Stefans Geschichten (http://www.stefans-geschichten.de/wbblite/index.php)
- Willkommen auf der Homepage von Stefan Steinmetz (http://www.stefans-geschichten.de/wbblite/board.php?boardid=31)
--- Die kleine Privat-Ecke (http://www.stefans-geschichten.de/wbblite/board.php?boardid=86)
---- Mars First - Mit dem One Way Ticket zum Mars (http://www.stefans-geschichten.de/wbblite/board.php?boardid=98)
----- Mars First - Mit dem One Way Ticket zum Mars(8) (http://www.stefans-geschichten.de/wbblite/threadid.php?threadid=1429)


Geschrieben von Stefan Steinmetz am 06.01.2017 um 13:31:

Mars First - Mit dem One Way Ticket zum Mars(8)

Am vierten Tag bauten sie das dritte Habitat auf. Dort sollte die kleine Werkstatt Platz bekommen und der Rest der Living-Unit würde ein Treibhaus werden. Das Gelände war von den Rovern gut geräumt worden. Sie mussten nur einige wenige übriggebliebene Steine entfernen.
Nach stundenlanger Plackerei standen sie da und schauten zu, wie die Living-Unit allmählich aufgeblasen wurde.
„Da ist unser großes Treibhaus“, sagte Antje. Sie klang fröhlich. Man hörte ihr die Freude an, dass sie demnächst ihren Garten anlegen würde.
„Groß?“ Ethan McDuff klang maulig. „Groß wäre die aufblasbare Kuppel gewesen, die mit der kompletten Voraus-Mission verloren ging.“ Er machte eine halbkreisförmige Bewegung mit den Armen. „Hier würde ein Riesending stehen. Das wäre ein rechter Garten für dich, Maus. Nicht dieses kleine Gärtchen in diesem Schlauch.“
„Ich kann genug Nahrung für uns alle in diesem Schlauch anbauen“, meinte Antje. „Du musst dir keine Sorgen machen, Ethan.“
McDuff hob einen Stein vom Boden auf und schleuderte ihn davon. Der faustgroße Brocken raste in einer langgezogenen Parabel über das neue Habitat hinweg himmelwärts und schlug mehr als zweihundert Meter entfernt auf dem rötlichen Sandboden auf. „Ich mache mir keine Sorgen“, sagte Ethan. „Ich ärgere mich. In der Kuppel hättest du wirklich viel Platz, Antje. Du könntest experimentieren. Du könntest zum Beispiel deine Apfelbäumchen aussäen; von dieser süß schmeckenden Wildsorte aus dem Garten deiner Eltern.
Wir hätten in der Kuppel einen kleinen Park anlegen können, mit Platz zum leben. Da wäre es nicht so eng gewesen. Stell dir mal deine Sonnenblumen vor. Nicht die kleinwüchsigen, die du nun anzubauen gezwungen bist, um die Kolonie mit Öl zu versorgen. Ich meine die zwei Meter hohen Dinger. Ein paar von denen in einer hohen Kuppel, kleine Apfelbäumchen, Brombeerranken … verdammt, das alles können wir in der Pfeife rauchen!“
Arne musste McMeckermaul innerlich recht geben. Es war wirklich mies, dass sie die Voraus-Mission verloren hatten. Sie mussten deswegen auf so vieles verzichten. Es würde fast zwei Jahre dauern, bis eine Rakete von der Erde eine neue Kuppel brachte. Und die würden sie sich dann mit vier weiteren Marsianers teilen müssen. Mit acht Leuten würde es vielleicht eng werden.
Laura Sunderland fasste ihn am Arm: „Arne? Hast du nicht gesagt, dass du heute morgen bei einer Bodenprobe Schwefel entdeckt hast? Du hast unterwegs im Raumschiff erzählt, dass du hier auf dem Mars daraus eine Art Beton herstellen kannst. Außerdem wolltest du Ziegelsteine mit dem 3-D-Drucker machen.“
Arne wandte sich der Kanadierin zu. Hinter der Goldbedampfung ihres Helmsvisiers erkannte er die Frau als Schemen: „Klar, das werde ich machen, Laura. Wenn ich es hinkriege, können wir uns zusätzliche Habitate aus Ziegeln und Marsbeton bauen.“
„Könnte man aus diesen Materialien nicht auch eine schöne große Kuppel erbauen?“, wollte Laura wissen.
Arne blieb die Luft weg. Lauras Frage traf ihn völlig unvorbereitet. „Eine Kup …?“
Ethan kam angestapft. „Sag das nochmal, Laura!“, verlangte er.
„Eine schöne große Kuppel!“, sagte Laura. Ihre melodiöse Stimme klang klar verständlich aus den Helmlautsprechern und die TV-Zuschauer auf der Erde würden sie mit etlichen Minuten Verzögerung ebenso klar hören und dabei ihr lächelndes Gesicht auf den Bildschirmen sehen, aufgenommen von den beiden kleinen Kameras im Innern von Lauras Helm. „Stellt euch vor, wie groß die werden könnte. Viel größer als das aufblasbare Ding. Soviel steht fest. Also Arne? Könnten wir das bauen?“
McDuff trat neben Laura, sein Helmvisier auf Arne gerichtet: „Ja, Arne. Sag es uns! Du bist der Chemiker und Bauingenieur der Kolonie.“
Arne machte eine vage Handbewegung: „Leute, ich muss zuerst mal forschen. Ich muss all die Materialien, die es hier gibt, analysieren und prüfen, was ich damit anstellen kann. Wenn ich auf der Erde eine Brücke plante, wusste ich genau, mit welchen Materialien ich es zu tun hatte.“
„Arne“, sagte Ethan. Seine Stimme klang fest und fordernd: „Können wir Ziegelsteine herstellen? Ja oder nein!“
„Wir können“, antwortete Arne. „Es braucht seine Zeit. Ich muss vieles ausprobieren, bis ich die richtige Mischung der Mineralien habe. Den Beton kriege ich auch hin, da bin ich mir sicher.“ Er zeigte in die Richtung, in die Ethan den Steinbrocken geworfen hatte: „Das solltest du dir in Zukunft verkneifen. Du musst zu einem echten Schotten werden und recht geizig mit den Steinen umgehen, die hier überall rumliegen, Ethan. All die Steine, die wir aus dem Weg räumen, sollten wir zu Haufen sammeln. Wir werden sie brauchen, um ein festes Fundament für diese Kuppel herzustellen.“
„Geht klar“, rief McDuff. „Wir werden die dickeren Brocken alle sammeln.“ Er klang plötzlich gut gelaunt. „Für das Fundament unserer großen Kuppel, die wir selbst mauern werden. Könnten wir eigentlich auch Fenster einbauen? So Luken halt … aus ziemlich dickem Glas? Damit auch ein wenig Sonnenlicht reinkommt? Wir haben zwar massig Lampen mit, die genau auf Pflanzen abgestimmt sind, aber trotzdem wären Lichtöffnungen cool.“
„Wenn ich Silikate im Boden finde, sollte ich das am 3-D-Drucker hinkriegen“, sagte Arne. „Aber mach mal halblang, Highlander!“ Er lachte. „Pass auf, dass die Gäule nicht mit dir durchgehen. Zuerst muss ich mal Ziegel und Beton hinkriegen und das Wichtigste: Wie wollen wir diese Kuppel eigentlich bauen? Auf dem Mars gibt es keine Bäume. Holzverschalungen, die die Kuppel während des Baus von innen abstützen, können wir uns abschminken.“
„Sand“, sagte Antje schlicht.
Arne wandte sich der kleinen Niederländerin zu: „Sand?“
Laura lachte: „Antje hat recht. Sand!“ Sie machte eine weit ausholende Geste: „Wir gießen zuerst das Fundament. Schön groß und kreisförmig. Dann beginnen wir außen damit, die Kuppel zu bauen – Steinreihe auf Steinreihe. Sobald wir kniehoch gemauert haben, bringen wir innen Sand ein. Wir füllen die entstehende Kuppel praktisch von innen damit aus. Außen schütten wir auch Sand auf. Dort können wir dann hochkrabbeln und weitermauern. Immer eine Reihe rundherum. Sand von innen und außen anhäufeln. Wieder eine Reihe Ziegelsteine obendrauf. Wir werden die Neigung genau ausrechnen müssen, damit eine Kuppelform entsteht. Der Sand innendrin wird die entstehende Kuppel stützen, bis wir ganz oben die letzten Ziegel einmauern und die Kuppel fest und stabil ist.
Dann öffnen wir die Tür und buddeln den ganzen Sand raus und tadaaa!, haben wir eine Kuppel.“
„Fantastisch!“, rief Ethan. Der Amerikaner war voller Überschwang. „Das machen wir! Unbedingt! Wir werden eine große Kuppel haben! Mit Fenstern! Maus, du wirst keinen Garten bekommen, sondern einen Park! Mit Apfelbäumen und hohen Sonnenblumen und einem kleinen Teich. Wir werden eine Recreation Area erschaffen, in der wir uns so richtig wohlfühlen werden. Zusätzlich wird das Ding wesentlich sicherer sein in Sachen Meteoriten.“ Er umarmte Antje, was komisch aussah, da beide ihre unförmigen Marsanzüge trugen. „Maus, was sagst du dazu?“
„Ich sage, dass wir zuallererst mal all die blöden Wackersteine wegräumen müssen, die hier überall herumliegen“, antwortete Antje. Sie lachte: „Ich glaube, mich zu erinnern, dass ein gewisser Ethan McDuff darauf bestand, dass wir das als Erstes tun müssten, damit niemand über solch einen Brocken stolpert und sich ein Fußgelenk verstaucht oder gar bricht. Wir haben eine Menge Arbeit vor uns.“
McDuff hob sie hoch, als wäre es nichts. „Wie recht du hast, Maus! Natürlich müssen wir die Steine aus dem Weg räumen, aber doch nicht von morgens bis abends. Wir würden wahnsinnig werden, wenn wir immer nur dieselbe stumpfsinnige Arbeit machen müssten.
Also werden wir morgens Steine räumen. Dabei sollten wir übrigens jeden einzelnen Brocken umdrehen und genau inspizieren. Für Laura. Wer weiß, vielleicht entdecken wir Anzeichen früheren Lebens … einen fossilen Abdruck. Eine Versteinerung.
Wir werden aber spätestens ab Mittag andere Arbeiten verrichten. Maus muss das neue Treibhaus einrichten und in Betrieb nehmen. Sie muss die Pflanzschalen aufstellen, Marserde und dieses gepresste Polyesterfleece-Substrat einbringen und die Aussaat beginnen.
Wir alle werden ihr reihum dabei helfen. Antje wird unsere Nahrung anbauen, Leute. Das ist wohl der wichtigste Job überhaupt. Schön, wir alle können gärtnern. Wir haben es ja während der letzten Jahre gelernt, aber Maus hat einen grünen Daumen. Das wissen wir alle.
Arne wird an seinen Ziegeln und diesem Schwefelbeton arbeiten. Auch dabei sollten wir ihm nach Kräften helfen. Laura ist Geologin. Sie kann ihm helfen, in der näheren Umgebung den Boden nach Mineralien zu untersuchen. Vielleicht finden wir Blueberrys. Arne hat gesagt, daraus könnte man prima Raketentreibstoff herstellen.
Ach noch was: Wenn euch etwas einfällt, egal wie unwichtig es euch erscheinen mag – sprecht es laut aus, damit wir anderen es hören und es zudem aufgezeichnet wird. Es sind gerade die Kleinigkeiten, die zu Großem führen. Jede Idee ist wichtig! Alles kann uns voranbringen. Auch die Leutchen von Ground Control in der guten alten Heimat können uns helfend unter die Arme greifen mit Ideen und Rezepten, zum Beispiel, was diesen Marsbeton betrifft.
Egal was kommt, wir werden diese Kuppel bauen, Leute! So wahr ich Ethan McDuff heiße!“
Arne musste sich eingestehen, dass ihn McBestimmers Ausbruch gepackt hatte. Er wollte nur zu gerne machen, was der Amerikaner vorgeschlagen hatte.
Er deutete an der Reihe der nebeneinanderstehenden Dragon-Kapseln entlang, über die drei Habitate hinaus: „Da hinten wäre der beste Platz für die Kuppel. Stellt es euch bildlich vor. Da steht sie, ein großer rötlicher halbkreisförmiger Bau. Könnt ihr sie sehen?“
„Ja“, sagte McDuff. „Ich sehe sie genau vor mir.“
„Wie hoch soll sie werden?“, fragte Arne.
„Richtig hoch!“, verlangte Ethan. „Das soll kein kreisförmiges Zimmerchen werden. Eher eine kleine Halle. Zehn Meter wären okay.“
„Könnten wir wirklich eine richtige Halle errichten?“, fragte Laura. „Ein Ding, so groß wie eine Reithalle?“
Arne schüttelte den Kopf: „Tunnelförmig geht vorerst nicht. Wir können kleine Habitate tunnelförmig bauen, mit rechteckigem Grundschnitt. Aber ein richtig großes Ding sollten wir kreisförmig hochziehen. Wir wissen noch nicht, wie hier auf dem Mars die Statik funktioniert. Eine halbkreisförmige Kuppelform ist die beste Wahl.“
Er zeigte zum neuen Habitat: „Die Living-Unit ist fertig aufgeblasen. Lasst uns die Anschlüsse kontrollieren und dann reingehen und sie mit Atemluft füllen. Je eher wir das Teil fertigstellen, je eher kann Maus damit anfangen, ihren Garten zu erschaffen.“
Arne drehte sich nach rechts: „Die Sonne senkt sich bereits in Richtung Horizont. Für heute haben wir genug hier draußen geschuftet.“
Ethan schlug ihm auf die Schulter: „Du hast recht, Arne.“ Er schaute zur Sonne, die klein und seltsam bleich überm Horizont hing, eine bläulich-weiße Scheibe. Wieder war die Atmosphäre über dem roten Planeten im Sonnenuntergang eher bläulich verfärbt. Nur abseits der Sonne war alles rötlich. „Das ist einfach schön“, sagte Ethan. „Niemand außer uns sieht einen solchen Sonnenuntergang. Was sind schon Bilder und Filmaufnahmen!? Man muss es selbst sehen. Mit eigenen Augen.“
„Denk daran, dass wir das nur noch sechsundsechzigmal zu sehen bekommen“, sagte Laura.
„Wie?“, fragte Antje.
Ethan lachte sein raues Lachen: „Achtundsechzig Tage! Haben die Schlauberger behauptet, die alles schlecht machen mussten. Die haben doch gesagt, dass nach achtundsechzig Tagen alles aus ist auf dem Mars. Leute, ich schlage vor, am neunundsechzigsten Tag machen wir dann eine Geisterparty mit unseren toten Geistern als Partygäste.“
Jetzt lachten sie alle. Sie fühlten sich großartig. Sie würden es den Nörglern und Unkenrufern auf der Erde schon zeigen. Sie würden nicht sterben. Sie würden leben! Sie würden ein schönes Leben auf dem Mars haben.
Arne Heuermann betrat, wie üblich, die Schleuse als letzter. Er ließ immer den anderen den Vortritt und stand noch ein Weilchen da und schaute sich seine neue Heimat an. Der Anblick, der sich von der Reihe der Dragon-Kapseln aus bot, war genauso atemberaubend wie am ersten Tag. Es wurde ihm nie langweilig, in die rostrote Ebene hinauszuschauen und den Blick über die Hügel weiter links und den leicht gezackten Kraterrand weiter rechts wandern zu lassen. Arne Heuermann liebte seine neue Heimat.

*

Liam und Dorothy saßen dicht nebeneinander auf der Fernsehcouch. Sie schauten Mars-TV. Die Kinder waren bei ihrer Großmutter Penelope. Heute also mal keine Bemerkungen mit keelee und thetterbee.
Die Außenkameras der Kolonie zeigten ein rotbraunes Panorama vor der Reihe der Raumkapseln. Die vier Marsianer räumten Steine weg. Kleine Steine wurden in Eimern gesammelt, größere Brocken landeten auf dem Anhänger des großen Rovers. Sämtliche Steine schichteten die vier Kolonisten ein Stück weit von der Kolonie entfernt zu kleinen Pyramiden auf. Bald würden sie anfangen, nach allen Seiten steinfreie Fahrstraßen für die großen Rover freizuräumen. Zwar konnten die Marsfahrzeuge problemlos auch größere Brocken überwinden, aber auf einer freigeräumten Piste konnte man viel schneller fahren.
Manchmal schalteten die Techniker auf die äußeren Helmkameras der Marsianer um, vor allem auf die Kameras von Laura Sunderland. Die Kanadierin nahm jeden Stein genau unter die Lupe, in der Hoffnung, auf Fossilien zu stoßen.
Die vier Marsnauten unterhielten sich bei der Arbeit. Gerade ging es um die Habitate für die zweite Crew. Diese würden erst in knapp zwei Jahren zum nächstmöglichen Hohmann-Transfer-Fenster Crew Nr 2 vorausgeschickt werden. Crew Nr 2 würde im Abstand von etwa drei Wochen folgen.
„Wenn sie die Habitate gleich geschickt hätten, könnten wir sie aufbauen und als zusätzliche Treibhäuser und zum Lagern von Sachen benutzen“, sagte Antje van Dijk, die kleine Niederländerin. „Dann wäre es nicht ganz so eng. Man muss ständig Sachen umräumen, um Platz zu haben. Warum schickt Mars First die Dinger so spät los?“
Laura Sunderland kniete neben Antje nieder. Sie nahm der Holländerin einen Stein aus der Hand: „Schöner Regolit.“ Sie drehte den Brocken um. „Leider ohne Fossilien. Weißt du, die hatten halt nicht das Geld, die Sachen früher zu schicken. Ein Raketenstart zum Mars ist nicht gerade billig. Mars First war finanziell ziemlich in die Ecke gedrückt, als alles für unseren Start vorbereitet wurde. Du erinnerst dich doch bestimmt noch an die Nöler, die gleich wieder damit anfingen, die gesamte Mission würde nicht stattfinden, weil Mars First so gut wie pleite sei.“
„Ja, stimmt“, sagte Antje. „Und wie die genölt haben!“ Man sah das Oberteil ihres Anzugs wackeln, ein Zeichen dafür, dass Antje im Helm den Kopf schüttelte. „Immerzu haben sie alles schlecht gemacht. Ich fand das als sehr unhöflich.“
„Unhöflich?“ Laura stand auf. Inzwischen bewegte sie sich, genau wie die drei anderen, geübt in dem dicken Marsanzug. Nach etlichen Tagen war die Muskelkraft der Kolonisten zurückgekehrt. „Die waren nicht unhöflich. Die waren gemein! Einfach nur hundsgemein!“
Dottie, die eng an Liam geschmiegt war, stieß ihn an: „Diese Laura ist ja im Moment ganz schön keelee.“
„Stimmt“, gab er ihr recht. „Ich kann sie verstehen. All diese dummen Menschen mit ihren Unkenrufen und der Schlechtmacherei. Das war mehr als unangenehm. Die haben mit ihren Tiraden den Mut und die Motivation unserer Marsnauten untergraben. Stell dir vor, man sagt dir beinahe täglich, dass es schief gehen wird und du sterben wirst. So etwas geht nicht spurlos an einem vorbei.“
„Vielleicht sind die Nöler und Motzer auch schuld an Ethans Angst.“
Er schaute seine Frau an: „Möglich, aber der gute alte Ethan hat keine Angst mehr.“
„Doch, hat er“, gab Dorothy zurück. „Auch die Zwillinge haben es letztens wieder bemerkt. Er verbirgt es gut, aber er spürt eine unterschwellige Angst. Seit die voraus gesandte Dragon-Kapsel in der Atmosphäre verglüht ist, scheint ihm das Vertrauen in die gesamte Technik zu fehlen. Mir kommt es so vor, als traue er auch den aufblasbaren Habitaten nicht über den Weg. Vielleicht ist er deswegen so wild darauf, diese Kuppel aus Marsgestein zu bauen.“
„Was ja keine schlechte Idee ist“, meinte Liam. „Wir haben zwar damit gerechnet, dass die Kolonisten über kurz oder lang anfangen würden, Bauwerke aus Marsbeton und ähnlichem zu errichten, aber nicht so bald. Als Ethan und Arne das Gebiet vermessen haben, auf dem die Kuppel erbaut werden soll, gingen die Einschaltquoten ganz schön in die Höhe.“
Dottie versetzte ihm einen erneuten Knuff: „Du immer mit deinen Einschaltquoten!“
„Aber darauf kommt es eben an, Dottie. Mit den Einschaltquoten steigt und fällt alles.“ Er lächelte sie an: „Die da oben wissen es noch nicht. Wir wollen es uns aufsparen, bis wir sicher sein können, dass wir genug Geld zusammenhaben. Wenn es soweit ist, könnten wir eventuell zwei Dragons auf Voraus-Mission schicken. In beiden würden sich aufblasbare Kuppeln befinden. Wir halten die Info aber vorsichtshalber zurück, nicht dass es finanziell nicht hinhaut. Die Kolonisten wären bitter enttäuscht.“

Powered by: Burning Board Lite 1.0.2 © 2001-2004 WoltLab GmbH