte den Dacia auf uralt getrimmt. Man war mit Schleifgeräten und aggressiven chemischen Mitteln über den Lack hergefallen und hatte fachmännisch eine Beule in die Karosserie geschlagen. Keiner, der den Dacia im Straßenverkehr sah, würde ihn mit Jannik Faber, dem Leadsänger der Peoples in Verbindung bringen.
Jannik stieg ein und startete den Motor. Langsam steuerte er Beule zur Grundstücksausfahrt. Die hohen Gittertore öffneten sich elektrisch und ließen Beule zwischen hohen Mauern hindurch nach draußen auf die Straße.
Jannik war fünf Monate zuvor in das Haus eingezogen und bis jetzt hatte die Presse ihn nicht aufgespürt. Das war das Beste daran, fand er. Er mochte es nicht, wenn die Fotografen seine Wohnung belagerten. Eine Weile war das ziemlich schlimm gewesen, vor allem, als er noch in Saarbrücken zur Miete gewohnt hatte. Jetzt hatte er seine Ruhe. Vorläufig jedenfalls.
Er schaltete das Radio ein und steuerte Beule nach Saarbrücken. Ein arbeitsreicher Tag wartete auf ihn. Keine Chance auf ein bisschen Privatleben. Aber morgen! Morgen würde er Leonie wiedersehen.
Beim Gedanken an das Mädchen fühlte er sich eigenartig. Er freute sich darauf, sie wiederzusehen. Sehr sogar.
Die kleine Stimme in seinem Kopf meldete sich zu Wort: „Sie ist wie Johanna!“
Jannik lenkte Beule durch den wüsten Verkehr Saarbrückens. Er fühlte einen Schmerz in seinem Herzen. Selbst an sie zu denken, tat weh.
Wie Johanna?, fragte er in Gedanken. Quark! Johanna sieht ganz anders aus. Sie hat schwarze Haare. Sie ist größer. Sie ist so alt wie ich. Sie …
„Die gleichen Augen!“, sagte die kleine Stimme. „Sogar die Farbe ist exakt dieselbe.“
Jannik dachte nach. Hatte die kleine Stimme in seinem Kopf etwa recht?
Er dachte daran, wie er Leonies verzweifelten Brief in Händen gehalten hatte. An das Foto von ihr. Es war keine besonders gute Aufnahme, aber etwas an dem Bild hatte ihn angezogen.
Die Augen …
Hellgrau und sanft und freundlich. Wie Johanna. Wie Uhlchen. Stimmte das?
Leonie war kleiner und zierlicher als Johanna. Sie war sanft, fast schüchtern. Aber das konnte daran liegen, dass sie in seiner Gegenwart eingeschüchtert war. Schließlich war er der Bandleader der Peoples.
„Es steht in ihren Augen“, sagte die Stimme in seinem Kopf. „Du hast es sofort erkannt, als du sie das erste Mal gesehen hast. Sie ist wie Johanna.“
„Johanna“, flüsterte Jannik. „Mein Gott, Uhlchen! Johanna!“

Thema: Stargirl Leonie(8)
Stefan Steinmetz

Antworten: 0
Hits: 170

Stargirl Leonie(8) 17.05.2018 11:29 Forum: Stargirl Leonie

Leonie spazierte ohne Eile die Straße hinunter. Sie hatte das Gefühl, zu schweben. Am Morgen war ihr schwer ums Herz gewesen. Sie war voller Angst zur Schule gegangen. Sie war sicher gewesen, dass es keine Rettung für sie gab. Alles was sie sich von ihrem Geburtstag wünschte war, noch einmal davonzukommen.
Und nun das. Sie schwebte über den Bürgersteig auf ihr Haus zu. Ihr Herz schlug. Sie war übervoll mit Erleichterung und Freude. Und Liebe. Leonie war verliebt.
Ich kann es nicht glauben! Ich kann es immer noch nicht glauben!
Sie hatte Angst, jeden Moment aufzuwachen und feststellen zu müssen, dass alles nur ein Traum gewesen war.
Aber es war kein Traum. Obwohl es sehr wohl einer war! Sie war mittendrin in diesem Traum.
Verabredet! Wir sind verabredet! Er hat mich gefragt! Mich! Mich, Leonie Ammon! Ooh!
Sie schloss die Haustür auf und lief die Treppe hinauf zur Wohnung. Bevor sie aufschließen konnte, öffnete ihre Mutter: „Hallo, Geburtstagskind.“
„Hi, Mutti.“ Leonie brachte ihre Schultasche in ihr kleines Zimmer. Vom einzigen Poster im Zimmer lächelten sie die Peoples an. Sie hatte nur Augen für Jans Lächeln.
„Ich habe uns eine Pizza gemacht“, tönte es aus der Küche. „Ich stelle sie gleich in den Backofen. Wir können es uns auf dem Balkon gemütlich machen, wenn du möchtest.“
„Klingt gut, Mutti“, gab Leonie zurück. Sie freute sich. Selbstgemachte Pizza. Noch was Schönes nach solch einem tollen Tag. Sie liebte die selbstgemachte Pizza ihrer Mutter.
Sie legte ein Tischtuch auf den kleinen Tisch auf dem Balkon und brachte flache Teller und Besteck nach draußen, sowie eine Flasche Mineralwasser und Trinkgläser. Sie war kaum fertig, als ihre Mutter das Backblech mit der Pizza brachte: „Leg für jede von uns ein Stück auf den Teller. Die andere Hälfte tue ich wieder in den Backofen, um sie warmzuhalten.“
Dann saßen sie auf dem Balkon und schmausten gemeinsam.
„Wie war es heute Nachmittag?“, fragte die Mutter. „Bist du mit deinen Freundinnen losgezogen?“
„Wir waren Eis essen“, sagte Leonie.
Bienen summten um die beiden blühenden Apfelbäumchen, die rechts und links an der Außenseite des Balkons in großen Töpfen wuchsen. Links stand ein Säulenapfel, rechts ein Apfelberger Zuckeräpfelchen, ein Wildapfel, der statt saurer Holzäpfel essbare kleine Früchte hervorbrachte. Der Säulenapfel war genau das: eine Säule aus Holz, halb so dick wie Leonies Handgelenk. Er wuchs pro Jahr gerade mal eine Handspanne höher, aber Ende des Sommers trug er Dutzende von schmackhaften Äpfeln.
Den Wildapfel hatte Leonie im Internet bestellt, nachdem sie eine Doku gesehen hatte. Das Apfelberger Zuckeräpfelchen war eigentlich ein Buschbaum, der mehrere Meter hoch werden konnte, aber ihr Exemplar wurde jedes Jahr geschnitten und sollte nicht höher als ein Erwachsener werden.
Leonie erinnerte sich noch genau, als der Baum angekommen war. Sie und ihre Mutter hatten einen kleinen Strunk aus der Pappschachtel ausgepackt und das Ding voller Misstrauen angeschaut. Das sollte ein Apfelbaum sein? Sie pflanzten den „botanischen Krüppel“, wie ihre Mutter den Wildapfel respektlos titulierte, in einen dreißig Liter Erde fassenden Topf und warteten.
Der „botanische Krüppel“ fing an zu wachsen, als hätte man ihn ins Kühlwasserbecken eines leckgeschlagenen Atomkraftwerks gepflanzt. Der kleine Kerl wucherte los, als wolle er bis in den Himmel wachsen. Schon im zweiten Jahr musste die Mutter dem Wildwuchs mit der Astschere zu Leibe rücken. Im dritten Jahr blühte das Zuckeräpfelchen und im Spätsommer hing es mit kleinen roten Äpfelchen voll, die fantastisch schmeckten.
Neben den beiden Apfelbäumchen im Topf gab es weitere Pflanzen in Töpfen und Balkonkästen. Da waren die Tomatensetzlinge, die Leonie und ihre Mutter jedes Jahr aus Samen zogen. Sie bauten alle möglichen Sorten an, die sie übers Internet bezogen. Jedes Jahr probierten sie neues aus. Noch mussten sie darauf gefasst sein, die empfindlichen Tomatenpflänzchen nachts herein zu holen, falls es zu Nachtfrost kommen sollte.
Neben den Tomaten gab es Erdbeeren und klein bleibende Himbeersträucher, Sorten, die extra für den Balkon gezüchtet waren.
Überall war Platz für Kästchen und Töpfe mit Kräutern wie Schnittlauch und Basilikum und anderen.
Beim Essen schaute Leonie über die Balkonbrüstung nach unten. Am Rand des Grundstücks, das zu dem Mehrfamilienhaus gehörte, in dem sie wohnten, befanden sich winzige Gartenparzellen. Eine davon gehörte ihnen, ein Stückchen Land von gerade mal drei auf vier Meter, das den Namen Garten eigentlich nicht verdient hatte. Dort bauten sie und ihre Mutter Gemüse an und sie zogen Johannisbeeren und Brombeeren.
Auf dem schmalen Rasenstück vor den Parzellen konnte man Stühle aufstellen und bei schönem Wetter grillen. Es war klein und eng und das Gärtchen bekam zu wenig Sonne ab, was die Erträge schmälerte, aber immerhin war es ihr eigener Garten. Besser als nichts.
Ein richtiger Garten wäre natürlich das Größte gewesen, ein großes Stück Land, auf dem ein Haus stand, das ihnen gehörte. Sie träumten davon. Die Mutter hatte Leonie versprochen, dass sie dieses Jahr ihr Haus bekommen würden. Sie hatte lange genug gespart. Viel Geld würde sie nicht bei der Bank aufnehmen müssen. Das war wichtig. Die Mutter wollte sich nicht hoch verschulden. Aber Leonie sollte das Haus noch miterleben dürfen, wo sie es sich doch beide so sehr wünschten.
Leonie unterdrückte ein Seufzen. Das eigene Haus. Mit riesigem Garten dabei. Der große Traum. Schon immer. Auch schon, als ihr Vater noch lebte. Damals hatte die Familie zwei Gehälter zur Verfügung gehabt, um zu sparen, Vaters Gehalt als Ingenieur und das von Mutter, die als Übersetzerin arbeitete. Es hatte so ausgesehen, als sollte Leonie mit spätestens zwölf Jahren ihr eigenes geräumiges Zimmer im neuen Haus der Familie Ammon beziehen.
Aber dann war der Vater krank geworden. Ganz plötzlich war das gekommen. Er hatte sich nicht wohlgefühlt und war zum Arzt gegangen. Es folgten einige Untersuchungen und dann die niederschmetternde Nachricht: Krebs. Im Endstadium. Keine Chance auf Heilung. Dazu war die Krankheit viel zu weit vorgeschritten.
Ganze sechs Wochen waren Leonies Vater geblieben, bevor er den Weg gehen musste, den alle Menschen eines Tages gehen. Eine Woche vor Leonies neuntem Geburtstag trugen sie ihn zu Grabe.
Die Mutter sah sie an: „Leonie? Was ist mit dir?“
Leonie schluckte: „Ich musste an Papa denken.“ Sie holte tief Luft, um die Tränen zurückzukämpfen. „Ich wünschte, er wäre heute bei uns.“ Sie musste noch einmal heftig schlucken. „Du glaubst gar nicht, wie sehr ich mir das wünsche, Mama!“
Ihre Mutter griff über den kleinen Tisch nach ihrer Hand: „Ja, Leonie. Das wünsche ich mir auch.“
Leonie schaute über das Balkongeländer. „Dann hätten wir ein Haus und einen richtigen Garten und am Wochenende würden wir es uns gemütlich machen. Papa wollte ein Holzhaus am Ende des Gartens aufstellen, weißt du noch? Mit einer überdachten Terrasse. Man hätte bei Regen draußen sitzen können und dem Trommeln der Regentropfen lauschen können.“
Leonie schaute auf ihre Pizza. „Es ist nicht recht, dass er so früh sterben musste!“
„Nein, das ist nicht recht“, sagte ihre Mutter. „Ich schaue mir übermorgen früh ein Haus an.“
Leonie schaute auf: „In echt?“
Ihre Mutter nickte. „Papas Freund hat mich angerufen dieser Ecker, du weißt doch: sein Arbeitskollege. Da wäre was zu kaufen. Das Haus eher klein, aber ein großes Grundstück. Nicht teuer, weil es auf dem Dorf liegt. Er sagte, dein Vater hätte das Haus damals interessiert angeschaut, als sie dort draußen unterwegs waren, um sich um die Verlegung von Erdkabeln zu kümmern. Es hätte ihm gut gefallen, hat er erzählt. Er hätte gesagt, dass das genau das Richtige wäre, auch wenn das Haus nicht sehr groß sei.
Jetzt steht es zum Verkauf. Ich schaue es mir mal an. Wenn ich es okay finde, nehme ich dich nachmittags nach der Schule mit, damit du es auch sehen kannst. Es wäre ...“ Die Mutter machte eine Geste in Richtung Himmel: „... als hätte dein Vater das Haus mit uns gemeinsam ausgesucht.“

*

Nach dem Essen zog sich Leonie in ihr Zimmer zurück. Sie holte ihr Notizbuch aus der Schreibtischschublade und klappte es auf. Es war bereits halbvoll geschrieben.
Leonie begann ein neues Gedicht. Titel: Vaters Haus
Sie schrieb von einem Haus mit Garten, mit verträumten Ecken und alten Obstbäumen und einer mit Moos überzogenen Mauer. In diesem Garten konnte sie den Geist ihres Vaters spüren. Sie schrieb deutsch. Meistens schrieb sie deutsch. Manchmal verfasste sie auch Gedichte auf englisch.
Sie sprach genauso gut englisch wie deutsch. Ihre Mutter stammte aus Großbritannien. Leonie war zweisprachig aufgewachsen.
„Ach Papa“, flüsterte Leonie. „Wenn du doch hier wärst! Du fehlst uns.“ Minutenlang saß sie ganz still und in sich gekehrt da. Dann griff sie zum Stift. Auf der Seite gegenüber von „Vaters Hause“ schrieb sie: „Fathers House“. Es war gewissermaßen das Gedicht auf englisch. Danach holte sie ihr altes Fotoalbum aus dem Regal und öffnete es. Sie schaute sich die Bilder an, auf denen sie als kleines Mädchen mit ihren Eltern zu sehen war.
Irgendwann schaltete sie ihren Laptop ein und ging ins Internet. Sie musste nicht lange suchen. Tatsächlich hatten mehrere Mädchen aus ihrer Schule Fotos hochgeladen, auf denen sie mit Jannik Faber im grünen Morgan Roadster zu sehen war.
Auf der Seite von HALLO waren Fotos zu sehen, die sie und Jan im Aufnahmestudio zeigten. Leonie, eine Freundin von Nik, stand unter einem Foto, auf dem Leonie auf der Bank saß. Sie lächelte freundlich in die Kamera.
Es gab auch ein Foto, das sie zusammen mit Jan zeigte. Leonie sah genauer hin.
Seine Augen, dachte sie. Sie schaute zum Fotoalbum hin. Die Augen! Sie haben fast die gleichen Augen.
Mit einem Mal wurde ihr klar, warum sie von den Peoples Jan am liebsten mochte und nicht die zwei Mädchenlieblinge Timo und Florian. Jan hatte die gleichen Augen wie ihr Vater. Er war auch so ernst und zurückhaltend und doch auch freundlich und für jeden Scherz zu haben.
Leonie fühlte ein Piksen im Herzen. War das der Grund, warum sie von Anfang an für Jannik Faber geschwärmt hatte? Weil er sie an ihren Vater erinnerte?
Sie las ihr Gedicht noch einmal durch, das deutsche zuerst, dann die englische Version. Sie stand auf und holte die Konzertina aus dem Schrank. Sie setzte sich wieder an ihren Schreibtisch und öffnete das kleine sechseckige Handzuginstrument. Die Konzertina hatte ihrem Vater gehört und er hatte Leonie beigebracht auf dem „Mini-Akkordeon“ zu spielen.
Sie ließ die Augen über die englischen Zeilen wandern und begann zu spielen. Eine traurig-süße kleine Melodie ertönte. Es klang ein wenig wie irischer Folk. In Gedanken sang Leonie die Zeilen des Gedichts zur Musik der Konzertina.
Jan könnte das singen, überlegte sie. Er könnte meine Konzertina auf der Gitarre begleiten.
Was für ein Einfall! Sie, Leonie Ammon, komponierte für die Peoples! Nein, das ging natürlich nicht. Aber die Idee fühlte sich schön an. In Leonies Kopf lief ein kleiner Spielfilm ab. Sie sah sich mit den Peoples im Aufnahmestudio „Fathers House“ aufnehmen und zu Hause hörten ihre Mutter und ihr Vater das Lied und fanden es toll. In ihrer Vorstellung war ihr Vater nicht tot.
Mit einem Seufzen beendete Leonie ihr Spiel. Sie fühlte eine Hand auf ihrer Schulter. Ihre Mutter stand hinter ihr. Sie sah das aufgeschlagene Fotoalbum und küsste Leonie von hinten auf die Wange. „Du vermisst ihn immer noch, nicht wahr?“
Leonie nickte. „Jeden Tag. Ich glaube, ich werde ihn immer vermissen.“
Ihre Mutter umarmte sie. „Er würde nicht wollen, dass du trauerst.“
„Ich kann nichts dafür“, sagte Leonie leise. „Es tut immer noch weh. Das wird nie ganz weggehen.“

Thema: Das Dorf im Wald
Stefan Steinmetz

Antworten: 0
Hits: 484

Das Dorf im Wald 16.05.2018 16:27 Forum: Das Dorf im Wald

Das Dorf im Wald
Tristan Pirrung wandert mit seiner Frau Isolde und ihren jugendlichen Kindern Phil und Frederike durch den Hunsrück auf der Suche nach einem sagenhaften Dorf, in dem die Menschen in ewiger Jugend leben. Isolde Pirrung führt ein herrschsüchtiges Regiment über ihre Familie. Besonders die sechzehnjährige Frederike hat unter der strengen Mutter zu leiden. Sie würde am liebsten mit ihrem Bruder, mit dem sie sich gut versteht, davonlaufen. Aber wohin?
Tatsächlich entdecken sie das Dorf in einem versteckten Seitental. Dort leben die Menschen wie vor hundert Jahren in Harmonie und im Einklang mit der Natur ein einfaches aber zufriedenen Leben auf dem Land und niemand ist alt.
Aber die ewige Jugend hat einen Preis. Das finden Frederike und ihr Bruder bald heraus.

Taschenbuch: 10,28 Euro
https://www.amazon.de/Das-Dorf-Wald-Stef...26480936&sr=1-2

Kindle: 2,99 Euro

https://www.amazon.de/dp/B07D3Z47DH/ref=...as+dorf+im+wald


Die Karte des Landes im magischen Dreikreis


[IMG]Dreikreisdorf1 by Stefan Steinmetz, auf Flickr[/IMG]

Thema: Stargirl Leonie(7)
Stefan Steinmetz

Antworten: 0
Hits: 179

Stargirl Leonie(7) 15.05.2018 09:34 Forum: Stargirl Leonie

Den Rest der Zeit im Studio erlebte Leonie wie im Traum. Die Peoples nahmen allen Unkenrufen zum Trotz noch zwei Songs auf. Zusammen mit „You“ sollten sie auf der neuen CD landen.
Zwischen den Aufnahmen saß man zusammen und machte es sich gemütlich. Die Fernsehleute filmten oder beteiligten sich locker an den Gesprächen. Es waren auch Reporter von der Printpresse anwesend. Leonie wunderte sich, wie zurückhaltend die Leutchen waren. Sie hatte sich die Reporter der Sensationspresse immer als einen Haufen gieriger Blutsauger vorgestellt, die die armen Peoples auf Schritt und Tritt verfolgten. Hier war man freundlich und kein bisschen zudringlich. Es wurde mal eine Frage zwischendurch gestellt - mehr nicht.
Leonie spürte fast körperlich, dass man sie anstarrte und wissen wollte, wer sie war, aber keiner fragte. Seltsam.
Timo machte eine Flasche Bier auf, es war seine zweite.
„Zwo“, kam es vom Ende des Tisches, um den sie sich alle versammelt hatten. Rolf „Geigerzähler“ machte seinem Spitznamen alle Ehre.
Timo nahm einen tiefen Zug: „Aaah! Das zischt! So ein Bierchen hebt die Laune und entspannt die Seele.“ Er zwinkerte seinem Manager zu: „Aller guten Dinge sind drei.“
„Vier ist die japanische Unglückszahl“, sagte Rollie. „Denk dran.“
Timo zog die Augen mit den Zeigefingern zu Schlitzen auseinander: „Sehen ich vielleicht aus, als ob ich einel aus Japan sein, liebel Lollie?“
„Das ist chinesisch, was du da imitierst“, gab Rollie zurück. „Kulturbanause!“
„Immerhin hab ich einen Realschulabschluss“, schoss Timo zurück. „Und Autofahren muss ich auch nicht. Ich nehme nachher ein Taxi.“
Einer von den Presseleuten stand auf: „Ich muss los. War nett mit euch, Leute.“ Er nickte allen zu und reichte Leonie die Hand: „Tschüss … Leonie, nicht wahr? Heute ist dein Geburtstag?“
„Ja“, antwortete sie. „Ich bin fünfzehn geworden.“
Der Reporter schaute zu Jannik: „Er hat dich eingeladen? Zum Geburtstag?“
Leonie nickte. „Wir waren Eis essen.“
„Wie nett von Nik“, meinte der Mann. „Gestatten?“ Er hob seine Kamera und schoss ein Bild von Leonie und Nik. „In welcher Eisdiele wart ihr denn?“
Leonie spürte Jans Hand auf ihrer. Er drückte sie sanft. Sie verstand sofort. Sie lächelte den Reporter freundlich an: „Betriebsgeheimnis. Wird nicht verraten!“
„Oooch!“, machte der Reporter. „Ich wüsste es aber so gerne. Bestimmt gibt es da ganz tolles Eis.“
Leonie grinste ihn an: „Nein, aber super Bratensoße. Ehrlich.“ Neben ihr lachte Jan lauthals los.
Der Pressefritze fotografierte, was das Zeug hielt. „Bratensoße? Tatsächlich? Ist ja unglaublich!“
„Ich schreibe einen Song darüber“, sagte Jan. Er lachte noch immer. „Kommt demnächst raus. Ich will den noch auf die neue CD mit drauf bringen.“

*

Nach der letzten Aufnahme war es Zeit, aufzubrechen. Jan brachte Leonie durch einen versteckten Hinterausgang aus dem Studio. „Pech für die Autogrammjäger“, meinte er, als sie durch einen langen Flur schritten. „Aber ich habe für heute genug.“
„Die Presseleute waren echt nett“, sagte Leonie. „Ich habe mich gewundert. Ich dachte immer, die verfolgen die Stars und kriechen ihnen in jede Höhle hinterher.“
Jan lachte sie an. „Tun sie! Aber nicht mehr bei uns. Wir haben es den Jungs und Mädels von der Presse gesteckt: Wenn ihr uns nicht in Frieden lasst, gibt es keine Interviews mehr, kein Posieren für Fotos, keine TV-Aufnahmen von Studioarbeit, keine Pressekonferenzen. Ich habe klipp und klar gesagt, dass ich genug Geld verdient habe, um jederzeit aufzuhören.“
Er schaute Leonie ernst an: „Das ist bei denen angekommen. Genau wie bei den Fans, dass sie nicht drängeln dürfen. Nicht nach Mannheim.“ Er sah zu Boden. „Nein. Nicht nach Mannheim.“
Leonie erinnerte sich. Ein Jahr zuvor war es in der Stadt am Rhein zu Tumulten gekommen. Rasende Fans hatten die Zufahrt zur Konzerthalle blockiert und sich gegen den Bandtransporter gedrängt, um ihre Lieblingsstars hautnah zu erleben. Über dreihundert Leute drängelten durcheinander. Dabei waren Leute zu Boden gegangen und beinahe zu Tode getrampelt worden. Drei Dutzend Menschen landeten mit teils schweren Verletzungen im Krankenhaus.
Janniks bleiches Gesicht im Scheinwerferlicht zu Beginn des Konzerts: „Leute hört mal zu! Ich habe euch etwas zu sagen!“ Dann hatte er losgelegt, kühl bis ins Mark, aber in seinen Augen hatte ein schreckliches Feuer gebrannt.
„Es kann nicht angehen, dass Fans zu Schaden kommen, weil ein solches Gedränge herrscht! Heute Abend wären beinahe Menschen ums Leben gekommen. In Zukunft wird nicht mehr gedrängelt! Das sage ich nur ein einziges Mal! Bleibt ruhig, Leute! Wir steigen aus dem Auto und gehen überall rum. So bekommen viele von euch ein Autogramm. Nicht alle, aber viele. Wir werden im Zick-Zack durch euch hindurch laufen. Keiner wird im Voraus wissen, wo man sich postieren muss, um an die Reihe zu kommen. Ausgleichende Ungerechtigkeit. Sorry Leute, so ist das nun mal. Wir sind vier Leute, doch wir können uns nicht vierteilen. Aber wir können auf der Stelle aufhören zu spielen!“
Ein Aufschrei war durch die Konzerthalle gegangen. Jan hatte die Menge überblickt wie ein King. „Wenn jemals wieder etwas passiert wie heute Abend, ist Sense, Leute! Mein Wort! Ich will nicht am Tod oder den schweren Verletzungen von Fans schuld sein! Das mache ich nicht mit! Also werdet ihr in Zukunft schön brav sein und die Peoples werden schön brav zwischen euch herumlaufen. Alles klar?“
Die Menge hatte ein zittriges Ja von sich gegeben und dann hatten die Peoples losgelegt.
Von da an gab es keine TV-Aufnahmen mehr von tobenden Fans, die Straßen blockierten und das Bandauto schier zerquetschten. Stattdessen standen sie alle in lockerer Herdenformation da und warteten ergeben, dass vier Superstars zwischen ihnen umherspazierten und Autogramme verteilten und kleine Schwätzchen hielten. Die Folge war, dass viel mehr Fans ihre Lieblinge ganz aus der Nähe erlebten und die Peoples noch berühmter und beliebter wurden.
In der Presse hatten sie Jans Gesicht abgedruckt, wie er seine Brandrede hielt.
„Dschingis Khan hat gesprochen!“, lautete eine Schlagzeile. „Nik sagt den Fans, wo es lang geht und sie gehorchen ihm. Er ist der King.“
Das ist er wirklich, dachte Leonie. Sie dachte daran, wie er die Band an diesem Nachmittag geführt hatte. Es war Jannik Faber, der die Songs der Peoples schrieb und arrangierte. Er war es, der die Songs mit der Band einübte. Auch auf Pressekonferenzen war er meistens der Frontmann.
Sie traten durch eine Tür ins Freie. Vor ihnen lag der Hinterhof, auf dem Jan den Morgan abgestellt hatte. Wieder hielt er ihr die Tür auf. Sie stieg ein. Der Hof lag leer da. Anscheinend kannten die Fans den Platz nicht.
Jan ließ sich neben Leonie hinters Steuer fallen. Er schaute sie an: „War nett mit dir, heute Nachmittag, Leonie.“
Sie senkte den Blick: „Danke. Mit dir war es auch nett, Jan.“
„Wollen wir uns wieder treffen?“, fragte er.
Die Frage traf sie völlig unvorbereitet. Sie konnte ihn nur anstarren. Sie kam sich doof vor. Sie schüttelte den Kopf. „Jan, nein ...“
„Nein?“ Er klang enttäuscht. „Möchtest du nicht?“
„Ich … nein … doch ...“ Sie geriet ins Stottern. Sie schaute zu ihm hin. Auch im Auto musste sie zu ihm aufschauen, weil er so groß war. „Jan, heute war es unheimlich schön mit dir, wirklich. Ich bin dir wahnsinnig dankbar, dass du mich gerettet hast. Du hast dir Zeit für mich genommen, und mich zu meinem Geburtstag ausgeführt. Es war mein schönster Geburtstag, ehrlich. Aber du hast genug getan. Mehr brauchst du nicht.“
„Ich möchte aber gerne mehr tun.“ Seine Stimme war leise, tief, samtig, rau, kratzig - alles auf einmal. „Ich möchte dich wiedersehen, Leonie.“
Sie konnte ihn nur anschauen. „A-Aber wieso? Warum?“
Seine Augen, dunkelblau, blau wie die See in der Antarktis, senkten sich in ihre: „Weil ich dich wiedersehen möchte, Leonie. Wollen wir uns wieder treffen?“
Sie nahm all ihren Mut zusammen: „Ja.“
„Nur wenn du möchtest.“
Jetzt war ihre Stimme ganz leise: „Ich möchte. Sehr gerne.“
Sein Lächeln warf sie schier um. „Übermorgen? Morgen kann ich nicht. Bin mit Terminen zugepflastert. Aber übermorgen könnte ich dich wieder von der Schule abholen. Schnell ins Studio und einen Song abnudeln und dann können wir abhauen. Hast du eine Idee, was wir machen könnten?“
Sie zuckte hilflos die Achseln: „Weiß nicht. Was möchtest du?“
Er schaute sie ein paar Sekunden an, ohne einen Ton von sich zu geben. „Mit dir zusammen was unternehmen“, sagte er dann. „Ganz egal, was.“
Leonie bekam solches Herzklopfen, dass sie Angst hatte, ohnmächtig zu werden.
Er will es!, dachte sie. Mein Gott, er will mit mir zusammen sein! Mit mir!
Sie wollte es auch. Und wie!
„Möchtest du dir die Gegend mal von oben anschauen und einen Kaffee dabei trinken?“, fragte er. „Das Wetter ist eher durchwachsen. Da ist bestimmt nicht viel los auf der Alm.“
„Alm?“ Leonie schaute ihn verdutzt an. „Willst du in die Alpen?“
Er lachte leise. „Leonie!“, sagte er kopfschüttelnd und lächelte. Dann wurde er ernst. Er nahm ihre Hand. „Wenn du dir das wünschen würdest, dann würde ich mit dir in die Alpen fahren. Ich würde ein Flugzeug chartern, damit wir schneller hinkommen.“ Er drückte ihre Hand: „Eigentlich meinte ich die Almhütte auf der Bergehalde von Landsweiler-Reden. Letztes Jahr haben wir da oben gespielt. Der Gipfel war überlaufen mit Menschen.“ Er zeigte zum wolkenverhangenen Himmel. „Bei dem Wetter ist da oben aber bestimmt nix los. Es soll die nächsten Tage so bleiben. Wir können es uns in der Almhütte gemütlich machen oder draußen im Freien und die Fernsicht genießen.“
„Dort war ich noch nie“, sagte Leonie. „Das klingt interessant.“
„Schön“, meinte er. „Dann fahren wir übermorgen da hin.“ Er ließ den Motor an.
Sie fasste schüchtern nach seinem Arm: „Jan?“
„Ja, Leonie?“
„Kannst … bitte, lässt du mich ein Stück vor meinem Zuhause raus? Wegen meiner Mutter … ich weiß nicht, wie die es aufnehmen würde, dass … ich bin erst fünfzehn und sie ist … altmodisch.“
Er lächelte: „Geht klar.“
„Weberstraße“, sagte sie. „In Nummer 19. Wenn du direkt hinter der Kreuzung Weberstraße, Entenmühlstraße anhältst und mich rauslässt ...“ Sie wollte ihm erklären, wie er fahren sollte.
„Ich weiß, wo es ist, Leonie.“
„Du kennst dich in dem Viertel aus?“
Er schaute sie an. Wieder schwieg er mehrere Sekunden. „Ich habe mir die Straßen auf dem Plan im saarländischen Straßenatlas angeschaut und eingeprägt. Du hast deine Adresse im Brief stehen. Ich wollte wissen, wo ich lang fahren muss, um dich nach Hause zu bringen.“
Leonie schaute Jan an. Er schaute stumm zurück. Der Motor des Morgen grollte im Leerlauf.
Sie musste heftig schlucken. „A-Alles nur, weil ich solchen Mist gebaut habe.“ Sie wagte nicht, ihm in die Augen zu sehen, während sie die Worte laut aussprach.
„Ja“, sagte er. Pause. Dann: „Ich bin froh, dass du Mist gebaut hast, Leonie.“
Sie fühlte ein komisches Quieken in ihrer Kehle aufsteigen. Sie konnte es gerade noch zurück halten.
Das hat er nicht gesagt! Niemals! Ich muss mich verhört haben! Das …!
Er drückte noch einmal ihre Hand. „Fahren wir?“ Er zeigte auf den Schalthebel: „Siehst du die aufgedruckte Schaltkulisse? Hier vorne ist der erste Gang, darunter der zweite, rechts davon oben der dritte und unten der vierte. Daneben fünfter und sechster Gang. Wenn ich kuppele, leg den Ersten ein!“ Er trat mit links ins Pedal.
Leonie packte den Schalthebel und schob ihn nach vorne.
„Sehr gut!“ Jan fuhr an. Grollend schob sich der Morgan zur Hofausfahrt hinaus. Jan blinkte und fuhr los.
Leonie gab genau acht. Sobald er auskuppelte und Gas wegnahm, zog sie den kleinen Schaltknüppel nach hinten. Jan kuppelte ein und gab Gas. Bollernd nahm der Roadster Fahrt auf. Gleich nochmal auskuppeln und Gas wegnehmen. Leonie schob den Hebel vorwärts und ein Stück nach rechts. Dritter Gang. Gasgeben und weiter ging es! Jan lachte ihr zu. Sie lachte zurück.
So fuhren sie zu Leonie nach Hause. Leonie war verblüfft, wie gut es lief. Jan musste ihr nie sagen, wann sie hoch oder herunter schalten musste. Sie wusste intuitiv, ob er schneller oder langsamer fahren wollte.
Wie eine Schaltung bedient wurde, hatte sie ihrer Mutter abgeschaut.
Schließlich überfuhr Jan die Kreuzung vor Leonies Zuhause. Er lenkte den Wagen an den Straßenrand, hielt an und betätigte ein letztes Mal die Kupplung. Leonie brachte den Schalthebel in die Leerlaufstellung.
Er schaute sie an mit diesen unglaublich blauen Augen: „Du machst das prima, Leonie!“
Sie konnte nur schüchtern lächeln. Sie holte tief Luft, um die nötige Kraft zu tanken, um die Tür zu öffnen und auszusteigen. Sie schloss die Tür.
„Dann bis übermorgen nach der Schule“, sagte er.
„Ja. Bis übermorgen“, sagte sie.
„Ich freue mich auf dich, Leonie.“ Er winkte ihr und fuhr los. Leonie blieb stehen und sah zu, wie der dunkelgrüne Roadster davonfuhr und um die nächste Straßenecke bog.
Dann ging sie nach Hause. Sie lief wie auf Wolken.

Thema: Stargirl Leonie(6)
Stefan Steinmetz

Antworten: 2
Hits: 294

14.05.2018 19:39 Forum: Stargirl Leonie

Hi, ja die anderen Nachtkindromane kommen auch auf Amazon raus. Muss sie aber - genau wie Nachtkind und Clankind - überarbeiten und dann ins Korrektorat schicken. Das dauert. Sorry.

Ach ja: und genau wie Nachtkind und Clankind wird sich auch sonst jeder Nachtkindroman verändern!
Neue Kapitel, andere Kapitel rausgeschmissen und so weiter.

Thema: Stargirl Leonie(6)
Stefan Steinmetz

Antworten: 2
Hits: 294

Stargirl Leonie(6) 13.05.2018 14:36 Forum: Stargirl Leonie

Er nahm die Landstraße und ließ den Morgan flott dahin rollen. Aber er raste nicht. Leonie hatte zu keiner Zeit Angst. Jannik war ein sicherer Fahrer, das spürte sie. Er hatte es nicht nötig, den Wagen wild voranzutreiben. Die HALLO hatte recht: Jannik Faber war kein Angeber, kein Aufschneider.
Als sie nach Saarbrücken kamen, nahm er einen Umweg durch einige Wohnviertel.
Vielleicht möchte er nicht auf den Hauptstraßen gesehen werden, überlegte Leonie. Man verfolgt ihn wohl auf Schritt und Tritt. Die Presse ist überall.
Vorm Studio lauerte nicht die Presse sondern eine Horde Fans. Rund dreißig Jugendliche - fast alles Mädchen - lungerten beim Eingang in der Hoffnung, ein Autogramm zu ergattern. Jan bog zwei Häuser vorher rechts in eine Durchfahrt ein. Hinten im Hof stellte er den Morgan ab. Dann gingen sie vorne herum zu Studio.
Jan schubste sie sanft in die Seite. Er hielt ihr den Arm hin. Leonie schaute zu ihm auf. Er lächelte sie an und nickte in Richtung auf seinen Ellenbogen.
Er will, dass ich mich bei ihm einhänge, dachte sie. Augenblicklich bekam sie Herzklopfen. Er will es wirklich!
Sie hängte sich bei Jannik ein und zusammen marschierten sie auf den Pulk beim Studioeingang zu. Leonie lief wie im Traum. Sie kannte das Gebäude von Fotos in Zeitschriften. Sie wusste, dass ständig Fans vorm Eingang warteten. Manchmal verließen die Peoples den Bau durch einen geheimen Hinterausgang, aber meistens kamen sie vorne heraus und gaben freundlich und bescheiden Autogramme, auch wenn hundert Leute warteten.
Vor der Tür wurden sie von den Fans umringt. Hefte und Blöcke wurden vorgestreckt, Handys gehalten. Sie wollten ein Foto und eine Unterschrift. Jan unterschrieb. Jan ließ sich mit Fans fotografieren. Er war cool bis ins Mark und dabei doch immer freundlich.
Die Leute starrten Leonie an. Fotos wurden gemacht. Leonie war es unangenehm, aber sie hatte keine Ahnung, was sie dagegen unternehmen sollte. Sie wollte niemanden unhöflich anmachen.
Diese Bilder werden im Internet landen, schoss es ihr durch den Kopf. Sie musste schlucken. Dann riss sie sich zusammen. Na und! Landen sie eben im Internet! Dann sieht die eingebildete Sophie Schubert mich mit Jan ins Studio gehen.
„Leonie!?“ Sie schaute zur Seite Dort stand Pia Jeblick, ein Mädchen aus der Parallelklasse und schaute sie mit aufgerissenen Augen an. „Du …?“ Sie warf einen Seitenblick auf Jan.
Der nahm Pia den kleinen Block aus der Hand und schrieb ein Autogramm. Dann nahm er Pias Handy und hielt es Leonie hin: „Ein Foto bitte. Nur eins.“ Er stellte sich neben Pia und lächelte mit dem Mädchen zusammen in die Linse. Leonie drückte ab.
„Danke“, hauchte Pia.
Leonie hakte sich wieder bei Jan unter. Pia quollen die Augen aus dem Kopf. „Du … Leonie …?“ Sie schaute in Richtung Studioeingang. Leonie wusste, was Pia wollte. Sie wollte, dass sie Pia mitnahm.
„Tut mir leid“, sagte Jan, während er ein letztes Autogramm in ein Schulheft schrieb. „Nicht ins Studio. Das Aufnahmestudio ist für Fans verboten.“ Er machte eine entschuldigende Geste: „Ist nun mal so.“
„A-Aber ...“, stotterte Pia und glotzte Leonie an wie einen Goldfisch mit Hörnern. „Sie ...“
Jan legte den Arm um Leonies Schultern und zog sie mit sich. „Das ist ja auch Leonie“, sagte er, als wäre es das Normalste der Welt und betrat mit Leonie das Studio.
Morgen weiß das die ganze Schule, dachte Leonie mit einer Mischung aus Stolz und Verzweiflung. Sie wusste nicht recht, was sie davon halten sollte. Wenn sie morgen zur Schule ging, würden alle sie angaffen.
Sie beschloss, nicht weiter darüber nachzudenken. Was zählte war, dass sie mit Jan zusammen war. Er nahm sie ins Studio mit. Was für ein Geburtstag! Sie hatte damit gerechnet, gelyncht zu werden und nun war sie seit Stunden an der Seite ihres größten Schwarms. Sie konnte es noch immer nicht fassen.
Sie kannte das Innere des Aufnahmestudios von Fotos und Videoclips, aber in der Realität wirkte es kleiner und beinahe schäbig. Es war nicht sehr hell in dem Raum, die Fenster waren klein. Dreifachverglasung, erinnerte sie sich. Hatte in der HALLO gestanden. An den Wänden komischer hässlicher Schaumstoff, grau wie ein alter Putzlumpen. Das war wegen der Akustik.
Jemand lugte zu einer Tür am anderen Ende des Raumes herein. „Jesus! Da ist er! Majestät geruhen also doch noch, zu erscheinen. Wir wollten schon Elvira holen, damit sie deinen Part singt. Deinen Gitarrenpart hätte Maxe übernehmen können. Hätten wir halt dubben müssen.“ Es war Florian Bennett, die Rhythmusgitarre und der größte Teenie-Schwarm der Peoples. Florian hatte noch mehr Fans als Jan. Sein dichtes blondes Haar war zu einer modischen Hochfrisur gestylt. Er sah aus, als habe er in eine ziemlich große Steckdose gefasst. Er sah gut aus.
Als er Leonie erblickte, erstarrte er. Seine Augen wurden groß. „Das kann doch wohl …!“
„Platz da!“ Jemand versetzte ihm von hinten einen Stoß und kam ins Studio. Es war Timo Neumann der Bassist. Er schob seinen Bandkollegen erbarmungslos aus dem Weg. Hinter ihm erschien Maximilian Krage, die dunkelbraunen Haare nach hinten gegelt. Er sah ein bisschen aus wie ein rebellischer Wolfgang-Amadeus Mozart mit dunklem Bartschatten.
„Wer ist das?“, fragte Timo, in Leonies Richtung nickend.
„Das ist die Tote“, sagte Florian. „Die Gelynchte und Umgebrachte welche!“ Er nahm Leonie aufs Korn. Irgendetwas war mit seinen Augen. Sie wirkten beinahe bösartig - irgendwie aggressiv. Man sah es nur, wenn man genau hinschaute. Leonie fürchtete sich ein wenig. Florian Bennett sah aus wie das männliche Gegenstück von Sophie Schubert. „Die ist aber nicht tot. Kein bisschen!“ Er nahm Jan aufs Korn: „Du hast die …?“ Er wirkte fassungslos.
Max umrundete ihn und schaute Leonie an. „Nik hat was zu Essen mitgebracht“, sprach er mit salbungsvoller Stimme. „Wie schön! Ich liebe frisches Fleisch! Aber erst die Arbeit, Freunde! Wir haben einen Song aufzunehmen und die Kamerafritzen warten schon so lange, das zu filmen, dass ihre Akkus angefangen haben zu faulen.“ Er zwinkerte Leonie zu.
Sie atmete auf. Anscheinend war die Stimmung doch nicht so aggressiv, wie sie gemeint hatte.
Jan machte eine Geste in Richtung seiner Bandkollegen: „Darf ich vorstellen: Das sind … die Bekloppten.“
„Was?“, rief Florian. „Ey Alter, das sagst du nicht nochmal über mich!“
„Tut mir leid“, gab Jannik zurück. Er zeigte auf Max und Timo: „Das sind die Bekloppten.“ Er zeigte auf Florian: „Und das ist der Oberbekloppte.“
Florian grinste breit. „Na also! Geht doch! Warum immer so unhöflich, Mista Faba?!? You are manchmal wirkly ekelhafty!“ Er lachte und kam zu Leonie und streckte ihr die Hand entgegen: „Tach Frollein. Er hat dich also errettet, der hehre Ritter von Niederlangenbach zu Faberstein?“ Er rollte die Augen in Richtung Jannik: „Sieht dem Kerl gar nicht ähnlich. Was so Nettes zu tun. Er ist zu niemandem nett. Nicht mal zu sich selbst. Nur zu Elvira. Wahrscheinlich ist er schwul.“
Nach Florian kamen Timo und Maximilian und begrüßten Leonie freundlich. Maximilian gratulierte ihr zum Geburtstag.
Jemand kam zur Tür herein.
„Das ist der Geigerzähler“, stellte Florian vor. Seine Augen glühten irgendwie. „Heißt Geiger und zählt jedes Glas Bier, das wir trinken.“ Er klopfte Maximilian auf die Schulter: „Drum trinkt unser Percussionist lieber Viez. Dann denkt Rollie, er tränke Apfelsaft!“
Der Geigerzähler wurde Leonie als Rolf Geiger vorgestellt, Manager der Band.
„Eigentlich wollte ich mit dem Managen einer Band Geld verdienen“, sagte der Mann, „aber dann bin ich als Tante im Kindergarten gelandet. War eine Umschulung.“
„Umschulung zum Folterknecht!“, krähte Florian. „Hat ein Diplom von der Gestapo und vom KGB!“
Rolf reichte Leonie die Hand: „Dann auch von mir alles Gute zum Geburtstag“, sagte er. „Sei ein liebes Mädchen und störe die Jungs nicht bei der Aufnahme, ja? Am besten, du setzt dich da hin.“ Er zeigte auf eine einfache Holzbank an der Wand, die aussah, als habe sie viele Jahre als Bank in einem Warteraum auf dem Amt gedient. Er ließ den Blick über den Raum schweifen: „Wie sieht denn der Boden aus? Mensch Leute, wir haben eine Aufnahme! Wo ist Elvira? Da muss man nochmal über das Parkett rüber!“
Timo verdrehte die Augen: „Er nu wieder!“
„Iss doch immer er!“, meinte Florian.
„Wer, wennnich er?“, deklamierte Maximilian. Er ging zum Schlagzeug, hob die Trommelstöcke hoch und begutachtete sie. „Da muss man nicht mehr rüber. Sauberes Holz.“
So lernte Leonie gleich zu Anfang eine Lektion: Das Studio, in dem die Peoples ihre Aufnahmen machten, war nicht ansatzweise das moderne Nonplusultra, als das es in den Zeitschriften immer dargestellt wurde. Wände und Fenster waren gegen aufnahmeschädlichen Schall isoliert, aber der gebohnerte Parkettboden knarrte bei jedem Schritt und verstärkte auch das kleinste Klappern von Schuhabsätzen und Elvira war über sechzig, trug einen Bauch spazieren und war ein Mann.
„Hab doch heute Morgen frisch gebohnert“, brummelte er. „Das Jungvolk hat den Dreck mit den Schuhen reingeschleppt. Die können sich nicht mal die Füße abputzen, wenn sie reinkommen. Florian, dir hängt ein Haar an der Nase. Du siehst auch ohne dämlich genug aus.“
„Häh?“ Florian fummelte an seiner Nase herum und erwischte tatsächlich eins seiner Haupthaare, das sich dort festgesetzt hatte, nachdem es seinem Besitzer ausgegangen war. „Voll die Seuche! Ich haare wie ein Hund auf dem Sofa!“
„Das ist das Zeug, dass du in deine Haare spritzt“, sagte Elvira. Der Mann war die Ruhe selbst. „Wenn du damit weitermachst, hast du mit fünfundzwanzig eine Glatze.“
Jannik hatte inzwischen eine elektrische Gitarre geholt und umgehängt. Er kam zu Leonie und setzte sich neben sie. „Wie ich sagte: Alles Bekloppte“, meinte er gut gelaunt. „Da fühlt man sich doch direkt wohl, oder?“
Sie lachte unsicher. „Ja.“
Er legte ein Headset an. Ein winzigkleines Mikrofon schwebte unterhalb seines Mundes. „Hier wird mehr Zeit mit Dummgequatsche verplempert als im Bundestag. Wir könnten viel mehr Musik aufnehmen, wenn dem nicht so wäre. Also wieder mal nur eine einzige Nummer heute. Geprobt haben wir das oft genug. Das sollte mit zwei oder drei Aufnahmen im Kasten sein. Technik?“
„Technik hört“, kam es aus einem Lautsprecher.
„Hört ihr mich?“, fragte Jan. Seine Stimme wurde elektrisch verstärkt. „Test. Test eins, zwei, drei.“ Er spielte ein paar Akkorde auf der Gitarre.
„Kommt gut“, tönte es aus den Lautsprechern.
„Was ist?“, fragte Jannik. Elvira stand vor ihm, auf seinem Blocker gestützt, mit dem er den Boden gebohnert hatte.
Elvira schaute von Jan zu Leonie und wieder zurück. Dann zeigte er auf Leonie: „Das ist ein Mädchen!“
Jan schaute Leonie an, als sähe er sie zum ersten Mal. „Tatsächlich!“, rief er aus. „Ein Mädchen! Jetzt, wo du es sagst sehe ich es auch. Elvira, wenn wir dich nicht hätten!“ Er lachte.
Elvira lachte nicht. Er steckte die Zunge in die linke Backentasche und wölbte die Backe damit auf. „Ein Mädchen“, sagte er. „Ein weibliches Wesen.“ Er starrte Leonie fasziniert an. „Und er fällt nicht über dich her! Er sitzt lieb und brav neben dir! Donnerwetter! Das hat es noch nicht gegeben! Normalerweise gibt sich Jannik Faber nur mit Mädchen ab, um sie abzuschleppen und zu f ...“
„Elvira!“ Das war Rollie. „Nicht!“
Elvira zeigte auf Leonie: „Das ist kein Grundschulmädchen, Monsieur Manager. Die ist fünfzehn, wie ich gehört habe. Lieber Rollie, du glaubst doch wohl nicht, dass das Fräulein nicht wüsste, was Sex ist!?“
Er machte einen Schritt auf Leonie zu: „Du weißt, was Sex ist, nicht wahr? Du weißt schon: die zwei Blümchen und das Bienchen. Zu dritt! Und das Bienchen hat einen Stachel. Komisch, wo es doch ein Mädchen ist. Alle Bienen sind Mädchen und mögen Blümchen.“
Er schaute von Leonie zu Jannik: „Bei euch ist das irgendwie umgekehrt: Das Mädchen mag die Blümchen und das Bübchen hat einen Stachel.“
„Danke für den Aufklärungsunterricht, Elvira“, sagte Rollie. „Können wir jetzt endlich anfangen?“
Elvira kratzte seinen Bauch. Er nickte in Richtung Rolf Geiger: „Er lenkt ab. Weil er es auch gesehen hat. Dem ist es in dem Moment aufgefallen, als er den Raum betrat.“
„Iss gut jetzt!“, sagte Florian Bennett. „Lasst uns anfangen. Je eher wir anfangen, desto schneller sind wir fertig. Nik? Steigst du ein?“
„Läuft“, kam es aus dem Lautsprecher. „Aufnahme!“
Jannik schaute Leonie an. Er begann auf seiner Gitarre zu spielen, ein kleines Intro nur, dann drei Akkorde, dann stieg die Band ein. Der Bass setzte ein begleitet von Florians Rhythmusgitarre und Max legte auf dem Schlagzeug los. Die Leute mit den Kameras filmten.
Jan lächelte sie an und begann zu singen: „When I saw into your eyes something happened inside my heart.“ So ging es weiter bis zum Refrain: „You! Always you! There´s no other. Only you.“ Er stand auf, stellte sich vor sie und sang sie an. Die Kameras filmten.
Leonie saß da und wusste nicht, was tun.
Er singt mich an. Mich! Er … er singt dieses Lied für mich!
Jan musste den Song geschrieben haben, nachdem er ihren Brief zu lesen bekam. Sie konnte es nicht glauben. Sie erlebte gerade, wie ein Traum Wirklichkeit wurde. Der Bandleader der Peoples sang ein Liebeslied für sie - vor laufender Kamera.

Thema: Stargirl Leonie(5)
Stefan Steinmetz

Antworten: 1
Hits: 248

Stargirl Leonie(5) 11.05.2018 15:32 Forum: Stargirl Leonie

Leonie saß in dem englischen Sportwagen und sah die Landschaft vorbei fliegen. Der Wagen schien rasend schnell zu sein, doch als sie auf den Tacho schielte, stellte sie fest, dass Jan nicht mal neunzig fuhr und das, obwohl die Landstraße frei war. Vielleicht lag es daran, dass man im Morgan so tief saß?
Jan raste nicht. Er fuhr gelassen, als gehörte die Welt ihm. Immer wieder sah sie ihn verstohlen an. Irgendwann bog er in eine kleine Landstraße ab, die von der Saar wegführte.
Ich sitze neben ihm! Ich sitze tatsächlich neben Jannik Faber! Und das nur, weil ich eine Riesendummheit begangen habe!
Ihr Herz schlug. Sie war in Jannik verknallt, seit es die Peoples gab. Jedenfalls ein bisschen. Im Prinzip waren alle Mädchen, die sie kannte, in Jannik verliebt - oder in einen der anderen Jungs der Band. Florian Bennett und Timo Neumann hatten womöglich noch mehr Verehrerinnen. Nur Max, der Schlagzeuger, fiel ein wenig aus dem Rahmen. Er war fünf Jahre älter als der Rest der Band und wirkte viel erwachsener als Jannik, Florian und Timo.
Die Peoples. Ausgesprochen: Piepels. Ein englisches Wort, das verdreht worden war. Ursprünglich nannten sie sich „Four the People“. Das Four stand gleichzeitig für Vier und Für, denn ausgesprochen wurden die englischen Worte Four und For beinahe gleich. Vier Musiker spielten Für die People, für die Leute, für die Menschen. Das S am Ende der Peoples war ein schlichter Schreibfehler. Weil das irgendwie cool wirkte, behielten die vier es bei.
Allmählich wurde aus dem langen Bandnamen die Kurzbezeichnung „Peoples“. Zwar stand nach wie vor „Four the Peoples“ auf den CD-Covern, aber alle Welt sprach nur von den „Peoples“.
Die Band spielte sich schnell hoch. Sie traten auf Volksfesten auf und dann wurden sie von ihrem Manager Rolf Geiger entdeckt und der verschaffte ihnen einen Vertrag bei einer großen internationalen Music-Corporation und seitdem waren die Peoples berühmt. Gleich der erste Titel, den sie vorstellten, landete auf Platz 1 der Charts.
Das war zwei Jahre her und seitdem stand immer ein Lied der Peoples auf Platz 1. Gerne mal noch zwei oder drei weitere in den Top Twenty.
Alle jungen Mädchen schwärmten von den Peoples und träumten davon, sie einmal zu treffen.
Und sie, Leonie Ammon, gerade fünfzehn geworden, saß neben dem Bandleader im Auto und wurde von ihm zum Eisessen ausgeführt. Es passierte exakt das, was sie Sophie Schubert und ihren Genossinnen vorgelogen hatte.
Leonie fühlte sich ein bisschen schuldig. Es schien ihr nicht recht, dass sie für ihre Lügengeschichte auch noch belohnt wurde. Aber nichts auf der Welt hätte sie jetzt aus diesem dunkelgrünen Sportwagen herausgebracht. Sie saß neben ihm. Neben Jan!
Ein Ortsschild flog vorbei. Langenbach stand darauf. Leonie kannte Langenbach. Es war ein Dorf mit gerade mal sechstausend Einwohnern. Jan fuhr bis zur Kreuzung in der Ortsmitte und hielt vor einer italienischen Eisdiele an. Er stellte den Motor ab, stieg aus, umrundete das Heck des Morgan und hielt ihr die Tür auf wie ein echter Gentleman.
„Wollen wir uns draußen hinsetzen?“, fragte er. Er warf einen Blick auf ihren kurzen Rock und die kurzärmelige Bluse: „Falls es dir nicht zu frisch ist.“
„Gerne“, sagte sie. „Mir ist nicht kalt. Die Sonne scheint ja.“
„Fein“, er hielt ihr den Arm hin. Leonie konnte es kaum glauben. Sie hängte sich bei ihm ein. „Ich sitze am liebsten draußen“, meinte er.
Vor der Eisdiele standen kleine runde Tische mit Stühlen aus Korbgeflecht. Grünweiß karierte Sitzkissen auf den Korbstühlen luden zum Sitzen ein. Jan führte Leonie zu einem Tisch links, direkt an dem niedrigen Begrenzungsmäuerchen, auf dem Kästen mit blühenden Blumen standen. Sie nahmen Platz. Außer ihnen war nur noch eine Familie mit zwei Kindern zu Gast.
Ein kleiner dunkelhaariger Mann mit Glatze kam aus der Tür gewieselt. „Nikke! Gute Tage. Wie gehte es dire? Biste du lange nichte gewesene hiere. Luigi diche schone vermisste!“
Zwei Mädchen in Sommerkleidchen waren bei ihm, vielleicht sechs und zehn Jahre alt.
Jan reichte dem Mann die Hand: „Luigi, schön dich zu sehen. Du weißt doch, dass ich immer wieder zu dir komme. Ich kann ohne dein Eis nicht leben.“
Die beiden Mädchen gafften hingerissen. Sie starrten nicht Jan an sondern Leonie. Sie waren genauso schwarzhaarig wie der Mann und ihre Augen waren so dunkel wie Kohlestückchen.
Jan grinste. Er legte einen Arm um Leonie und schaute die Mädchen an. „Das ist meine Großmutter“, erklärte er todernst. „Ich habe sie mitgebracht, damit sie das beste Eis der Welt probieren kann. Luigi macht das allerbeste Eis, das es gibt.“
Luigi lachte lauthals. „Deine Großmamma?“ Er verbeugte sich vor Leonie: „Iche seine sehre erfreute, Sie zu kennenlerne, liebe Frau Großmamma. Luigi fühle siche geehrte. Wasse Sie wolle essene? Luigi habe viele Sortene vonne die beste Gelato.“
Jan lächelte Leonie freundlich an: „Ich esse am liebsten Schoko und Vanille, Stracciatella, Nuss und so. Was schmeckt dir am besten?“
Leonie lächelte zurück. Es gefiel ihr hier. Luigi war ein warmherziger Mensch, den man einfach mögen musste. „Ich mag am liebsten rotes Eis“, sagte sie. „Also Erdbeere, Kirsche und Himbeere.“ Sie machte eine Pause. „Am liebsten habe ich Johannisbeere, aber das gibt es nur in einer Eisdiele in Saarbrücken. Ich weiß nicht ...“
„Abere natierliche!“, rief Luigi. Leonie hatte noch nie ein so breites Lächeln gesehen. „Habe wire Rote Johannisbeere! Iste unsere beste Gelato!“
Jannik zeigte auf die Karte. „Nimm die kleine gemischte Eisbombe mit allen roten Sorten“, riet er ihr. „Bloß nicht die große! Die schaffe ich kaum! Luigi meint es einfach zu gut mit seinen Gästen.“ Sie orderten zwei kleine Eisbomben mit ihren Lieblingssorten.
„Kommte soforte!“ Luigi wieselte davon.
Drei Tische weiter stritten die Kinder der Familie über Namen. Es waren zwei Jungs im Alter von sieben und acht Jahren. Sie sprachen über eine amerikanische Schauspielerin.
„Dawn“, sagte der jüngere. „Das kann man ja gar nicht aussprechen.“ Er zerkaute den Namen zwischen den Zähnen: „Daaon. Wer gibt seinem Kind so einen doofen Namen?“
„Gar nicht doof! Das ist ein schöner Name!“, gab sein Bruder zurück. „Er bedeutet Morgendämmerung.“
Der Siebenjährige lachte: „Was? Morgendämmerung? Die Frau heißt Morgendämmerung? Das gibt’s ja gar nicht!“ Er zerrte den Mann neben sich am Ärmel: „Papa, Jens lügt! Er sagt, die Frau heißt Morgendämmerung!“
Sein Vater lächelte ihn an: „Ja, Jonas, so heißt diese Schauspielerin. Deine Mutter übrigens auch.“
Der kleine Kerl starrte seinen Vater an: „Nein! Mama heißt Dagmar!“
Sein Vater lächelte: „Das ist dänisch und bedeutet Erwachender Tag, also das gleiche wie Morgendämmerung.“
Jonas stand der Mund offen. „Also so was!“, rief er. „Dann nenne ich meine Kinder Abendmond und … und … Bratensoße!“
Jannik hielt sich die Hand vor den Mund. Er prustete. Auch Leonie musste ein Lachen unterdrücken.
„Bratensoße“, flüstere Jan. „Nenne nie dein Kind Bratensoße!“ Er tat, als halte er Ausschau nach einem Kind. „Bratensoße!“, rief er mit leiser Stimme. „Bratensoße! Komm sofort hierher! Es gibt Abendessen. Bratensoße! Wirst du wohl!“
Leonie musste kichern. „Auf Englisch geht es ja noch“, sagte sie. „Gravy hört sich beinahe wie ein Namen an.“ Gravy war das englische Wort für Bratensoße.
Die beiden italienischen Mädchen standen in einiger Entfernung und schauten zu ihnen herüber.
Wenige Minuten später kam Luigie mit zwei riesigen Eisportionen in hohen Glasbechern angesaust. Obenauf dräute eine Sahnehaube mit einem aufgespannten kleinen Papierschirmchen.
Sie begannen zu essen. Leonie beugte sich vor und leckte mit der Zungenspitze über die Sahne.
Jannik lachte leise. „Du siehst aus wie eine kleine Biene, die sich an einer Blüte labt“, sagte er, als er ihren fragenden Blick sah. „Eine sehr niedliche Biene.“
Leonie fühlte, wie sie rot wurde. Sie tat so, als müsse sie sich sehr aufs Eisessen konzentrieren. Sie probierte das Johannisbeereis. „Das schmeckt fantastisch!“
„Alle Sorten von Luigi sind fantastisch“, sagte Jan. „Deshalb komme ich immer wieder her. Er macht alles selbst. Mit echten Früchten. Luigi ist kein Tütenbäcker, der irgendwelche Pülverchen und künstlichen Aromen zusammenrührt. Alles echt und handgemacht. Schon immer. Ich habe sein Eis schon als Kind geliebt.“
Er zeigte die Straße hinab, die von der Hauptstraße abzweigte: „Da geht es zur kleinen Kirche und dahinter führt das Sträßchen nach Niederlangenbach. Da habe ich früher gewohnt. Als Kind. Wir sind immer zu Fuß oder mit den Fahrrädern zu Luigis Eisdiele gepilgert und haben uns Eis in der Waffel gekauft.“
Leonie sah die zwei Mädchen noch immer da stehen. Sie wandten den Blick nicht von ihr. Es fühlte sich seltsam an, so angeschaut zu werden.
Jan bemerkte ihren Blick. „Das sind Francesca und Marina. Enkeltöchter von Luigi. Die schauen so, weil sie noch nie ein Mädchen gesehen haben. Mädchen kennen sie nur aus Büchern.“ Er feixte. „Und aus Märchen von Rittern und Prinzessinnen.“ Er stand auf: „Entschuldigung, ich muss mal für kleine Jungs.“ Er ging zur Eingangstür und verschwand.
Leonie war allein am Tisch. Die beiden Mädchen schauten noch immer. Vor allem die kleinere starrte Leonie an wie das achte Weltwunder. Zögernd kam sie ein paar Schritte näher.
„Bischt du in echt die Oma vom Nik?“, fragte sie im breiten saarländischen Dialekt. Sie hatte nicht den italienischen Akzent wie ihr Großvater.
Leonie schüttelte den Kopf: „Bin ich nicht. Jan macht bloß einen Ulk mit dir.“
„Ei, wer bischt du dann?“, fragte das kleine Mädchen.
„Eine Freundin“, sagte Leonie.
Die Augen der Kleinen wurden riesengroß. „Nik bringt niemals Mädchen mit!“, sagte sie im Brustton der Überzeugung. „Das hat er noch nie gemacht! Er bringt bloß seine allerbesten Freunde mit. Den Florian und den Timo. Und den Max. Der Max ist lieb. Der hat mir eine Puppe geschenkt und meinem Cousin Frederico ein echtes Piratenfernrohr. Das ist ein königliches Fernrohr. Es heißt nämlich Guck-König.“
„Vision-King“, berichtigte ihre ältere Schwester. „Es ist ein Fernrohr zum Ausziehen. Es sieht tatsächlich aus wie ein Piratenfernrohr.“
„Du bist die erste Frau, die wo Nik mitbringen tut“, sagte Francesca.
„Das stimmt“, gab Marina ihrer kleinen Schwester recht. Sie legte den Zeigefinger an die Nase. „Doch! Warte mal! Einmal hat er seine Stiefmutter mitgebracht, als sie zu Besuch in Langenbach war. Aber sonst ...“ Sie schaute Leonie mit unverhohlener Neugier an. „Ja. Die erste Frau, die er mitbringt.“
Leonie wollte etwas fragen, da kam Jan zurück. Sie aßen ihr Eis auf. Als alles verputzt war, bezahlte Jannik bei Luigi.
„Musse du komme öftere, Nikke!“, verlangte der italienische Eisdieler. „Bischte du viele zu seltene hiere. Komme wiedere öftere, so wie frühere!“
Jannik warf Leonie einen Blick zu, der ihr Herz schlagen ließ. „Kann ich mir gut vorstellen, Luigi“, sagte er. „Ich glaube, ich werde wieder öfter herkommen.“
Er führte Leonie zum Auto. Luigi und die beiden Mädchen winkten ihnen. Sie winkten zurück.
„Hast du Lust, mitzukommen?“, fragte Jan, als er losfuhr. „Ich muss ins Studio. Wir haben nachher noch eine Aufnahme. Ich kutschiere dich später nach Hause.“
Leonie schaute ihn an: „Echt jetzt?“
„Klar doch“, antwortete er.
Sie musste schlucken. „Jan, das musst du nicht machen“, sagte sie schließlich. „Du hast schon so viel für mich getan. Ich bin dir dankbar, dass du mir aus der Patsche geholfen hast und das Eis bei Luigi war das beste, das ich je gegessen habe. Aber du brauchst mich nicht weiter auszuführen.“
Er schaute sie an, während der Morgen mit grollendem Motor die Straße entlang rollte: „Leonie, wenn ich es nicht wollte, würde ich dich nicht fragen. Also: Magst du mitkommen?“
Mitkommen. Ins Studio! Dorthin wo die Peoples ihre Aufnahmen machten. Davon träumten alle Mädchen an der Schule.
Leonie konnte nur stumm nicken.

Thema: Stargirl Leonie(4)
Stefan Steinmetz

Antworten: 0
Hits: 182

Stargirl Leonie(4) 10.05.2018 13:41 Forum: Stargirl Leonie

Jannik Faber nahm die Saaruferstraße und fuhr nach Norden. Er wollte nach Langenbach. Dort auf dem Land würde keiner von der Presse herumschleichen und heimlich Aufnahmen schießen. Die Pressefuzzis konnten manchmal sehr anstrengend sein.
Er warf seiner jungen Begleiterin einen Seitenblick zu. Sie saß da, ein zitterndes Bündel Mensch, schwebend auf einer Wolke aus purer Erleichterung. Sie sah aus wie jemand, der von einem launischen König zwei Meter vorm Scheiterhaufen freigesprochen worden war. Etwas in ihm dachte: Geschieht dir recht! Was hast du auch dermaßen gelogen? Was für eine dumme Angeberei! Aber etwas anderes dachte: Armes Ding.
Sie war nicht der Typ, der verlogene Geschichten in die Welt setzte. Hatte sie geschrieben. Er glaubte ihr.
Sie war hübsch. Keine jugendliche Schönheit, aber hübsch. Ihre Augen hatten etwas. Es hatte ihn gleich angezogen. Sie sah anders aus als auf dem Foto, das sie mit dem Brief mitgeschickt hatte, damit er sie vor ihrer Schule erkennen konnte. Auf dem Foto war sie nicht so hübsch.

Der Brief. Florian hatte ihn gelesen. Florian Bennett, die Rhythmusgitarre der Peoples, hatte den Brief aus dem Stapel Fanpost gezogen und aufgerissen, ohne auf den Empfänger zu achten. Er hatte gelesen und gelacht und das Papier geschwenkt, das so ganz anders aussah wie die normalen Fanbriefe. Kein buntes Briefpapier, keine aufgemalten Herzchen - nur ein Blatt Druckerpapier, sauber mit Tintenfüller beschrieben.
„Nik! Du musst eine Prinzessin auf der Erbse erretten!“, trompetete Florian. „Da hat sich eine dämliche kleine Tusse richtig tief in die Scheiße geritten und jetzt flennt sie vor Angst und jammert dich um Hilfe an. Errette mich, oh großer starker Ritter mein!“
Jannik sah das bekannte Schimmern in Florians Augen. Sein Bandkollege hatte also wieder etwas eingeworfen. Es war noch nicht mal vier Uhr nachmittags und Old Bennett war stoned. Nicht gut. Gar nicht gut. Es passierte in letzter Zeit öfter, dass Florian gewisse … Chemikalien einnahm. Überhaupt nicht gut.
Florian fing an, aus dem Brief zu zitieren. „Ich muss es noch einmal sagen: Es tut mir leid, dich mit meinem selbstverschuldetem Problem zu belästigen, Jan“, grölte er, „aber wenn du mir nicht hilfst, bin ich zu Tode verurteilt.“ Florian gab sein herzerwärmendes Lachen von sich. Diesmal klang es allerdings eine Spur gehässig. „Oh großer starker Nik!“, deklamierte er. „Errette mich, die dumme kleine Pute! Hahahaaa! Sie ist eine wahre Schönheit!“ An dem Brief klebte ein Foto. „Sieht aus wie eine Kuh, wenn es blitzt.“
Jannik hatte seinem Freund den Brief aus der Hand gerissen: „Liest du immer anderer Leute Post? Bekommst du keine eigenen Fanbriefe mehr, Old Bennett?“
„He! Her damit!“ Florian versuchte, den Brief zurückzuerobern. Jannik wandte ihm die Schulter zu und wehrte ihn ab.
„Was ist hier los?“ Rolf „Rollie“ Geiger stand in der Tür. Rolf war der Manager der Peoples.
„Florian liest anderer Leute Liebesbriefe!“, rief Timo Neumann der Bass der Band. „Er hat alles laut vorgelesen, Herr Lehrer! Ich habe es gehört. Der ist ein ganz, ganz Pöser welcher, Herr Lehrer. Ganz pöse! Ehrlich! Und ich weiß noch etwas, Herr Lehrer: Im Keller brennt noch Licht!“
„Was ist das für ein Brief?“ Rolf wälzte seinen vierschrötigen Körper ins Zimmer. Er kam zu Jannik: „Zeig her!“
Jannik faltete den Brief zusammen und steckte ihn ein: „Er ist an mich adressiert. Private Post, Herr Geiger.“
Rollie schaute ihn streng an.
„Was guckst du?“, fragte Jannik.
„Der Brief“, begann Rolf.
„Er hat ihn mir weggenommen“, lamentierte Florian. „Ich habe ihn zuerst gelesen.“
„Er war aber an mich adressiert“, sagte Jannik. „Also lese ich ihn und sonst keiner. Verstanden?“ Er hatte nicht verhindern können, dass seine Stimme einen drohenden Ton annahm.
Max kam dazu: „Leute, was soll der Aufruhr? Prügeln wir uns jetzt schon um Briefchen von verliebten Fans?“ Er klopfte Jannik auf die Schulter: „Flori hätte den Brief nicht öffnen dürfen, auch wenn es bloß Fanpost ist. Briefgeheimnis. Aber nu iss wieder gut, ja?“
Jannik nickte: „Wieder gut.“ Er lächelte Max an. Guter alter Max. Der ruhende Pol der Peoples. Maximilian Krage, mit fünfundzwanzig der Opa der Band und ihr Drummer, der außerdem noch jede Menge anderer Instrumente beherrschte.
Jannik wandte sich zum Gehen.
„Wohin willst du?“, fragte Rollie.
Jannik zeigte seinem Manager die Zähne: „Ich schließe mich auf dem Lokus ein, um in Ruhe den Brief zu lesen.“
„Wa?“, machte Rollie. „Das ist nicht dein Ernst, Nik! Ein simpler Fanbrief? Schmeiß ihn in den Sammelkorb. Die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit schickt der Kleinen eine Autogrammkarte von dir.“
„Aber Rollie!“, rief Jannik in gespielter Empörung. „Ausgerechnet du? Rollie-Kontrollie, der verlangt, dass jeeeder Fanbrief gelesen und bearbeitet wird? Ich werde den Wisch lesen. Basta!“
Er war nicht auf die Toilette gegangen, um Leonies Brief zu lesen. Er hatte es an Ort und Stelle getan. Der Brief war kurz. Kein ellenlanges Gesabbel, kein Geplapper, keine Liebesschwüre. „Lieber Jan“, hatte sie geschrieben. „Es tut mir leid, dich mit meinem Problem zu belästigen, aber ich weiß keinen Ausweg mehr.“ In kurzen prägnanten Sätzen hatte das Mädchen geschrieben, wie es sich durch eigene Dummheit in die Zwickmühle gebracht hatte. Dass sie so etwas normalerweise nicht tat. Dass es ihr leid tat, seine Zeit zu verschwenden. Sie bat ihn lieb und nett um Rettung, auch wenn sie das nicht verdiene, wie sie offen und ehrlich schrieb.

Er schaute wieder zur Seite. Sie blickte ihn scheu an, ein winziges schüchternes Lächeln im Gesicht. Ihre dunkelblonden Haare flatterten im Fahrtwind.
„Sie ist in dich verknallt“, sprach die kleine Stimme in Janniks Kopf, die Stimme, die alles und jedes kommentierte in seinem Leben. Sie klang friedlich und beinahe entschuldigend, die kleine Stimme, nicht sarkastisch und aggressiv wie sonst meistens, oder müde wie die Stimme eines alten Mannes, der auf ein Leben zurückblickt, in dem nichts, aber auch gar nichts gut gewesen war. Die kleine Stimme war freundlich. „Lächeln!“, verlangte sie. Los! Lächle!“
Jannik lächelte.
Das kleine Lächeln im Gesicht des Mädchens wuchs. Sie war hübsch, wenn sie lächelte.

Auf dem Bild, das auf den Brief geklebt war, lächelte sie nicht. Vielleicht hatte sie gedacht, dass ein Lächeln nicht zu der dringenden Bitte passen würde, die im Brief stand.
„Ich weiß, du hast wenig Zeit“, hatte sie geschrieben. „Trotzdem bitte ich dich, mir zu helfen. Ich weiß sonst keinen Ausweg. Ich verspreche dir, nie wieder so etwas Dummes zu tun.“
Sie hatte ihm angeboten, das Benzingeld auszulegen. Das hatte ihn seltsam angerührt, als er es las. Aber das war es nicht, dass ihn dazu brachte, an ihrem Geburtstag im Morgan Roadster zu ihrer Schule zu fahren und ihre flehende Bitte zu erfüllen.
Es waren die ersten Worte ihres Briefes: „Lieber Jan.“
Lieber Jan.
Jan.
Er hieß Jannik. So nannte man ihn. Jannik. Seine Freunde und die Fans nannten ihn Nik. Alle taten das. Sie nannten ihn Nik. Immer! Kein Mensch auf der Welt nannte ihn Jan.
Nur Johanna.

Thema: Stargirl Leonie(3)
Stefan Steinmetz

Antworten: 1
Hits: 247

Stargirl Leonie(3) 09.05.2018 20:57 Forum: Stargirl Leonie

Obwohl Leonies Herz bereits zerplatzt war, explodierte es erneut. In ihrem Kopf drehte sich alles. Sie sah Jans Lächeln, fühlte, wie er sie drückte. „Fahren wir?“, fragte er.
Sie schaffte es, zu nicken.
Rundherum Fiepen, Japsen, Seufzen und hektisches Handygeknipse.
Er führte sie zum Auto, öffnete die Tür auf der Beifahrerseite. Leonie erlebte alles wie durch Watte. Sie hatte das Gefühl, die Welt durch Glasbausteine zu sehen. Alles war undeutlich und wirkte verzerrt. Sie bekam kaum mit, wie er die Tür hinter ihr schloss.
Diesmal lief er hinter dem Wagen entlang zur Fahrerseite. Er schob sich elegant auf den Sitz hinter dem Eschenholzlenkrad und winkte den Mädchen auf dem Fußgängerweg zu: „Tut mir leid, Mädels. Keine Autogramme diesmal.“ Ein Blick in Leonies Augen und wieder hoch zu den anderen, denen, die auf der anderen Seite eines breiten Stroms zu stehen schienen, weit entfernt: „Ihr seht ja, dass ich ein Date habe. So long.“
Leonie war nicht darauf gefasst, als er sich zu ihr herüber beugte und sie auf die Wange küsste.
„Dann mal los“, meinte er gut gelaunt und ließ den Motor an. Der Sechszylinder des Morgan erwachte grollend. Jan legte den ersten Gang ein, schaute in den Rückspiegel und fuhr an. Fauchend schob der Sportwagen an, löste sich vom Bordstein und schoss auf die Straße hinaus wie eine Rennjacht auf einen breiten Fluss.
Leonie sah im rechten Außenspiegel eine Horde Mädchen mit offenen Mündern und aufgerissenen Augen auf dem Bürgersteig stehen und ihnen hinterher glotzen.
Ich muss nicht sterben, dachte sie. Erst jetzt begriff sie, dass man sie errettet hatte, dass Jan sie vor einem entsetzlichen Schicksal bewahrt hatte. Die Mädchen würden sie nicht umbringen. Sie würden sie nicht öffentlich auf dem Scheiterhaufen verbrennen.
Er hatte ihren Brief erhalten und sich entschlossen, einem vor Angst zitternden Schulmädchen aus der Patsche zu helfen.
Sie sah zu ihm hinüber. Er hatte die Sonnenbrille nicht wieder angezogen. Der Fahrtwind blies ihm die dunkelblonden Haare aus der Stirn. In diesem Moment quoll sie über vor Dankbarkeit. Sie war so erleichtert, dass sie sich beinahe ins Höschen machte. Sie schwebte vor Erleichterung.
Danke Jan, dachte sie. Oh danke! Danke Schicksal. Danke lieber Gott. Danke, dass ich nicht umgebracht wurde. Danke. Danke. Danke! Ich werde nie wieder solch einen Mist bauen. Mama? Mama, ich muss nicht sterben. Ich darf leben. Ich verspreche dir, ich werde nie wieder so unvernünftig sein. Wirklich! Das kommt nie wieder vor!
Leonie verging vor Dankbarkeit.
Der Morgan lief mit grollendem Motor die Straße hinunter. Jan fuhr gelassen. Er raste nicht. Er hielt sich ans Tempolimit. Leonie sah weiter vorne, kurz vorm großen Kreisel, die Abzweigung.
Sie wandte sich nach links: „Danke Jan.“ Sie musste laut sprechen, um gegen das Röhren des Motors und das Fauchen des Fahrtwindes anzukommen. Der Fahrtwind peitschte ihre Haare. „Danke, dass du mir aus der Patsche geholfen hast.“
Er lächelte. „Gern geschehen. Gehört sich so für einen Gentleman.“
Sie wies über die endlos lange Motorhaube: „Da vorne rechts rein, bitte. Dann kannst du anhalten. Die da hinten sehen es nicht.“
Er wandte kurz den Blick von der Straße. Er wirkte irritiert. „Bitte?“
„Rechts!“ Sie fuchtelte mit der Hand. „Da vorn. Halt dort an! Von da habe ich es nicht mehr weit bis nach Hause.“ Die abbiegende Straße kam rasch näher. „Bitte mach halt, Jan!“
Er setzte den Blinker und bog rechts ab. Kurz hinter der Kreuzung brachte er den Wagen am Straßenrand zum Stehen. Er schaltete den Motor aus und wandte ihr den Blick zu: „Was ist los?“
Leonie bekam von seinem Blick solches Herzklopfen, dass sie dreimal tief durchatmen musste, bis sie sprechen konnte. „Da-Danke, Jan. Danke, dass du mich gerettet hast.“ Er schaute sie nur an. Seine Augen waren nicht nur blau. Sie waren groß. Leonie ertrank in ihnen. Sie konnte es immer noch nicht glauben, dass sie neben ihrem Schwarm saß. Sie war in Jan Faber verknallt, seit sie die Peoples kannte. Sie saß neben dem berühmtesten jungen Mann des ganzen Landes.
„Danke, Jan“, sagte sie noch einmal. Sie kam sie dämlich vor, weil sie so dummes Zeug plapperte. „Danke, dass du gekommen bist. Du hast mir das Leben gerettet. Im Ernst. Die hätten mich zerfleischt. Es tut mir leid, dass ich dich da hineingezogen habe. Ich mache so was sonst wirklich nicht, genau wie ich dir geschrieben habe. Ehrlich!
Du hältst mich sicher für eine dumme Pute und … und … es tut mir leid. Du hast bestimmt viel um die Ohren, viel zu viel, um einem dämlichen Fan aus der Klemme zu helfen und … ich danke dir wirklich, weil … ich … ich muss jetzt ...“
Plötzlich brach sie in Tränen aus. All die Angst der letzten Stunden brach aus ihr heraus.
„Entschuldigung“, schluchzte sie. Sie kam sie unglaublich blöd vor. Nun würde er sie für eine bekloppte Heulsuse halten. „T-Tut mir leid.“ Sie versuchte, das Weinen unter Kontrolle zu bekommen. „I-Ich geh dann. Ich halte dich nicht länger auf. Du hast schon viel zu viel für mich getan. Du hast bestimmt zu tun. Ich ...“ Sie griff nach dem Türöffner.
Eine Hand kam von der Seite, fasste sie sanft am Handgelenk und hielt sie zurück. „Jetzt warte doch mal!“ Er schaute sie an: „Hey! Was geht ab? Wein doch nicht, Leonie!“ Er holte ein Taschentuch hervor und trocknete ihre Tränen. „Du heulst dir ja Schrumpfnieren an.“
„Tut mir leid“, nuschelte sie. „Ich komme mir so blöd vor!“
„Das musst du nicht“, sagte er. Seine Stimme war warm und freundlich. „Jeder flennt mal. Lässt sich nicht vermeiden. Manchmal bricht es aus einem heraus.“ Er wischte eine letzte Träne von ihrer Wange: „Besser?“
Sie versuchte so etwas wie ein Lächeln: „J-Ja.“
Er nahm ihre Hand: „Hör mal! Du hast den Hühnern da hinten gesagt, dass ich dich nach der Schule abhole. Das bedeutet natürlich, dass wir zusammen irgendwo hin fahren und nicht, dass ich dich drei Straßenkreuzungen weiter rausschmeiße, oder?“
„Weiß nicht“, sagte Leonie mit einem letzten Schniefen. „Ich wollte doch nur, dass … dass du mich vor den Megären rettest … ich will dich nicht aufhalten!“
„Tust du nicht.“ Sein Lächeln ließ ihr Herz vibrieren. „Ich würde sagen: Wo ich schon mal da bin, könnten wir genauso gut was zusammen unternehmen. Zeit habe ich genug mitgebracht.“ Er drückte ihre Hand. „Muss ja nichts Großartiges sein. Wie wäre es mit einem Besuch in der Eisdiele?“
Leonie konnte es nicht glauben: „Du willst echt mit mir irgendwo hin fahren?“
Diesmal war sein Lächeln fröhlich und jungenhaft: „Sag ich doch!“
Misstrauisch äugte sie zum ihm hinüber: „Und du hältst mich nicht für eine dumme Pute, die sich selbst reingeritten hat?“
Er wurde ernst. „Täte ich das, wäre ich nicht gekommen, Leonie.“
Sie starrte ihn an, fassungslos, ungläubig. „I-In die Eisdiele?“ Sie ärgerte sich, weil ihre Stimme so kieksig klang.
Er nickte: „Eisdiele. Jawohl. Ich kenne eine richtig gute. Da wird das Eis wirklich noch von Hand gemacht. Keine angerührten Tütenmischungen. Garantiert alles echt.“
„Du willst mich wirklich mitnehmen?“ Sie musste einfach nachbohren.
„Klar doch! Du hast Geburtstag. Ich lade dich zu deinem fünfzehnten Geburtstag zum Eisessen ein.“
Leonie wollte etwas sagen, da spürte sie, wie ein Zittern über ihren Körper lief und die Tränen wieder zurückkamen.
„Nein!“, sagte er sanft. „Nicht weinen!“ Er zog sie in die Arme und drückte sie. „Nicht weinen, Leonie, hörst du?“ Er strich ihr durchs Haar. „Nicht weinen!“
„N-Nein“, brachte sie hervor. Unter Aufbietung alle Kraft schaffte sie es, zu ihm aufzusehen: „Danke, Jan. Das ist wahnsinnig nett von dir. Das brauchst du nicht. Wirklich nicht! Ich ...“
Er legte ihr den Zeigefinger auf die Lippen: „Scht! Kein Wort mehr. Wir fahren jetzt zur Eisdiele. Ich lade dich ein. Okay?“ Er schaute ihr in die Augen: „Okay, Leonie!“
Sie setzte sich auf: „Okay.“
Er lächelte. „Fein.“
Wie im Traum bekam sie mit, wie er den Motor anließ und losfuhr.

Thema: Stargirl Leonie(2)
Stefan Steinmetz

Antworten: 1
Hits: 253

Stargirl Leonie(2) 09.05.2018 12:10 Forum: Stargirl Leonie

Fünf eisige Augenpaare musterten Leonie wie ein Insekt, das man zerquetschen musste.
Sie würden es tun. Sie würden Leonie zerquetschen. Sie würden sie in Fetzen reißen. Sie würden ihr das Fleisch von den Knochen lösen. Sie würden ihr die Kehle durchbeißen; sie vor aller Augen töten. Sie würden sie kreuzigen. Sie würden sie mitten auf dem Schulhof bei lebendigem Leib verbrennen. Leonie würde sterben.
Wie konnte ich nur!
Ein Monat war es her. Gerade mal einen Monat. Ihr kam es vor wie ein Jahr. Sie hatte reichlich Zeit gehabt, Angst zu bekommen, und sie hatte Zeit gehabt, Hoffnung zu fühlen und wieder zu verlieren. Ein Monat kann lang sein, wenn man wusste, dass man am Ende dieses Monats hingerichtet werden würde.
Warum habe ich das nur getan? Warum? Ich dumme Trine! Warum habe ich den Mund nicht gehalten!? Nur wegen Sophie! Wegen der!
Sophie riss doch immer den Rand auf. Sie war das schönste Mädchen der Schule und bekannt für ihre große Klappe. Sie war nervig. Jedenfalls in Leonies Augen. Na und? Sollte sie labern! Sollte sie angeben! Das konnte Leonie doch egal sein.
Sie konnte noch immer nicht verstehen, was sie dazu getrieben hatte, vor genau vier Wochen den Mund aufzumachen und diesen einen Satz auszusprechen: „Jan holt mich an meinem Geburtstag nach der Schule ab.“
Mehr hatte sie nicht gesagt. Nur diese zehn Worte. Aber aus diesen zehn Worten waren vier große eckige Nägel geschmiedet worden, mit denen Sophie Schubert und die vier anderen sie ans Kreuz schlagen würden. Aus diesem einen Satz war ein riesiger Holzhaufen entstanden: Der Scheiterhaufen, auf dem Leonie lebendig verbrannt werden würde. Diese zehn Worte hatten sich in scharfe Eisenklauen verwandelt, mit denen man ihr das Fleisch von den Knochen reißen würden.
Warum habe ich nicht den Mund gehalten? Warum habe ich das gesagt? Ich dumme Kuh! Wie konnte ich nur!
Wieder wollte das Wimmern aus ihrer Kehle heraus witschen und Tränen brannten in ihren Augen.
Sie hatte es gesagt. Einfach so.
Zuerst hatte keine darauf reagiert. Sie hatten Leonies Satz nicht wirklich mitbekommen. Leonie wünschte sich nichts so sehr, als dass es dabei geblieben wäre. Hätten sie den Satz nicht geschnallt, wäre sie jetzt nicht hier und würde nicht eines elenden Todes sterben müssen.
„Ich habe Karten fürs Konzert in Saarbrücken.“ Sophie Schuberts helle wohlklingende Stimme, die die Herzen der Jungs an der Schule erschauern ließ. „In einem Monat! Finja und ich fahren hin. Wir werden Nik treffen. Wir werden ihn persönlich kennenlernen.“ Sie nannte ihn Nik. Alle nannten ihn Nik. Nur Leonie nicht. Wenn sie an ihn dachte, nannte sie ihn immer Jan. Niemals Nik.
Jannik. Jannik Faber. Zwanzig Jahre alt. Groß. Gut aussehend und Augen so blau wie die See in der Antarktis. Jan. Jan. Ihr Jan. Oh Jan!
„Jan holt mich an meinem Geburtstag nach der Schule ab.“ Nur diese wenigen Worte. Worte die einschlugen wie eine Bombe.
Sophie hatte Alina angestoßen und mit dem Kopf in Richtung Leonie genickt: „Klein Leo geht nicht zum Konzert. Sie ist noch zu klein. Mama lässt sie nicht.“ Gehässiges Kichern rundum. Sie suchten sich gerne die Kleinen und Schwachen aus, die fünf Maiden von Gehässigstein.
Antonia mit gespitztem Mund flötend: „Mamalein sagt ganz laut Nein.“
„Tja, Pech.“ Maja, die Selbstbewusste. „Kannst ja im Internet Ausschnitte vom Konzert gucken.“
Und Leonie, die kleine stille Leonie, die nie Streit anfing und sonst eigentlich nichts auf das angeberische Getue der fünf Hühner gab, hatte die Schultern gezuckt und still in sich hinein gelächelt. Sie hatte so getan, als sei es völlig belanglos, ob sie zum Konzert durfte oder nicht.
Es war Nina Anschütz, die sie fragend ansah, nicht eine der fünf Megären. Nina schaute sie an und fragte: „Was denn?“
Da hatte Leonie es gesagt. „Konzert? Pah!“, hatte sie gesagt. Und dann hatte sie die zehn Worte ausgesprochen, die sie in den nächsten Minuten einen schrecklichen Tod sterben lassen würden: „Jan holt mich an meinem Geburtstag nach der Schule ab.“
Eine volle Minute hatte es gedauert. Volle sechzig Sekunden. Leonie hatte innerlich mitgezählt. Sophie und Alina hatten gelacht und etwas über Autogramme gesagt und Finja hatte davon geschwärmt, wie sie Nik treffen würden und …
… es war still geworden. Totenstill. So still, dass man eine Stecknadel hätte zu Boden fallen hören. Münder hatten sich geöffnet und waren offen geblieben. Augen hatten sich geweitet.
Sophie glotzte Leonie an wie den Mann im Mond. „Ah?“ Mehr brachte sie nicht hervor. „Ah?“ Dann verzog sich ihr Gesicht zu einer einzigen Frage. Sie schüttelte ihre blonde Mähne: „Wie bitte? Ich glaube, ich habe mich gerade verhört.“
Jetzt hätte Leonie schweigen können und alles wäre gut gewesen. Aber sie hatte den Mund nicht halten können. Sophie Schubert war die größte Nervensäge der Welt und Leonie ertrug sie keine Sekunde länger. Sie atmete innerlich tief durch und sagte wie nebenbei: „Das war doch klar verständliches Deutsch, Sophie. Oder?“
Sophie, die Augen aufgerissen, ungläubig: „Nik holt dich an deinem Geburtstag nach der Schule ab?“
Leonie hatte nur gelächelt.
Es hatte einen Moment so ausgesehen, als würde Sophie es glauben. Dann war ein Ruck durch ihre Gestalt gegangen und sie hatte ihre hochnäsige Maske aufgesetzt: „Du spinnst ja! Nie im Leben!“
Leonie hatte die Achseln gezuckt: „Brauchst es ja nicht zu glauben.“
„Tu ich auch nicht!“ Sophies Augen waren zu Schlitzen geworden. „Du willst doch nur angeben!“
Wer ist denn hier die Angeberin?, dachte Leonie.
Alina war von rechts gekommen, hatte sie am Arm gepackt: „Jetzt mal ohne Scheiß, Leonie! Nik holt dich an deinem Geburtstag ab? Ihr seid verabredet?“
„Sag ich doch“, gab Leonie zurück. Sie sprach leise und sanft, wie jemand, der es nicht nötig hat, sich zu verteidigen.
Plötzlich waren die fünf um sie herum. Dazu noch andere.
„Das ist nicht den Ernst!“
„Nik und du, ihr seid befreundet?“
„Kann nicht sein!“
„In der HALLO steht, Nik hat keine Freundin!“
Sie hatten Leonie von allen Seiten beharkt und sie hatte nur hier und da zurückgegeben: „Doch. So ist es. Ihr werdet es ja sehen!“
Und jetzt stand sie hier am Straßenrand und würde sterben. Nicht nur Sophie, Alina, Finja, Antonia und Maja standen bei ihr. Sämtliche Mädchen aus ihrer Klasse lungerten in der Nähe herum und noch etliche andere, die im Laufe der letzten vier Wochen mitbekommen hatten, dass Leonie Ammon mit Nik verabredet war. Mit Nik!
Sie würden sie steinigen!
Sie würden sie auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Bei lebendigem Leib.
Sie würden sie von wilden Löwen zerreißen lassen.
Sie würden sie umbringen - einfach umbringen.
Leonie Ammon war tot.
Blick auf die Armbanduhr. Eine Minute noch. Die Straße war leer. Sie zog sich nach beiden Seiten bis in die Unendlichkeit. Kein Auto in Sicht. In einer Minute würde hier kein Wagen anhalten.
Leonie hatte auch nicht damit gerechnet. Nicht mehr. Anfangs schon. Ein kleines bisschen. Ein klitzekleines bisschen. Da war diese dumme, kleine Hoffnung gewesen.
Sophie schaute die Straße hoch und hinunter. Sie blickte Leonie an. „Er kommt wohl nicht. Hat dich wahrscheinlich vergessen.“ Gehässiges Lächeln.
Hat er nicht!, wollte Leonie antworten, doch ihre Kehle war zugeschnürt. Ihr war eisig kalt. Natürlich würde er nicht kommen.
Sie hatte ihm geschrieben, hatte ihm einen Brief geschickt und alles gebeichtet, hatte in schonungsloser Offenheit ihre Dummheit offengelegt und ihn gebeten, sie zu retten. Nur dieses eine Mal, bitte Jan! Nur abholen und hinter der nächsten Straßenecke absetzen.
Anfangs hatte sie Hoffnung gehabt, es würde passieren. Sie hatte sich kleinen Tagträumen hingegeben, in denen Jan sie rettete.
Er kam nicht. Wie denn auch? Er hatte den Brief nie gelesen. Er hatte ihn nie erhalten. Wie viele Briefe bekam er täglich? Zwanzig? Hundert? Tausend?
Was hatte sie sich dabei gedacht? Hatte sie sich wirklich eingebildet, Jan würde ihr helfen?
Selbst wenn er ihren Brief durch puren Zufall in die Hände bekommen hätte, würde er keinen Finger rühren für ein dummes Schulmädchen, dass sich in die Sch … geritten hatte.
Dann werde ich jetzt sterben, dachte Leonie.
Sie konnte so tun, als hätte er es vergessen, als wäre ihm ein Termin dazwischen gekommen oder sonst etwas. Natürlich würden die Megären nichts davon glauben. Sie würden über sie herfallen - alle fünf. Und die anderen würden zusehen.
Sophie Schuberts Lächeln war inzwischen eisern geworden. Ihre Augen blitzten wie Eisstücke in ihrem makellosen Gesicht: „Er verspätet sich anscheinend wirklich, was Leonie? Warum rufst du ihn nicht an und fragst, wo er bleibt?“
Er hat sein Handy beim Autofahren ausgeschaltet, hätte Leonie sagen können. Wusste doch jeder. Das hatte in der HALLO gestanden und im POPJUGEND. Aber sie brachte kein Wort heraus. Ihr Innerstes krampfte sich zusammen. Es war aus. Es war soweit. Ihr war schlecht vor Angst. Aber sie weinte nicht. Noch nicht.
Ihr Blick verschwamm. Sie sah nicht mehr richtig. Aber sie sah, wie etwas mit Sophie Schuberts Gesicht passierte. Es geriet aus den Fugen. Es verzog sich, als sei es aus Gummi und große Hände zögen daran.
Leonie war so sehr auf ihren Untergang konzentriert, dass sie mehrere Sekunden benötigte, um zu erkennen, was sich vor ihren Augen abspielte.
Sophie Schuberts Augen weiteten sich. Sophie riss die Augen auf, so weit, dass Leonie sicher war: wenn sie sich noch einen einzigen Millimeter weiter öffnen würden,würden Sophie die Augen aus dem Kopf fallen - einfach heraus plumpsen.
Sie sah, wie Sophies Mund aufging wie ein Garagentor und auf Dreiviertel offen stehen blieb.
Leonie schaute verdutzt. Dann erkannte sie, dass auch Alina, Finja, Antonia und Maja mit offenen Mündern auf etwas hinter ihr starrten. Sie vernahm seltsame Geräusche, die aus den Kehlen der Mädchen hervorquollen, heiseres Ächzen, atemloses Fiepen und ein komisches Kieksen. Die Gesichter der Mädchen spiegelten völlige Überraschung und absoluten Unglauben wider. Und Aufregung.
Leonie hörte es, bevor sie sich umdrehte. Weit in der Ferne kam ein Röhren auf, ein zugleich heiseres und dumpfes Grollen, dunkel zuerst und heller werdend, dann kurz unterbrochen, wenn geschaltet wurde, und wieder von vorne beginnend. Sportauspuff.
Sie drehte sich um. Sie bewegte sich wie eine Schlafwandlerin. Rund um sie juchzten und seufzten sämtliche Mädchen, die Augen aufgerissen, die Hände vor den Mund geschlagen.
Der Wagen kam von links. Er musste aus der Hermannstraße abgebogen sein. Leonie sah die niedrige Silhouette und die Farbe. British Racing Green. Es hatte in der HALLO gestanden. Sie hörte das Röhren des bulligen Sechszylinders näher kommen.
Das kann nicht sein! Das kann nicht …
Sophie Schubert und die anderen fiepten und japsten noch immer mit aufgerissenen Augen, als der Morgan Roadster mit chromfunkelnden Speichenrädern direkt vor Leonie am Straßenrand anhielt. Zwei Sekunden bollerte und grollte der große Sechszylinder im Leerlauf. Dann erstarb er mit einem Fauchen. Der Wagen stand still.
Leonie stand da wie erstarrt. Sie konnte sich nicht rühren. Ungläubig sah sie, wie er seine Sonnenbrille abnahm und mit einer lässigen Bewegung an den Rückspiegel hängte. Er stieg aus. Er kam nicht hinten herum. Er marschierte in aller Seelenruhe an der ewig langen Motorhaube des Morgan entlang, umrundete sie ohne Eile und kam auf sie zu, ein Zwanzigjähriger mit dichtem dunkelblondem Haarschopf, einen Meter vierundachtzig groß. Seine Schultern verdeckten die Welt. Seine Augen waren so blau wie das Wasser in der Antarktis.
Rundherum quiekten und japsten die Mädchen. Einige stießen verzückte kleine Schreie aus. Er sah sie nicht an. Seine Augen ruhten auf ihr, auf Leonie. Dann lächelte er und Leonie spürte, wie ihr Herz mit einem Knall zerplatzte.
Vor ihr stand Jannik „Nik“ Faber, Leadsänger, Songschreiber und Bandleader der Peoples, der angesagtesten Boyband in Deutschland, der Junge, in den alle Mädchen verliebt waren.
Im Augenwinkel sah Leonie Sophie Schubert zu ihr her starren, voller Unglauben und sprachlos.
Leonie konnte sich nicht rühren. Sie konnte nicht sprechen. Sie konnte nicht einmal denken.
Er stand vor ihr, leibhaftig vor ihr. Er kam einen Schritt näher. Seine Augen senkten sich in ihre. Sein Lächeln wurde sanft, es wurde persönlich. Er fasste sie rechts und links an den Ellbogen und ein winziger Rest Verstand in Leonies vollkommen blockiertem Hirn erfasste, dass er sie festhielt, sie festhalten musste, sonst wäre sie umgekippt.
„Hi Leonie“, sagte er mit dieser unglaublichen Stimme, so weich wie Samt und so rau wie Schmirgelpapier, so dunkel und kehlig, dass jedem Mädchen, das diese Stimme hörte, große Hände in den Bauch krochen und dort zu wühlen begannen.
Er beachtete die anderen Mädchen nicht. Er hatte nur Augen für sie. Sein Lächeln vertiefte sich noch weiter. „Alles Gute zum Geburtstag.“
Und dann küsste er sie.

Thema: Stargirl Leonie(1)
Stefan Steinmetz

Antworten: 1
Hits: 226

Stargirl Leonie(1) 08.05.2018 19:32 Forum: Stargirl Leonie

Es war der 16. April, der Tag ihres fünfzehnten Geburtstags, viertel nach eins und Leonie Ammon wusste, dass sie in wenigen Minuten sterben würde.
Sie hatte nicht gewusst, dass Angst einem die Luft abschnüren konnte. Ihr Magen war ein kleiner, glühend heißer Ball. Sie hatte Bauchweh und ihr war schlecht. In ihren Augen brannten Tränen, die sie nicht herauslasse durfte, und in ihrer Kehle steckte ein verzweifeltes Wimmern fest, bereit, jederzeit herauszukommen und jeden wissen zu lassen, dass Leonie vor Angst umkam.
Sie zwang die Tränen zurück und ließ das Wimmern nicht heraus. Sie verwandte ihre ganze Kraft darauf, sich nicht anmerken zu lassen, dass ihr sterbenselend zumute war und sie vor Angst verging.
Oh, warum habe ich das getan? Warum nur? Wie konnte ich nur?
Leonie Ammon litt, wie sie noch nie gelitten hatte. Sie litt Höllenqualen. Sie würde sterben. Hier und jetzt. In wenigen Minuten.
Ein flüchtiger Blick auf die Uhr: noch fünf Minuten. Nur noch fünf Minuten. Zu wenig. Keine Chance. Sie wusste das. Nicht dass sie wirklich geglaubt hätte, eine Chance zu haben. Nicht wirklich.
Das Wimmern in ihrer Kehle versuchte herauszukommen. Leonie hielt es mit aller Kraft zurück. Gleichzeitig musste sie den letzten Rest ihrer Power aufwenden, um zu verhindern, dass sie anfing zu zittern. Das durfte sie nicht! Auf keinen Fall!
Nicht zittern! Nicht wimmern! Nicht weinen! Nicht! Sonst …
Sonst bringen sie mich um.
Aber sie würden sie sowieso umbringen.
Leonie war zum Tode verurteilt. Sie würde sterben. Kurzer Blick auf die Uhr: in etwas mehr als vier Minuten.
Warum nur habe ich mich darauf eingelassen? Warum? Warum? Wie konnte ich nur?
Leonie hätte alles getan, um es ungeschehen zu machen, aber das ging nicht. Sie blickte ihrem unausweichlichen Untergang sehenden Auges entgegen. Sie sah den Tod in langen, gemächlichen Schritten auf sich zukommen. Sie würde sterben.
Ein Blick zur Seite. Eisenharte Blicke trafen sie wie Speere. Von ihnen! Kalte Augen musterten Leonie, die Augen von Spinnen, die ihr Opfer im Visier hatten, Augen ohne Gnade, Augen, die kein Erbarmen kannten. Mörderaugen. Sie würden sie töten.
Das Schrecklichste daran war: Sie hatten das Recht, es zu tun. Leonie war selbst schuld an ihrer Lage.
Oh, warum habe ich das gesagt? Warum? Wie konnte ich nur!
Sie blickte die Straße entlang ohne jede Hoffnung. Sie wusste, es würde keine Rettung kommen. Doch sie hatte gehofft. Denn mehr hatte sie nicht gehabt. Nur diese jämmerliche kleine Hoffnung.
Sie hatte eine Weile daran geglaubt, hatte sich an die winzige, erbärmliche Hoffnung geklammert, bangen Herzens darum betend, sie möge doch bitte bitte errettet werden, auch wenn sie kein Recht darauf hatte.
Sie bekam, was sie verdiente. Aber etwas in Leonie hatte sich an den Strohhalm geklammert, der sie vor dem Ertrinken bewahren sollte.
Die Straße war breit und Autos fuhren darauf. Aber es kam keine Rettung.
Sie schaute in ihre Augen: Sophie Schubert, blonde Haare, Augen aus Eis. Sie würde den Todesstoß führen. Alina Schleppi, dunkle Haare, dunkle Knopfaugen wie eine Ratte, mordgierig. Finja Didion, dunkelblond, rauchgraue Augen, eine ganz Stille, die aber gerne mal laut lachte, vor allem, wenn sie tötete. Antonia Betz, schwarzes Haar, blaue Augen und in ihrer Grausamkeit Sophie Schubert in nichts nachstehend. Und Maja Neuschwander, rotblond, quirlig und selbstbewusst. Keine Killerin aus Passion, aber wenn es sein musste, konnte auch Maja giftig wie eine Klapperschlange sein. Klapperschlangen waren tödlich. Das wusste jeder.
Leonie blickte dem fünffachen Tod in die Augen. Sie sah nichts als lauernde Kälte und absolute Erbarmungslosigkeit. Sie freuten sich darauf, Leonie sterben zu sehen. Wahrscheinlich auch all die anderen, die in der Nähe standen. Sie warteten. Sie lauerten ...
Wenn ich es doch nur nicht getan hätte! Wenn ich still geblieben wäre! Wenn …!
Wieder wollte das Wimmern aus Leonies Kehle hervor quellen. Sie hielt es zurück. Sie wunderte sich, wie sie das schaffte, wo sie doch jeden Moment anfangen würde, vor Todesangst am ganzen Leib zu schlottern.
Mama? Mama! Was soll ich nur machen? Oh Mama, ich habe solche Angst! Mama, ich bin so allein! Mama, hilf mir! Mama, ich muss sterben!

Thema: Clankind
Stefan Steinmetz

Antworten: 0
Hits: 476

Clankind 31.03.2018 21:06 Forum: Clankind

Clankind ist auf Amazon erschienen, das 2.Buch der Nachtkindreihe:

Die kleine Charlotte lebt abwechselnd bei ihrem Adoptivvater Frank Reuter und beim Clan, wo sie Kontakt zu anderen Clankindern hat. Alles scheint gut, aber dann tauchen in den Wäldern Bestien auf, die Kinder anfallen und beim Clan wird Charlotte schlecht behandelt. Schließlich gerät sie zusammen mit ihrer Schwesterfreundin Irina in schreckliche Gefahr. Eine afrikanische Albino-Sekte will sie alle beide den wilden Bestien opfern.

Wichtig: Dieses Buch nur lesen, wenn man vorher das erste Buch (Nachtkind) gelesen hat, sonst kapiert man nichts.

Preise:
Buch: 17,12 Euro
Kindle: 4,99 Euro

Auf Amazon hier zu finden:
Buch: https://www.amazon.de/dp/198741134X/ref=...inmetz+Clankind
Kindle: https://www.amazon.de/dp/B07BTMLNB6/ref=...ywords=clankind

Thema: Die zwei ineinander verdrehten Bäumchen(2)
Stefan Steinmetz

Antworten: 6
Hits: 4869

19.02.2018 22:24 Forum: Die zwei ineinander verdrehten Bäumchen

Zitat:
Original von Richard Uhlig

Was wäre wohl wenn Melanie von dieser Geschichte erfahren würde?



Das habe ich mich -ehrlich gesagt- auch so manches Mal gefragt ...

Thema: Der Durchgang ins Königreich Bayern
Stefan Steinmetz

Antworten: 0
Hits: 693

Der Durchgang ins Königreich Bayern 02.01.2018 13:21 Forum: Der Durchgang ins Königreich Bayern

Mitte der Siebzigerjahre:
Der dreizehnjährige Martin ist am Ende. In der Schule ird er gemobbt und zu Hause schwer misshandelt. Er beschließt, Selbstmord zu begehen. Da entdeckt er per Zufall beim Bahnhof von Homburg einen Durchgang in ein anderes Land, ein Land, in dem es ähnlich ist wie zu Kaisers Zeiten und doch anders, denn es ist eine Parallelwelt.
Im Königreich Bayern gibt es keine Übervölkerung, keine Umweltverschmutzung und keinen drohenden Atomkrieg. Dampfmaschinen und Uhrwerke treiben alles an und die Menschen leben in einer ländlichen Umgebung. In dieser faszinierenden Parallelwelt lernt Martin ein gleichaltriges Mädchen kennen.
Jede Woche verbringt er einige Stunden in dieser beschaulichen Welt und kann so dem grausamen Hier und Jetzt für kurze Zeit entkommen. Nur eins stört ihn: Dass er immer wieder zurück muss in die Welt, die für ihn eine Hölle ist. Gibt es ein Entkommen?

Dies ist quasi der erste Roman, der im Königreich Bayern spielt, jener faszinierenden Parallelwelt, in der auch Melissas Sehnsucht , Aufziehmädchen Emma und Das Lehm spielen.
Mit knapp 13 Jahren träumte der Autor von dieser Parallelwelt und baute sie in Gedanken immer weiter aus.

Taschenbuch:
Preis: 10,70 Euro
https://www.amazon.de/dp/1983476641/ref=...z+der+durchgang


Kindle:
Preis: 3,32 Euro
https://www.amazon.de/dp/B078RNF4JH/ref=...z+der+durchgang

Thema: Abschlussbericht 2017
Stefan Steinmetz

Antworten: 2
Hits: 674

Abschlussbericht 2017 30.12.2017 17:12 Forum: Neuigkeiten und Infos

Hier mal der Bericht über meine diesjährigen Buchverkäufe:

Der Elfenmacher Buch: 1 Kindle: 1
Die Sektenkinder von Völklingen Buch: 3 Kindle: 2
Papierschwalben im Abendwind Buch: 0 Kindle: 1
Aufziehmädchen Emma Buch: 1 Kindle: 2
Es weihnachtet Buch: 0 Kindle: 0
Nachtkind Buch: 0 Kindle: 1
Melissas Sehnsucht Buch: 1 Kindle: 3
Adoptivkind Stefanie Buch: 1 Kindle: 2
Mars First Buch: 5 Kindle: 6
Die Gottesanbeterin Buch: 0 Kindle: 1

In 2017 gesamt verkauft: 31 Stück

Ein-und-dreißig Stück!!! Boah! Doch so viel! Das ist gegenüber 2016 eine Steigerung von vollen 20%!!! Irre! Wenn das so weitergeht, werde ich es doch noch schaffen, die Kosten für das Korrektorat der Bücher innerhalb von zwanzig Jahren abzustottern. Find ich toll!
Toll finde ich ebenfalls, dass auch in diesem Jahr wieder niemand das Buch mit Weihnachtsgeschichten gekauft hat.
Ebenfalls gut geschlagen hat sich Nachtkind. Unglaubliche EIN Exemplare wurden verkauft! Wahnsinn! Doch so viel!

Ich muss immer daran denken, wie mich die Leutchen auf Webstories und später auch auf Dani und meiner Homepage mit Kommentaren und Emails überschüttet haben, wie suuuuper der Roman sei und: „Wenn das mal als Buch erscheint, werde ich es soooooofort kaufen!“
Wenn jeder, der damals den Rand aufgerissen hat, das Buch gekauft hätte, hätte ich mindestens 400 Exemplare verkauft und nicht eins! Aber immerhin: fette 0,25% der möglichen Verkäufe wurden ja erreicht. Ist doch ein super Ergebnis, nicht?

Ich frage mich immer noch, warum die Leute immerzu den Rand aufgerissen haben und behauptet haben, sie würden sooooofort ein Buch kaufen, wenn es gedruckt würde. Soooofort!!! KEINER hat gesofortet.
Warum zum Kuckuck haben die mich jahrelang mit Emails geradezu überschüttet, dass sie das tun würden? Ich verstehs nicht. Das krieg ich nicht in meinen Kopf.

Ich werde ab heute meine Schreiberei wieder als ein rein persönliches Hobby betrachten und die Kosten fürs Korrektorat unter „Ausgaben fürs Hobby“ verbuchen. Eine neue Gore-Tex-Kombi fürs Radfahren kostet ja auch mal locker so viel wie das Korrektorat von Nachtkind.
Hauptsache, ich habe meine Schreibe sauber von Tippfehlern befreit als Buch im Regal stehen.

Die ganzen Emails von Leuten, die mir jahrelang die Ohren vollgegrölt haben, dass sie ja sooofort ein Buch kaufen würden, wenn es gedruckt erscheinen täte, habe ich rausgekramt, kleingeschnitten und im Bad aufgehängt. Damit werde ich mir nach dem *** den Hintern abwischen. Zu mehr taugen diese Mails nicht beziehungsweise, dann taugen sie wenigstens noch für etwas.

Wünsche euch allen einen guten Rutsch.

Zeige Themen 1 bis 20 von 278 Treffern Seiten (14): [1] 2 3 nächste » ... letzte »

Powered by Burning Board Lite 1.0.2 © 2001-2004 WoltLab GmbH