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Geschrieben von Stefan Steinmetz am 26.05.2019 um 13:22:

Stargirl Leonie(19)

Jannik steuerte Beule durch die Nebenstraßen zum geheimen Treffpunkt. Heute sollte er also dem Muttertier vorgestellt werden. Es behagte ihm kein bisschen. Er hatte auf diesen Besuch ungefähr so viel Lust wie auf eine beidseitige Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Er war noch nie bei einer seiner Freundinnen zu Hause gewesen. Mit lindem Grausen dachte er an inquisitorische Fragen nach seiner Schulbildung und Berufsausbildung, nach seinem Einkommen und was er denn später mal so machen wolle. Grässliche Vorstellung.
Nein, bei früheren Liebschaften hatte es das nicht gegeben. Er hatte nicht im Traum daran gedacht, sich einem solchen Verfahren zu unterziehen. Das konnte ihm gestohlen bleiben. Neugierige Mütter, die ihn verhörten und ihn dabei voller Misstrauen anstarrten, hielt er sich vom Leib.
War ja auch nie Sache, dachte er. Wie denn auch? Hat ja nie lange genug gehalten.
Länger als drei oder vier Tage hatte er nie mit einem Mädchen verbracht. Seine Liebschaften waren fast ausschließlich Eintagsfliegen gewesen; One-Night-Stands.
Dahinter steckte Absicht, musste er sich eingestehen. Er hatte nie etwas Tiefergehendes gesucht. Stattdessen hatte er alle Mädchen auf Abstand gehalten. Er wollte keine feste Beziehung. Mit keiner. All die Mädchen, die ihn anhimmelten und sich ihm an den Hals warfen, bedeuteten ihm wenig bis gar nichts. Er war nicht besser als Timo und Florian. Er bediente sich, wenn ihm etwas angeboten wurde. Er hatte kein schlechtes Gewissen deswegen gehabt. Nie.
Nur hatte er, im Gegensatz zu Monsieur Bennett, darauf geachtet, dass die Mädchen, die er abschleppte, volljährig waren. Nur selten hatte es Ausnahmen gegeben. Florian hingegen nahm auch Sechszehnjährige mit ins Bett.
„Und ausgerechnet der stänkert jetzt rum“, brummte Jannik, während er Beule durch das Viertel steuerte. „Idiot!“

Als Jannik sich fertig machte, um Leonie abzuholen, war Florian zu ihm getreten und hatte ihn angegrinst. „Na? Fährste wieder zu deinem kleinen Schulmädchen? Stehst wohl auf die ganz Kleinen, was Alter? Auf so was ganz Junges.“
Max, der bei Jannik stand, hatte Florian ruhig angeschaut. „Eifersüchtig, Herr Bennett?“
Florian hatte den Drummer der Band mit offenem Mund angestarrt. Für einen Moment war er sprachlos. Jannik hatte sich gefreut. Guter alter Max.
„Du wolltest die Kleine wohl für dich selbst haben“, legte Maximilian noch einen drauf. „Kannst es nicht ab, dass Nik sie dir vor der Nase wegschnappte.“
Florian war hochgegangen wie ein Kastenteufel. „Du hast sie wohl nicht alle! Bin ich ein Kinderficker?! Ich nehme keine kleinen Schulmädchen!“
In Jannik war etwas hoch gebrodelt. Eine bösartige Hitze war im in den Kopf gestiegen und all seine Muskeln standen plötzlich unter Spannung.
Max hatte es sofort bemerkt. Er hatte Jannik einen Schubs verpasst. „Lass das, Mann! Was soll das? Kloppen wir uns jetzt schon im Aufnahmestudio? Sind wir eine Band? Sind wir Freunde? Ja? Dann halten wir zusammen und schlagen uns nicht zusammen! Komm runter, Nik!“ Als Jannik zu einer Antwort ansetzte, hatte Max ihn aufs Korn genommen: „Was denn? Willst du mir jetzt sagen, dass ‚der da‘ angefangen hat?
Herr Lehrer! Herr Lehrer! Ich weiß was! Im Keller brennt noch Licht! Ich weiß sogar, wer es angelassen hat, Herr Lehrer!
Sind wir hier im Kindergarten?“
Dann hatte Max sich zu Florian umgedreht und ihn angeschaut - ihn einfach nur angeschaut. Florian hielt seinem Blick nicht lange stand. Er hatte etwas gebrummt und war ins Studio zurückgegangen.
„Na also“, hatte Max gesagt und Jannik aufmunternd auf die Schulter geklopft. „Alles wieder gut. Zieh Leine, Mann, sonst kommst du zu spät zu deinem Rendezvous.“
Jannik war losgezogen. Aber es war nicht wieder gut. Sein Freund Florian Bennett hatte mächtig Minuspunkte gemacht und er war auf Janniks Arschlochliste um nicht wenige Positionen nach oben gerutscht.

Bei jedem anderen Mädchen wäre es mir egal, dachte Jannik, als er den Blinker setzte und rechts abbog. Aber nicht bei Leonie.
Nein. Nicht bei Leonie. Bei Leonie war es anders. Florians gehässige Bemerkungen hatten Jannik tief getroffen. Sie hatten ihn verletzt. Er war wütend geworden. Die Wut wich nur zögernd von ihm.
„Leonie!“, flüsterte er, während er den Wagen die Straße hinauf lenkte. „Was machst du mit mir?“
Noch nie hatte ein Mädchen solche Gefühle in ihm ausgelöst. Er fieberte dem Treffen mit Leonie entgegen. Wenn er nur an sie dachte, schlug sein Herz.
Keine ist wie du, dachte er. Höchstens Johanna.
Aber Johanna war nicht mehr. Johanna war fort.
Jannik bog um die letzte Kurve. Er sah Leonie am Treffpunkt stehen. Sie hatte ihre Schultasche zwischen ihren Füßen abgestellt und stand mit vor dem Bauch gekreuzten Handgelenken da, den Kopf gesenkt. Sie sah aus wie eine arme Büßerin, die ihr Schicksal erwartet.
Janniks Herzschlag beschleunigte enorm. Etwas brandete in ihm hoch. Diesmal war es nicht heiße Wut wie eben im Studio. Es war Liebe, eine Wärme, die er nie zuvor erlebt hatte. Er brachte den Dacia zehn Meter vor Leonie am Straßenrand zum Stehen. Das Mädchen hörte es nicht und sie sah den Wagen nicht, weil sie einen Punkt direkt vor ihren Füßen anstarrte.
Jannik stieg aus. Er lief mit raschen Schritten zu Leonie. Bei jedem Schritt schlug sein Herz noch schneller. Das Gefühl absoluter Sehnsucht in seinem Inneren grub messerscharfe Klauen in sein Herz. Süßer Schmerz flutete durch seine Seele. Irgendetwas dort drinnen drohte zu zerreißen. Leonie!
Dann war er bei ihr und riss sie in die Arme.
Sie schrak zusammen und blickte zu ihm auf. Als sie ihn erkannte, passierte etwas mit ihren Augen. Der Ausdruck darin trieb die scharfen Klauen noch tiefer in Janniks Herz. Heißes Blut sprudelte hervor. „Jan!“, hauchte sie und drückte sich an ihn. „Jan!“
„Leonie!“, sagte er und umschloss sie mit den Armen. „Leonie!“
In zehn Metern Entfernung tuckerte der Motor des Dacia leise vor sich hin. Jannik hatte vergessen, ihn abzustellen.

*

Sonja Ammon saß vor ihrem aufgeklappten Laptop. Sie schaute sich noch einmal das Video an, auf dem der Bandleader der Peoples ihre Tochter verliebt ansang.
„When I saw into your eyes something happened inside my heart“, sang dieser Jannik Faber. „You! Always you! There´s no other. Only you.“
Sonja schüttelte den Kopf. Warum ausgerechnet der? Warum konnte es kein ganz normaler Junge aus Leonies Schule sein? Warum musste es dieser Popstar sein? Und dann auch noch so alt! Zwanzig!
Sie hatte am Morgen den Vertrag unterzeichnet. Das Haus gehörte ihr. Danach war sie losgezogen und hatte die neuesten Ausgaben von HALLO und POPJUGEND gekauft. In den Zeitschriften fand sie Artikel über die Peoples. Es war auch die Rede von ihrer Tochter.
„Wer ist dieses geheimnisvolle Mädchen?“, rätselte ein Reporter. „Wer ist Leonie? Woher kommt sie? Bedeutet ihr Erscheinen etwas Besonderes? Hat Nik jetzt eine Freundin? Wird es etwas Festes? Zehntausende Mädchen im ganzen Land stellen sich diese Fragen; Mädchen, die Nik lieben. Was wird die Zukunft bringen?“
Sonja betrachtete die Fotos, auf denen Leonie zu sehen war. Es gefiel ihr nicht, Fotos ihrer Tochter in diesen Zeitschriften zu sehen. Das war nicht gut. Überhaupt nicht gut.
„Warum ausgerechnet dieser Nik?“, flüsterte sie. Sie seufzte. Sie machte sich Sorten um Leonie.
Draußen fuhr ein Auto vor. Sie hörte Türen schlagen. Sie kamen. Sonja schaltete den Computer aus und legte ihn beiseite. Sie schaute nach dem leise vor sich hin brodelnden Eintopf auf dem Herd. Die Wohnungstür wurde aufgeschlossen. Sie hörte, wie eine Schultasche in Leonies Zimmer abgestellt wurde. Schritte, die näher kamen. Sonja drehte sich um.
Mann!, dachte sie und kam sich im selben Moment blöd vor, weil sie ihn anstarrte. Sie hatte gelesen, dass er einen Meter vierundachtzig groß war, aber in ihrer kleinen Wohnung wirkte er noch größer. Er war schlank und sah irgendwie kantig aus, fand sie. Wie ein Gardesoldat. Neben Leonie wirkte er wie ein Riese. Wache Augen blickten Sonja entgegen. Sie waren tiefblau und ernst. Er trug Jeans und ein dunkelrotes Flanellhemd.
„Guten Tag, Frau Ammon.“ Er kam auf sie zu und reichte ihr die Hand.
Sie nahm seine Hand: „Guten Tag Herr Faber.“
„Bitte nicht.“ Sein Lächeln war freundlich und er wirkte unverkrampft. „Nennen Sie mich bitte Jannik wie alle anderen es auch machen.“
„Jannik also.“ Sonja zeigte zum Herd. „Ihr beide kommt gerade recht. Das Essen ist fertig. Wir müssen nur noch rasch den Tisch decken.“
„Machen wir, Mutti.“ Leonie segelte zum Küchenschrank und holte Teller und Besteck und einen Untersetzer für den großen Topf. Der Junge half ihr wie selbstverständlich, den Tisch zu decken.
Währenddessen bemühte sich Sonja, etwas Small Talk zu machen. „Habt ihr euch wirklich auf diese seltsame Art kennengelernt? Leonie hat es mir erzählt.“
Jannik lächelte sie an: „Ja. Genauso war es.“
„Sie haben meine Tochter aus großer Not gerettet. Wie ein tapferer Ritter.“
Er schaute sie einen Moment still an. Dann schüttelte er den Kopf. „Nein, Frau Ammon. Habe ich nicht. Ich habe Leonie nicht gerettet. Da war etwas in ihrem Brief, das mich dazu brachte, sie abzuholen.“ Sein Blick wurde nachdenklich. „Ich denke, ich wäre auch gekommen, wenn sie mich gefragt hätte, ob ich sie draußen vor der Stadt zum Rollschuhfahren zu treffen.“ Er nickte kurz. „Ja, denke ich mal.“
Er sah zu, wie Sonja den Suppentopf auf den Tisch abstellte und setzte sich an den Platz, den Leonie ihm zuwies. „Mmm! Das riecht aber gut!“, sagte er, als Sonja den Deckel abnahm.
„Garteneintopf“, erklärte Leonie. „Das ist eine Suppe quer durch den Garten. Das meiste darin haben wir von unseren Balkontöpfen geerntet und aus unserem winzig kleinen Minigarten hinterm Haus. Nur wenig ist im Supermarkt gekauft. Die Wurst natürlich und die Hähnchenbrust. Ansonsten aber nur der Blumenkohl. Bald haben wir einen richtig großen Garten.“ Sie schaute zu ihr her: „Hast du das Haus gekauft, Mutti?“
Sonja nickte. „Heute Morgen. Es gehört uns. Und natürlich der Bank. Bis ich es abgezahlt habe.“
Sie schöpfte Eintopf in die Teller. Jannik bedankte sich artig. Der junge Mann schien Manieren zu haben.
Sie aßen.
„Mein Gott!“, entfuhr es Jannik. „Das ist echt der genialste Garteneintopf, den ich mir je zwischen die Kiemen geschoben habe! Mann, schmeckt das gut!“ Er grinste Sonja mit vollen Backen an: „Echt jetzt!“
„Danke für das Lob, junger Mann“, sagte Sonja.
„Ich meine es ernst“, erwiderte er freundlich. „Ich hatte mal für einige Zeit eine Beinahe-Stiefmutter, die hat auch so gut gekocht.“ Er zögerte, nahm noch einen Löffel Eintopf und sagte: „Fast so gut! Nur fast!“
Er war freundlich, fand Sonja, aber es war keine aufgesetzte Freundlichkeit, um sich bei ihr lieb Kind zu machen. Dieser Jannik schien geradeaus zu sein.
„Das Haus, das Mutti gekauft hat, steht in Berlebach“, sagte Leonie zu Jannik. „Das liegt ganz nahe bei Langenbach. Dann kann ich Mutti mal mit zu Luigi nehmen.“
„Das dauert noch, Schätzchen“, sagte Sonja. „Ich habe dir ja erklärt, dass noch viel an dem Haus getan werden muss. Wir können zufrieden sein, wenn wir vor Weihnachten noch einziehen können.“ Sie schaute Jannik an: „Sie wohnen sicher zur Miete?“
Jannik schüttelte den Kopf: „Ich habe mir vor einiger Zeit ein Haus gekauft. Ich wollte etwas Eigenes. Es liegt ein bisschen abgelegen auf einem Grundstück mit dichten Hecken drum herum. Ich brauche einen Platz, wo ich vor der Presse Ruhe habe. Die Reporter können manchmal echt anstrengend sein.“
„Du hast ein Haus?“ Sonja war überrascht. „Verdient man so gut in der Musikbranche?“
„Ja“, sagte Jannik schlicht. „Tut man. Wenn man berühmt genug ist. Dann fließen Millionen. Nicht lange.“ Er schüttelte den Kopf und löffelte eifrig Eintopf aus seinem Teller. „Lange hält so ein Act nicht. Ich gebe den Peoples noch ein oder zwei Jahre. Bis dahin muss ich Geld zusammentragen, so viel ich kann. Habe ich von Anfang an gemacht. Mit meinem doppelten Fifty-Fifty System.“
Als er Sonjas fragenden Blick sah, erklärte er es ihr: „Wenn ich einen Tausender verdiene, mache ich Fifty-Fifty: Ich lege eine Hälfte des Geldes zur Seite. Das kassiert später Vater Staat. Mit der übrigen Hälfte mache ich nochmal Fifty-Fifty: Eine Hälfte wird gespart für später und die andere Hälfte ist für mich. Auf diese Weise habe ich bereits mehrere Millionen auf die Seite gelegt.“
Sein Teller war leer: „Kann ich Nachschlag haben, bitte?“ Er schaute so flehend, dass sie beinahe angefangen hätte zu lachen.
„So viel du willst, Jannik.“ Sonja schöpfte seinen Teller voll. „Mehrere Millionen? Verdienst du wirklich so viel?“
Er nickte, während er sich mit sichtlichem Behagen vollstopfte. „Es steckt viel Geld drin in der Band. Aber nicht mehr lange, wie ich schon sagte. Die Peoples wird es nicht ewig geben. Darum scheffele ich so viel Geld zusammen, wie ich nur kann. Um abgesichert zu sein. Ich habe keine Ausbildung gemacht. Hatte keine Zeit, weil ich nach der Schule gleich in die Band einstieg. Ich habe nur einen Realschulabschluss. Ich durfte nicht aufs Gymnasium - von zu Hause aus.“ Sein Blick verdüsterte sich für eine Sekunde. „Ich will es mal so ausdrücken: Ich hatte nicht gerade die optimale Familie. Bis auf die Zeit, als ich diese Beinahe-Stiefmutter hatte. Ansonsten war es nicht so dolle.“ Er schaute Sonja geradeaus an. „Nicht alle Menschen haben Glück im Leben. Manche haben eine unschöne Kindheit und Jugend hinter sich.“
Er futterte weiter. „Ich werde das Geld anlegen“, erzählte er Sonja. „Aber nicht nur das. Ich möchte etwas Sinnvolles machen. Ich werde auf jeden Fall als Komponist arbeiten; das liegt mir. Ich schreibe alle Songs für unsere Band. Nur Maximilian, unser Schlagzeuger, hilft manchmal dabei. Die zwei anderen machen nur Musik und singen dazu. Ich werde demnächst anfangen, Songs für andere Leute zu schreiben. Da steckt Geld drin.
Ja, und dann denke ich darüber nach, vielleicht Pferde zu züchten. Ein Gestüt, verstehen Sie? Und eine Apfelbaumplantage dazu. Um Apfelwein zu keltern. Machen die Eltern von Max auch. Sie haben ein Weingut und betreiben daneben noch eine riesige Apfelplantage. Ich habe da schon oft ausgeholfen. Mir gefällt die Arbeit. Es ist ein tolles Gefühl, etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen.“
Sonja unterhielt sich weiter mit Leonie und Jannik.
Da war etwas an dem jungen Mann. Sie konnte nicht genau sagen, was es war. Es fühlte sich an wie ein kleiner Splitter in der Hand. Man fummelte ständig daran herum, ohne etwas zu finden. Es war, als hätte man ein Staubkörnchen im Auge.
Was ist nur mit diesem Jungen?, fragte sie sich. Plötzlich verstand sie.
Er lügt nicht! Er hat nicht ein einziges Mal gelogen! Er ist immer direkt und geradeaus! Er hat nicht mal eine kleine Höflichkeitslüge hervorgebracht.
„Guten Tag, Frau Ammon“, hatte er gesagt. Nicht: „Ich freue mich, Sie kennenzulernen.“ Weil es ihn nicht freute. Im Gegenteil! Es war ihm gewiss unangenehm, von der Mutter seiner Angebeteten begutachtet und ausgequetscht zu werden.
Er hatte nicht gelogen.
Das und seine ganze Art! Jannik Faber war … Sonja suchte nach dem richtigen Ausdruck. Er klang so …
Erwachsen!, dachte sie. Er klingt so unglaublich erwachsen.
Geradezu bestürzend erwachsen, fand sie. Und da war etwas mit seinen Augen. Sie wirkten jung, diese dunkelblauen Augen. Aber tief drinnen meinte Sonja den Blick eines alten, abgeklärten Mannes zu erkennen; eines Mannes, dem das Leben oft genug übel mitgespielt hatte. Diese tiefblauen Augen hatten in ihrem Leben nicht nur Schönes gesehen.
Sonja unterdrückte ein Seufzen. Da war wieder dieses kleine nagende Gefühl in ihrem Bauch. Es wollte einfach nicht verschwinden.


Geschrieben von Richard Uhlig am 26.06.2019 um 12:56:

Du verstehst es ganz gut, die Spannung bezüglich Johanna aufrecht zu erhalten. Immer wieder mal ne Andeutung......und der Leser fiebert der vollen Erklärung, wer Johanna war und was mit ihr geschah, entgegen.

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