Stefans Geschichten (http://www.stefans-geschichten.de/wbblite/index.php)
- Willkommen auf der Homepage von Stefan Steinmetz (http://www.stefans-geschichten.de/wbblite/board.php?boardid=31)
--- Die kleine Privat-Ecke (http://www.stefans-geschichten.de/wbblite/board.php?boardid=86)
---- Mars First - Mit dem One Way Ticket zum Mars (http://www.stefans-geschichten.de/wbblite/board.php?boardid=98)
----- Mars First - Mit dem One Way Ticket zum Mars(5) (http://www.stefans-geschichten.de/wbblite/threadid.php?threadid=1426)
Mars First - Mit dem One Way Ticket zum Mars(5)
Sie lagen angeschnallt auf ihren Liegen. Sie trugen ihre Marsanzüge. Es war soweit. Gleich würden sie starten.
Arne schaute seine Kameraden an. Vier marsverrückte Menschen, die sich nichts sehnlicher gewünscht hatten, als hier zu sein. Er war aufgeregt wie ein kleiner Junge. Endlich ging es los. Er lächelte in die Kameras, die alles mit rund zwanzigminütiger Verspätung zur Erde übertrugen. Die Marsnauten hatten ihre Visiere offengelassen.
Arne wartete auf irgendwelche großen Worte, aber seltsamerweise schwiegen sie alle vier. Die Anspannung war fast körperlich spürbar. Sie waren aufgeregt wie Kinder, aber sie waren auch angespannt. Würde alles gutgehen? Arne hoffte es von ganzem Herzen.
„Loslösung vom Raumschiff in drei Minuten“, schallte eine Computerstimme aus den Lautsprechern. Alles lief vollautomatisch. Sie würden von der Kapsel automatisch nahe bei der Kolonie abgesetzt werden. Wenn alles gutging.
Wird schon werden, dachte Arne. Er blickte zu McDuff hinüber. Der Gute sah blendend aus, wie er da in die Kameras lächelte, doch Arne sah hinter die Fassade. Seit Tagen wusste er, dass der Amerikaner Angst hatte. Er verbarg sie gut, aber wenn man ihn näher kannte, sah man sie ganz hinten in seinen Augen schimmern.
Der Verlust der Voraus-Mission hat ihn ganz schön fertig gemacht, überlegte Arne. Bis dahin war alles gut gelaufen und dann das! Eine Dragonkapsel verloren. Die ist wohl verglüht oder ungebremst auf der Marsoberfläche aufgeschlagen; ein Fehlschlag, im wahrsten Sinne des Wortes.
Da kann einem schon anders werden, klar. Aber der gute Mc hat mehr als nur ein bisschen Muffensausen. Ethan ist einer Panik nahe. Nicht eben das, was man von einem Kameraden auf so einer Mission erwartet. Wir wurden doch in Sachen Psyche getestet. Haben die da was bei McDuff übersehen? Der Kerl ist kurz vorm Durchdrehen, auch wenn er sich eisern beherrscht. Der ist ganz und gar nicht cool. Wenn es auch nur ein kleines bisschen anfängt zu rumpeln, kriegt der Kerl die Panik. Was, wenn er ausflippt?
Wieder einmal beklagte Arne in Gedanken den Unfall von Katsuro Yamamoto. Der Japaner würde in stoischer Ruhe die Landung abwarten. Man würde ihm kaum ansehen, wie sehr er sich darauf freute. Aber Yamamoto war auf der Erde. An seiner statt hatten sie ein Nervenbündel in der Kapsel, eine menschliche Zeitbombe, die jederzeit hochgehen konnte.
Hoffentlich läuft alles glatt, dachte Arne. Er betete dafür.
„Loslösung vom Raumschiff in zehn ...“, meldete die Computerstimme, „... neun, acht, sieben , sechs...“
Bei „eins“ gab es einen kleinen Ruck, beinahe nicht zu spüren. Arne sah ihr Mutterschiff draußen vor der Luke vorbeidriften. Oder drifteten sie am Mutterschiff vorbei?
Leises Zischen, Vibrieren. Kurze Stöße aus den Steuerdüsen bewegten die Dragon 3.0 und brachten sie in die richtige Position.
„Abstieg der Landekapsel beginnt“, kommentierte die Stimme aus den Lautsprechern. Sie lauschten schweigend, während die Stimme weitere Kommentare abgab und alles live zur Erde übertragen wurde.
„Kapsel trifft auf Atmosphäre.“ Es ging los.
Zuerst war da ein Zischen, dass immer lauter wurde. Die Kapsel begann zu zittern. Alles vibrierte.
„Das rumpelt ja gewaltig“, rief Ethan. „Also Erste Klasse ist das nicht, Leute! Ich glaube, man hat uns reingelegt. Das hier ist die Holzklasse.“ Der Amerikaner lachte.
Arne atmete auf. Gut so! Ethan hatte sich wieder eingekriegt. Keine Panik, in der Landekapsel. Stattdessen Witzchen über ihr Transportvehikel.
Solange er so drauf ist, dreht er nicht durch. Bleib bitte so, Ethan. Spar dir deine Panik für süße Albträume in deiner Koje drunten im Habitat auf der Marsoberfläche. Mann! Das rumpelt wirklich gewaltig. Ob auch alles in Ordnung ist?
Laut der Computerstimme aus den Lautsprechern lief alles exakt nach Plan. Sie drangen in einem genau berechneten Winkel in die dünne Atmosphäre des Mars ein. Zu flach durfte der Eindringwinkel nicht sein, sonst würden sie an der Lufthülle des Planeten abprallen wie ein Ball auf der Tischtennisplatte und ins All geschleudert werden. Zu steil durften sie aber auch nicht runter, sonst verglühte die Kapsel.
Dieser Teil der Reise gehörte eindeutig nicht zu Arne Heuers most liked. Er hätte liebend gerne auf das Gerumpel verzichtet. Er bemühte sich, ein möglichst neutrales Gesicht zu machen. Sie wurden schließlich gefilmt. Die auf der Erde brauchten nicht zu sehen, dass er Muffensausen hatte.
Doch es lief wie am Schnürchen. Als sie tief genug unten waren, starteten die Triebwerke und bremsten die Kapsel ab. Nun rumpelte es nicht mehr so schlimm. Sie trieben weiter abwärts auf den rostroten Untergrund zu. Es ging schnell. Arne war erstaunt, als die Lautsprecher das Näherkommen der Marsoberfläche meldeten. Die Bremstriebwerke der Dragon 3.0 verstärkten ihren Schub. Arne hatte das Gefühl, als wolle sein Magen zu seinem Kehlkopf hochkriechen.
Unter ihnen fauchten und grollten die Düsen, die die Kapsel stabilisierten. Dann gab es einen harten Ruck und die Kapsel stand still.
„Landung geglückt“, verkündete die Computerstimme aus den Lautsprechern.
„Wir sind unten“, sagte Maus. Sie öffnete ihre Sicherheitsgurte. „Wir sind gelandet.“ Sie richtete sich auf. „Wir sind auf dem Mars!“
Arne löste die Gurte. Er richtete sich auf. Waren sie tatsächlich schon unten?
Ein seltsames Gefühl kam über ihn. Es dauerte eine Weile, bis er begriff: Er hatte ein Gewicht. Er war nicht länger schwerelos.
Er hob die Arme – und war überrascht, wie schwer das ging. Man hatte sie darauf vorbereitet. Gleich nach der Landung würde es am unangenehmsten sein. Sie hatten eine siebenmonatige Schwerelosigkeit hinter sich. Auch wenn sie täglich ihre Sportübungen absolviert hatten, die Muskulatur hatte sich zurückgebildet. Das war die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht war, dass es nur kurze Zeit dauern würde, um die Muskeln wieder aufzubauen.
Neben sich hörte er Maus sprechen. Die Niederländerin hatte sich Laura Sunderland zugewandt: „Ich habe mir mit siebzehn das linke Handgelenk verstaucht. Ein Sturz. Dabei ging auch einer der Handwurzelknochen zu Bruch. Ich musste drei Wochen lang einen Gips tragen. Als der Arzt den abnahm, bin ich furchtbar erschrocken. Darunter kam mein völlig abgemagerter Unterarm zum Vorschein. Er war nur noch Haut und Knochen. Der Arzt versprach mir, dass sich die geschrumpften Muskeln in zwei Wochen erholen würden und genau so war es auch.“
„Hoffen wir das Beste!“ Laura stand auf. Sie war wackelig auf den Beinen. Der Reihe nach taten sie es ihr gleich.
Arne war verblüfft. Er wog gerade mal ein Drittel dessen, was er auf der Erde wiegen würde und doch musste er sich sehr anstrengen. Er fühlte sich wie nach einer langen, schweren Erkrankung, die ihn wochenlang ans Bett gefesselt hatte.
„Seid ihr in Ordnung?“, fragte Ethan. Der Amerikaner klang dermaßen erleichtert, dass Arne sicher war, dass man das auch im Fernsehen auf der Erde hören konnte. Sie waren heil runtergekommen. Wahrscheinlich schickte McDuff im Stillen ein Dankesgebet nach dem anderen an den Lieben Gott.
Sie waren okay, aber sie waren geschwächt.
„So schlimm habe ich es mir nicht vorgestellt“, sagte Antje. „Hoffentlich bessert sich das bald.“
„Ganz sicher, Maus“, meinte McDuff. „In einer Woche springst du herum wie eine muntere Maus. Onkel Ethan verspricht es dir.“ Er machte sich an seinem Bildschirm zu schaffen und ließ die Finger über den Touchscreen wischen. „Alle Systeme okay. Bisher kein Signal von der Kolonie.“ Er bearbeitete seinen Bildschirm weiter. „Shit! Gerade kommen die Daten. Wir sind mehr als zehn Kilometer von der Basis entfernt gelandet. Guter Gott! Das ist von allen Kapseln, die hier runter kamen, die weiteste Distanz. Nummer vier ging gerade mal tausendfünfhundert Meter von den Habitaten entfernt runter und Nummer fünf kam in einer Entfernung von weniger als drei Kilometer runter.
Wir sind über zehn Kilometer entfernt von der Kolonie! Toll!“ Ethan beugte sich über den Bildschirm: „Die Orbiterdaten sagen einen möglichen einen Sandsturm voraus. Na bestens! Dann bleibt der Rover daheim und lässt uns hier versauern!“
„Wir können problemlos besseres Wetter abwarten“, sagte Arne. „Wir haben genug Wasser, Nahrung und Luft in unserer Dragon, dass wir es locker einen ganzen Monat aushalten.“
„Einen Monat!?“ McDuff starrte Arne an wie den Mann im Mond. „Wir sollen einen ganzen Monat hier drin eingesperrt verbringen?“
Hier drin, dachte Arne. Blödmann! Was denkst du, wo wir in Zukunft leben werden? In den zusammengekoppelten Dragons und den kleinen angeschlossenen Habitaten! Es wird eng werden in den Living Units, verdammt eng. Was hast du erwartet, McDickmaul? Eine Turnhalle?
Laut sagte er: „So lange könnten wir aushalten. Aber der Rover kommt viel früher.“ Er zeigte auf seinen Computerschirm: „Eben kommt die Meldung, dass er sich auf dem Weg gemacht hat. Er wird von Signalen der Orbiter und der Kolonie und unserem Rufcode gesteuert. In zwei Stunden wird er hier sein; vielleicht etwas früher. Kommt aufs Gelände an.“
Antje van Dijk griff nach ihrem Helm: „Dann ist ja mehr als genug Zeit für einen ersten Spaziergang auf dem Mars. Ich gehe raus. Wer kommt mit?“
„Ich!“, brüllten sie im Chor. Wilde Hektik setzte ein. Das hier lief ganz sicher nicht so, wie bei Profis von der NASA ab. Arne grinste sich einen. Das war ja gerade das Gute an Mars First. Es gefiel ihm.
Alle setzten sich die Helme auf. Sie ließen die Computer der Anzüge laufen, um alles zu prüfen. Nach dem Okay gingen sie zur Schleuse. Normalerweise war in der Schleuse einer Dragon immer nur Platz für zwei Personen, aber ihre Kapsel hatte eine größere Schleuse eingebaut, um Streitereien zu vermeiden, wer als Erster nach draußen durfte.
McDuff drängelte sich trotzdem geschickt in die Position, die es ihm erlauben würde, als Erster rauszugehen.
Arne verdrehte die Augen. Der Kerl änderte sich nicht. McDoof kannte nur sich. Für Ethan kam Ethan an erster Stelle, dann wieder Ethan und noch einmal Ethan. Danach kam Ethan und dann erst der Rest der Welt.
Geh doch als Erster!, dachte Arne. Mir egal! Sag deinen Spruch auf, den du auswendig gelernt hast, genau wie du die Daten über den Mars in die Kameras aufgesagt hast, wie ein auswendig gelerntes Gedicht. Geh und produzier dich, McAngeber!
Ich habe nichts auswendig gelernt. Ich werde aussteigen und mich umsehen und dann sagen, was ich fühle. Ich werde ehrlich sein.
Es zischte und brummte, als die Luft aus der Schleuse abgepumpt wurde.
„Schleuse bereit zum Verlassen“, meldete die emotionslose Computerstimme. Kameras in der Schleuse filmten die Crew. Sie trugen auch mehrere kleine Kameras an den Anzügen und den Helmen. Kleine Kameras filmten ihre Gesichter in den Helmen. Von außen konnte man die durch die mit Gold bedampften Visiere nämlich nicht sehen. Sie hatten kleine Displays im Helm, auf denen sie die Aufnahmen der Gesichter ihrer Kameraden aufrufen konnten.
Hätten wir auf den Rover gewartet, hätte der mit seinen Kameras unseren Ausstieg filmen können, überlegte Arne. Doch das glaubte er selbst nicht. Er war, wie die anderen drei, viel zu ungeduldig. Er wollte raus. Unbedingt!
McDuff betätigte den Mechanismus zum Öffnen der Schleuse. Leise summend glitt die Schleusentür zur Seite. Sonnenlicht flutete in die Schleusenkammer.
Arne zog es das Herz zusammen. Sonnenlicht! Wie lange hatte er kein richtiges Licht mehr gesehen. Im Raumschiff mit den winzigen Luken war die Sonne nicht recht zum Zuge gekommen. Hier und jetzt strahlte sie hell und warm und sie warf scharfe schwarze Schatten. Draußen erkannte er den Boden. Er erkannte Sand und Steinbrocken. Er wunderte sich. Er hatte Rot erwartet. Hieß es nicht, der rote Planet? Aber der Boden vor der Schleuse war eher ockerfarben.
Er sah McDuff hinausgehen.
Los! Sag deinen Spruch auf! Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Schritt für die Menschheit! Sag’s schon!
Ethan sagte etwas vollkommen anderes. „Verdammt!“, rief er und geriet ins Stolpern. Er machte ein paar hastige, unbeholfene Schritte. Beinahe wäre er hingefallen.
„Ein kleiner Schritt für einen Menschen“, hörte Arne sich sagen, „und ein Riesengelächter für die Menschheit, wenn er sich ablegt.“ Die Worte rutschten ihm einfach so heraus.
Antje und Laura brachen in Lachen aus. McDuff fing sich und drehte sich zur Schleuse. Arne konnte sein Gesicht nicht sehen. Das Visier des Helms war mit Gold bedampft. Er sah nur einen Helm, der in seine Richtung zeigte. Aber er hätte schwören können, dass ihn McDuff hinter der reflektierenden Bedampfung wütend anstarrte.
Dann fiel ihm ein, dass jeder eine winzige Helmkamera hatte, die sein Gesicht zeigte. Nein, Mister Angeber würde sich eisern beherrschen und ihm gleich einen passenden Spruch um die Ohren hauen. Ethan McDuff war derjenige, der austeilte, nicht umgekehrt. Schon legte er los: „Ein lächerlich kleiner Schritt für einen Menschen und ein großer Lacher für die Menschheit.“ Ethan lachte fröhlich. „Mann, Leute! Ich wollte zwar zum Mars, aber ich wollte ihn nicht gleich stürmisch umarmen!“ Arne konnte das Lachen der Zuschauer beinahe hören. McSchlau hatte sich gekonnt aus der Affäre gezogen. Wider Willen musste er dem Amerikaner Respekt zollen. McDuff war schon eine Nummer!
Ethan wurde ernst. „Schau bitte nach unten, Arne, dann passiert dir nicht das gleiche Missgeschick“, sprach er mit ruhiger Stimme. „Da liegt ein großer Brocken genau an der Stelle, wo man hintritt, wenn man die Leiter verlässt. Leute, passt bitte auf. Nicht, dass sich jemand den Knöchel verstaucht oder gar bricht. Das wollen wir doch nicht, oder.“
Zweimal! Er hatte gleich zweimal bitte gesagt.
McDuff drehte sich um. Er betrachtete seine Umgebung. Er bewegte sich langsam und gemessen, um den Kameras an seinem Anzug ein Panoramabild ohne Ruckeln zu erlauben.
Der Kerl hatte es drauf. Immer darauf bedacht, Show zu machen für die auf der Erde. Aber war es nicht genau das, was sie machen sollten?
Der Reihe nach stiegen sie nach draußen. Sie achteten darauf, nicht auf den Brocken zu treten, der direkt vor der Schleuse lag.
„Vier Seelen sind gelandet“, verkündete Ethan McDuff mit tragender Stimme. „Wir vier sind die ersten Menschen auf dem Mars. Wir werden nicht die letzten sein. Weitere werden folgen. Gott mit uns!“
Arne musste zugeben, dass er den Spruch gut fand, ja er machte ihn sogar etwas neidisch. Aber dann war er draußen und plötzlich war ihm alles, was Ethan McDuff sagte, vollkommen gleichgültig.
Er trat ein paar Schritte weg von der Landekapsel, Schritte, die ihm sehr schwer fielen, weil seine Beine so schwach waren. Dann konnte Arne Heuer nur noch schauen. Seine Augen tranken die Welt, in der er gelandet war.
Er hatte Fotos gesehen, aufgenommen von den Marsrovern der NASA und dann die Bilder von ihrer Kolonie, aufgenommen von den Rovern und den Außenkameras. Doch das waren nur zweidimensionale, nichtssagende Bildchen gewesen. Sie hatten Arne nicht auf das vorbereiten können, was sich seinen Augen jetzt darbot.
Um ihn herum war Wüste. Alles wirkte karg und steinig. Überall war Sand. Steinbrocken unterschiedlicher Größe lagen herum. Er sah einige flache Hügel in der Ferne. Die Dragon war am Rande einer Senke heruntergegangen.
Die vorherrschende Farbe war Rot, Rot in allen möglichen Schattierungen, von sandfarben, ocker, graurot und dem Rot wie er es von Rote Bete im Glas kannte. Dazwischen mischten sich Grautöne und braune Schattierungen. Aber es war vor allem rot. Sogar der Himmel hatte eine sanfte, lachsrosa Tönung.
Die Luft war absolut klar. Arne konnte sehen bis zum Horizont. Er sah Kanten und riffartige Strukturen, kleine Krater, die aussahen, als hätten Kinder sie beim Spielen gegraben und helmförmige orangerote Dünen, die an der windabgewandten Seite Häufchen von schwarzem Staub aufgehäuft hatten.
Der Horizont wirkte unwirklich nah.
Der geringere Durchmesser von Mars, dachte Arne. Mars ist nur halb so groß wie die Erde. Deshalb erscheint der Horizont so nahe.
Er betrachtete die sanfte, rötliche Wüste um sich herum. Er hatte befürchtet, dass ihn der Anblick einer solch einfarbigen Einöde abstoßen könnte, doch das Gegenteil war der Fall. Vor ihm lag im Licht einer Sonne, die milder und sanfter schien als auf der Erde, eine Wüstenlandschaft von einzigartiger Schönheit. Noch nie hatte Arne Heuer etwas so schönes gesehen.
Das sagte er auch laut: „Mein Gott, ist das schön!“ Das war sein Spruch für die Leute auf der Erde, aus dem Gefühl heraus gesagt, absolut ehrlich und ohne falsches Pathos. Es war schön. Einfach wunderschön!
Ich bin zu Hause, dachte Arne. Ich bin endlich angekommen. Ich bin hier. Auf dem Mars. Ich bin zu Hause!
Sein Herz schlug vor Glückseligkeit.
Nach Jahren des Träumens und Sehnens war er angekommen. Endlich!
Powered by: Burning Board Lite 1.0.2 © 2001-2004 WoltLab GmbH